Eigene Auto-Kennzeichen für große Städte? Bad Rappenau, Eppingen und Neckarsulm reagieren
320 deutsche Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnern sollen eigene Kfz-Kennzeichen bekommen. Das schlägt Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn vor. Der Vorstoß kommt nicht nur gut an.
Für Große Kreisstädte wäre das Stadtmarketing kostenlos, Einwohner könnten sich noch stärker mit ihrer Heimat identifizieren: Ralf Bochert schlägt vor, dass Städte ab 20.000 Einwohner ein eigenes Kfz-Kennzeichen bekommen sollten.
In Sachen Zulassung ist der Professor der Hochschule Heilbronn kein Unbekannter: Auf seine Initiative hin sind die Altkennzeichen ehemaliger Landkreise zurück auf Autos und Lkw. Der neue Vorstoß bedeutet: Nicht mehr nur ÖHR für den Altkreis Öhringen ist denkbar, EPP könnte für Eppingen, RAP für Bad Rappenau und NC für Neckarsulm stehen, so jedenfalls die Anregung des Professors für VWL und Destinationsmanagement.
Eigenes Auto-Kennzeichen für Städte wie Eppingen: "Kann identitätsstiftend sein"
"Die Kennzeichenliberalisierung kann Mittelstädte und Mittelzentren wie Eppingen durch ein einfaches Zeichen hervorheben und die Bedeutung des kommunalen Selbstverständnisses festigen", so Vanessa Heitz, die in der Stabsstelle Oberbürgermeister im Rathaus Eppingen mitarbeitet. "Es kann identitätsstiftend sein und gleichermaßen die Außenwirkung erhöhen."
Die Hochschule hat die Idee kürzlich auch Eppingen präsentiert. "Wir zeigen uns aufgeschlossen dem Thema gegenüber, dennoch haben wir derzeit wichtigere Themen und große Herausforderungen auf kommunalpolitischer Ebene zu bewältigen – vom Rechtsanspruch der Ganztagesbetreuung bis hin zu Infrastruktur und erneuerbaren Energien -, die momentan unsere Ressourcen in der Stadtverwaltung priorisiert einnehmen."
Vanessa Heitz ergänzt: "Wir verschließen uns dem Thema nicht, aber es ist klar, dass dies ein kommunalpolitisches Thema ist und die Entscheidung durch die Gremien getroffen wird."
Neue Auto-Kennzeichen? Heimatforscher aus Eppingen reagiert überraschend
Die meisten Eppinger Stadtteile sind badisch, nur Kleingartach ist württembergisch. Viele Eppinger fühlen sich deshalb eher mit Karlsruhe verbunden als mit Heilbronn. Dazu passt, dass vor einigen Jahren ein Begrüßungsschild des Heilbronner Lands auf Eppinger Gemarkung kurzerhand abmontiert und auf einem benachbarten Friedhof deponiert wurde. Eine weitere Tafel bekam dem Schriftzug "Badner Land".
Kaum einer kennt die Eppinger Befindlichkeiten besser als der Vorsitzende des Heimatvereins Heimatfreunde Eppingen, Reinhard Ihle. Er erinnert sich noch an Urlaubsfahrten als Kind und mit dem eigenen Nachwuchs, als man unbekannte Kennzeichen erraten musste. "Das war eine lustige Raterei." Mit noch mehr Kennzeichen fiele diese Abwechslung wohl weg. "Ich halte die Kennzeichen für nicht notwendig." Nachvollziehbar seien die Kennzeichen mit geschichtlichem Bezug zu einem ehemaligen Landkreis. "Jetzt jeder Großen Kreisstadt ein Kennzeichen zu geben, ist nicht sinnvoll."
Eigenes Kennzeichen für Bad Rappenau? Stadt hat andere Schwerpunkte
Auch im Bad Rappenauer Rathaus liegen die Schwerpunkte gerade an anderer Stelle. Abriss und Neubau des Solehallenbades, Neubau von Kindergärten, Hochwasserschutz, Personalsuche, Ganztagsbetreuung an Grundschulen, Unterbringung von Geflüchteten, Ausbau der Windkraft: Aufgrund der vielen Themen, die die Verwaltung derzeit bearbeiten müsse, "haben wir uns bisher noch nicht intensiv mit dem Thema 'Eigenes Kfz-Kennzeichen' auseinandersetzen können", so Verena Gold, die für die Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus zuständig ist.
"Grundsätzlich gilt, dass das Thema in den politischen Gremien beschlossen werden muss, im Gemeinderat aber auch im Kreistag." Bad Rappenau wünscht sich ein "abgestimmtes Vorgehen aller Beteiligten".
NC für Neckarsulm? Oberbürgermeister Hertwig überzeugt Kürzel nicht
Neckarsulm hat sich noch nicht mit dem Vorschlag befasst. "Ob ein eigenes Kfz-Kennzeichen für die Bürger wirklich identitätsstiftend wirkt und für das Stadtmarketing einen Mehrwert bringt, halte ich zumindest für zweifelhaft", so Oberbürgermeister Steffen Hertwig. "In jedem Fall wirkt die für Neckarsulm vorgeschlagene Abkürzung NC wenig überzeugend."
Für Neckarsulm naheliegend wäre ein Kennzeichen mit Bezug zur Traditions-Zweiradmarke NSU. Ein Trio, das mehrere Migranten ermordet hat, benutzte unter der Bezeichnung Nationalsozialistischer Untergrund dieselbe Abkürzung. Außerhalb von Neckarsulm verbinden viele deshalb die Mörder damit, keinen Zweiradhersteller aus Neckarsulm. Ralf Bochert regt deshalb an, bis auf weiteres auf NSU auf dem Kennzeichen zu verzichten.
Abkürzung NSU hat in der Region Heilbronn Bezug zu Zweiradhersteller
Oberbürgermeister Steffen Hertwig sieht das ähnlich. "Historisch gesehen wäre die Abkürzung NSU theoretisch das passende Kfz-Kennzeichen für Neckarsulm." Er betont: "Wir wissen aber natürlich, wie sehr dieses Kürzel außerhalb der Region belastet ist." Unter anderem hat sich deshalb sogar die Neckarsulmer Sport-Union (NSU) in Sport-Union Neckarsulm (SUN) umbenannt. Andere Kurzformen kann sich Steffen Hertwig kaum vorstellen. "Insofern spielt dieses Thema bei uns aktuell keine Rolle.“
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Kommentare
Erich Ingelfinger am 30.09.2024 05:20 Uhr
Die Kommunen haben im Moment doch ganz andere Sorgen und Probleme.
Besonders im Fall Neckarsulm ist ein Kennzeichen wie NC doch nicht identitätsstiftend.
An den Kosten-Aufwand und die zusätzliche Ressourcen - Bindung in der Verwaltung hat der Professor wohl nicht gedacht.