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Pflanzenschutzmittel

Winzer sind sauer über Backpulver-Verbot beim Wengertspritzen 

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Kaum zu glauben: Backpulver ist ein probates und günstiges Mittel gegen schädliche Pilze im Weinbau. Nun ist der Einsatz plötzlich verboten. Viele Winzer sind sauer.


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Was Außenstehenden kaum bewusst ist, bestenfalls Hobbygärtnern und Winzern: Backpulver kann man nicht nur zum Kuchenbacken brauchen. Es ist auch ein bewährtes Mittel gegen die Pilzkrankheit Oidium, für die je nach Witterung traditionelle Weinreben besonders anfällig sind. Unter dem Fachbegriff Natriumhydrogencarbonat benutzen es vor allem Öko-Winzer, aber auch viele konventionelle Wengerter, manche mischen es auch mit anderen Pflanzenschutzmitteln.

Die Vorteile liegen liegen auf der Hand: Backpulver ist einfach zu bekommen, gut zu handhaben, besonders umweltschonend und um ein Vielfaches günstiger als andere Mittel, nämlich sieben bis zehn Mal.

Zwischen High Tech und Hausmittelchen: Winzer setzen beim Wengert-Spritzen teils tatsächlich Drohnen  ein. Backpulver ist dabei ein gutes Pflanzenschutzmittel, sein Einsatz aber plötzlich verboten.
Zwischen High Tech und Hausmittelchen: Winzer setzen beim Wengert-Spritzen teils tatsächlich Drohnen ein. Backpulver ist dabei ein gutes Pflanzenschutzmittel, sein Einsatz aber plötzlich verboten.  Foto: Harald Tittel

Aus für den Grundstoff: Backpulver verliert Zulassung als Pflanzenschutzmittel

Doch auf einen Schlag steht Backpulver gleichsam auf der roten Liste. Das Unternehmen Biofa aus Münsingen bei Reutlingen hat nämlich die Zulassung für ein Pflanzenschutzmittel bekommen, das fast vollständig aus dem Grundstoff Backpulver besteht: Natrisan.

Der Haken daran: Laut EU-Recht darf ein Stoff nicht gleichzeitig Grundstoff und Pflanzenschutzmittel sein. In diesem Fall wird die Zulassung als Grundstoff zurückgenommen. Genau dieser Fall ist beim Backpulver nun eingetreten.

 Winzer kritisieren neue Regeln für Backpulver-Einsatz – Öko-Winzer Stutz: „Wir sind einmal mehr Opfer der Bürokratisierung“

Winzer in Deutschland und Österreich, wo Natrisan auch zugelassen ist, sind darüber natürlich sauer. „Wir sind einmal mehr Opfer der Bürokratisierung“, bedauert Andreas Stutz als Sprecher des Ecovin-Verbandes Württemberg. Der Heilbronner weiß von Kollegen, die dem Unternehmen Profitgier zu Lasten ihrer Betriebe vorwerfen, die derzeit sowieso unter einem ständig steigenden Kostendruck zu leiden hätten.

Ohne Pflanzenschutzmittel werden Reben von Schadpilzen befallen.
Ohne Pflanzenschutzmittel werden Reben von Schadpilzen befallen.  Foto: Archiv

Streit um Backpulver im Weinbau: Betroffene Firma weist Vorwürfe der Geldmacherei zurück

Die Firma Biofa lässt das nicht kalt. Auf ihrer Homepage findet sich eine dreiseitige Stellungnahme. Man habe keinesfalls die Absicht, Winzern wirtschaftlich zu schaden. Gleichzeitig sieht sich das Unternehmen selbst ungerecht behandelt, und zwar von der EU-Kommission. Diese habe Backpulver einst überhaupt nur deshalb als Grundstoff zulassen können, weil sie – aus Sicht des Unternehmens – unrechtmäßig auf frühere Studiendaten von Biofa zurückgegriffen habe, ohne das Unternehmen dafür zu bezahlen. Die EU-Kommission selbst habe das Unternehmen dann aufgefordert, die Zulassung von Natriumhydrogencarbonat als Pflanzenschutzmittel zu beantragen.

Weinbauverband fordert „realitätsnahe Preisgestaltung“

Hermann Morast vom Weinbauverband Württemberg hält nichts von Schuldzuweisungen gegen die Firma, der Fehler liege vielmehr im System. Es sei nicht nachvollziehbar, dass ein Stoff, der in Lebensmitteln stecke und im Supermarkt problemlos zu kaufen sei, nun plötzlich zum streng reglementiertes Pflanzenschutzmittel sei. Dass eine Firma Gewinn machen wolle, sei ja legitim, allerdings wünsche man sich eine „realitätsnahe Preisgestaltung“.

Eine kurzfristige politische Lösung sei wohl kaum möglich, heißt es in einer Stellungnahme des Deutschen Weinbauverbandes. „Wir fordern aber explizit alle Handelnden auf, sich diese schwierige Situation bewusst zu machen, aufeinander zuzugehen und so vielleicht auf wirtschaftlicher Basis einen erträglichen Kompromiss zu finden.“ 

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