Audi in Neckarsulm: Werkleiter-Wechsel lässt viele Beschäftigte kalt
Ab Juli heißt der Werkleiter im Audi-Werk nicht mehr Schulze, sondern Bogus. Beim Schichtwechsel zeigt sich: Viele Beschäftigte reagieren gelassen oder wissen nichts davon.
Um 13.30 Uhr ist Schichtwechsel an Tor 6 beim Audi-Werk in Neckarsulm. Viele Beschäftigte, die ein- und ausgehen, wissen nicht einmal, dass ihr Werkleiter bald wechselt. Künftig wird nicht mehr Fred Schulze, sondern Thomas Bogus den Standort leiten. Das hatte die Heilbronner Stimme zuvor am Donnerstagmorgen exklusiv berichtet.
„Ich habe das noch nicht mitbekommen“, sagt ein Mitarbeiter kurz vor Schichtbeginn. Es interessiere ihn aber ohnehin nicht. „Ich habe keinen Kontakt zum Werkleiter“, sagt er. Seinen Namen möchte er nicht verraten – wie auch die anderen seiner Kollegen.
Schulze-Wechsel nach China: Kaum emotionale Reaktionen bei Audi
Von Trauer oder emotionalen Reaktionen ist auf dem Parkplatz vor dem Werk wenig zu spüren. Viele Beschäftigte wollen gar nichts sagen, sie müssen zur Arbeit oder nach Hause. Im Laufen sagt ein Mitarbeiter: „Ich habe es heute Morgen in der Zeitung gelesen, die ist eh immer besser informiert als wir.“ Schlechter könne es aktuell ohnehin nicht werden, bei dem was alles geschrieben wird zur Zukunft des Werks. Der Werkleiter sei für ihn nicht ausschlaggebend.

Ähnlich sieht es ein anderer Mitarbeiter, der Schulze als „nicht so gut“ in Erinnerung behält. Weitestgehend sei der Wechsel ihm aber egal: „Ich bin so weit unten, da interessiert das nicht. Wir arbeiten halt.“ Die Qualität habe in den vergangenen Jahren ohnehin nachgelassen.
Kaum Berührungspunkte mit der Audi-Werkspitze
Was sich durch viele Gespräche zieht, ist die Distanz der Mitarbeiter zur Werkspitze. „Ich bin seit knapp 35 Jahren hier, ich habe selten einen Werkleiter gesehen. Die wechseln ja eh alle paar Jahre“, erzählt ein Produktionsmitarbeiter. Er habe auch nichts mitbekommen zum Wechsel, für ihn ändere sich ohnehin nichts. Auch an den neuen Werkleiter Thomas Bogus kann er sich nicht erinnern. Dieser hatte bis zur Schließung das Audi-Werk in Brüssel verantwortet und war bereits zwischen 2015 und 2020 als stellvertretender Werkleiter in Neckarsulm tätig.
Von rund 20 befragten – ausschließlich männlichen – Mitarbeitern berichtet nur einer von einem kurzen persönlichen Kontakt zu Schulze: „Er wirkte recht freundlich“, sagt er. Viel mehr könne er zum Werkleiter aber nicht sagen. „Es ändert sich halt der Name, sonst nichts“, kommentiert ein weiterer Mitarbeiter die Personalrochade – und bringt damit die Stimmung auf dem Parkplatz auf den Punkt.
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