Festnahme bei Audi Neckarsulm: Verdächtiger soll Mitglied einer Drogenbande sein
Was hatte es mit einem Polizeieinsatz im Audi-Werk Neckarsulm Ende Januar auf sich? Einsatzkräfte einer Festnahme-Einheit hatten einen 20-Jährigen abgeführt – jetzt nennen die Ermittler weitere Details.
Inzwischen ist klar, was es mit den Gerüchten über eine Festnahme im Audi-Werk im Neckarsulm auf sich hat. Im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen eine sechsköpfige Bande, denen Raubstraftaten und Drogenhandel zur Last gelegt wird, war dort bereits am Dienstag, 28. Januar, ein 20 Jahre alter Mann von Polizisten abgeführt worden. Das bestätigt Andrea Kopp, Sprecherin des zuständigen Polizeipräsidiums Reutlingen.
Gerüchte nach Einsatz bei Audi – SEK war nicht im Werk Neckarsulm
Da die Ermittlungen von Reutlingen aus geführt werden und eine Information der ermittelnden Polizisten an die Heilbronner Polizei versäumt worden sei, seien die Dinge zunächst unklar geblieben, erklärt Kopp. Die Ereignisse an jenem Tag hätten sich überschlagen. Jedenfalls sei es so gewesen, dass Polizisten von der Beweissicherungs- und Festnahme-Einheit in Neckarsulm im Werk vorstellig geworden seien.
Die Einsatzkräfte sehen in ihrer Montur martialisch aus und sind daher leicht mit Kräften eines Spezialeinsatzkommandos zu verwechseln. Der Tatverdächtige sei zuvor nicht an seiner Wohnanschrift in Kornwestheim anzutreffen gewesen, weshalb die Polizisten zur Arbeitsstelle gefahren seien. Es sei im Werk keine Gefahr von dem Mann ausgegangen, führt Kopp aus, er habe sich widerstandslos festnehmen lassen.
Nach Festnahme bei Audi Neckarsulm: Badenmitgliedern wird auch Geiselnahme vorgeworfen
Gerüchte, wonach der Tatverdächtige eine Kalaschnikow bei sich gehabt haben soll oder sonstige abstruse Behauptungen über das Geschehen, könne sie entkräften, so Kopp. Der 20-Jährige, der deutscher und irakischer Staatsangehöriger ist, sei nicht im Besitz von Waffen gewesen. Fakt ist aber: Er gehört zu jenen sechs mutmaßlichen Bandenmitgliedern im Alter von 17 bis 26 Jahren, die seit November vergangenen Jahres in wechselnder Besetzung schwere Raubstraftaten begangen haben sollen. Daher sitzt er nun in Untersuchungshaft.
Die Männer sollen Drogenhändler kontaktiert und an entlegene Orte gelockt haben, wo sie die Herausgabe der Drogen forderten oder ihnen diese gewaltsam wegnahmen - teilweise unter Bedrohung mit einer Schusswaffe. Das erbeutete Rauschgift wollten sie anschließend selbst verkaufen, heißt es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Reutlingen.
In mindestens einem der Fälle soll ein Opfer sogar unter Waffengewalt dazu gezwungen worden sein, in ein Auto zu steigen, um ihm später in einem Wald die Drogen abzunehmen. Daher wird laut Polizei auch wegen Geiselnahme ermittelt. Die Tatorte liegen unter anderem in Esslingen, Altbach und Stuttgart.
Ermittler trafen Verdächtigen nicht an Wohnanschrift an – Festnahme bei Audi Neckarsulm
Am 28. Januar hatten die Ermittler genügend Beweise beisammen, um zuzugreifen. Mit richterlichen Beschlüssen durchsuchten sie Wohnungen und Gartengrundstücke im Kreis Esslingen, in Stuttgart sowie die Wohnanschrift des Tatverdächtigen aus Kornwestheim, der später im Audi-Werk in Neckarsulm festgenommen wurde.
De Ermittler beschlagnahmten neben anderen Beweismitteln mehrere Zehntausend Euro an Bargeld, außerdem eine größere Menge an Drogen - darunter 1.000 Tabletten Ecstasy -, sowie mehrere Schreckschusswaffen, Maskierungen und eine scharfe Schusswaffe samt dazugehöriger Munition. Einer der Beschuldigten hatte nach Angaben der Polizei zu Beginn der Durchsuchung seiner Esslinger Wohnung eine Tüte mit 160 GrammKokain aus dem Fenster geworfen, die ebenfalls sichergestellt wurde.
Sechs Tatverdächtige in Haft – weitere Ermittlungen nach Einsatz bei Audi Neckarsulm
Die sechs Festgenommenen waren noch im Verlauf des 28. Januars dem Haftrichter vorgeführt worden. Er setzte die bereits im Vorfeld von der Staatsanwaltschaft Stuttgart beantragten Haftbefehle in Vollzug. Neben dem 20-jährigen Deutsch-Iraker aus Kornwestheim werden ein 23-jähriger Deutschtürke, ein gleichaltriger Syrer, ein 19-jähriger Deutscher aus Esslingen, einen 26 Jahre alter Deutscher und ein 17-jähriger Jugendlicher aus Stuttgart der Bandenmitgliedschaft beschuldigt.
Die Beschuldigten wurden in verschiedene Justizvollzuganstalten eingeliefert. „Die Ermittlungen zum Umfang der Straftaten und der jeweiligen Tatbeteiligung dauern noch an“, heißt es.
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