Alltag als Sterbebegleiterin – Ambulanter Hospizdienst Neckar-Stromberg
Der Ambulante Hospizdienst Neckar-Stromberg ist ein Jahr alt geworden. Zwei Sterbebegleiterinnen erzählen aus ihrem Alltag und von der neuen Ausbildung für Ehrenamtliche, die bald startet.

Menschen bei ihrem Weg in den Tod zu unterstützen, ist eine ehrenvolle Aufgabe – wunderbar, aber auch herausfordernd, finden Julia Mattick und Anita Ereth. Als Hospizbegleiterinnen stehen sie Alten oder Todkranken und deren Angehörigen bei. Mattick vergleicht den Moment, wenn ein Mensch stirbt, mit einer Geburt. „Da steht die Zeit still“, sagt sie.
Der Ambulante Hospizdienst Neckar-Stromberg in Bönnigheim besteht seit einem Jahr. Der Verein, dessen Vorsitzende Anita Ereth ist, zählt 43 Mitglieder. Als Koordinatorin ist Julia Mattick Anlaufstelle für die Ehrenamtlichen. Sie führt Erstgespräche mit Betroffenen und vermittelt die passende Begleitung, mit der es menschlich harmoniert und zeitlich passt. Der Bedarf an Ehrenamtlichen sei immer hoch, erklärt sie. Aus diesem Grund bietet der Verein ab Juli eine Qualifizierung als Hospizbegleiterin an.
Ambulanter Hospizdienst in Bönnigheim: Zwei Sterbebegleiterinnen erzählen
Wie die Begleitung genau aussieht, sei jedes Mal unterschiedlich – abhängig von den Bedürfnissen des Betroffenen. Bei Bedarf ist auch ein täglicher Besuch möglich. „Manchmal brauchen uns die Angehörigen auch mehr als der Mensch, der im Sterben liegt“, berichtet Mattick. Viele Ehrenamtliche hätten selbst Erfahrung damit, Angehörige zu verlieren. Allerdings, warnt Mattick, sollte man nicht frisch in Trauer sein, wenn man sich für diese Tätigkeit entscheidet. Auch missionarisch sollte man nicht unterwegs sein – die Bedürfnisse des Patienten stünden im Vordergrund.
Der Gedanke an das Sterben sei bei vielen „mit Angst und Verdrängung behaftet“, sagt Anita Ereth. Dabei könne Sterbebegleitung auch für die Ehrenamtlichen sehr bereichernd sein. „Da rundet sich das Leben ab“, sagt Ereth. „Wir haben verlernt, den Tod als etwas Normales zu sehen.“
Wichtig sei der regelmäßige Austausch des Teams, der einmal im Monat stattfindet, und in dem über solche Erfahrungen gesprochen wird. „Jeder darf weinen“, betont Julia Mattick. Viele Ehrenamtliche könnten danach intensiver leben. Diese Erfahrung habe auch sie selbst gemacht, berichtet die Koordinatorin.
Ausbildung zur Sterbebegleitung beim Hospizdienst Neckar-Stromberg
Im Rahmen der Ausbildung müssten die Teilnehmer sich offen mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen. Dazu gehöre etwa, sich den eigenen Tod vorzustellen und die Umgebung zu betrachten, als würde man sie zum letzten Mal sehen, berichtet Anita Ereth. Zudem gelte es, Kraftquellen im eigenen Umfeld zu identifizieren. Im Umgang mit Angehörigen werden die Hospizbegleiter ebenfalls geschult.
Wichtig ist den beiden die Abgrenzung zu verwandten Bereichen. Hospizbegleiterinnen übernehmen keine Pflegedienste und dürfen auch keine Medikamente verabreichen. Auch Sterbehilfe erhalten Patienten in der ambulanten Hospizbegleitung nicht. Kern sei der emotionale und menschliche Beistand.
Anlaufstelle
Infoabend am 18. Juni um 19 Uhr in der Karl-Heinz-Lüth-Straße in Sachsenheim.
Oft komme es vor, dass Interessierte zweifeln, ob sie für die Sterbebegleitung gemacht sind. Daher gelte es, auch die eigenen Grenzen auszuloten. „Offenheit ist wichtig“, sagt Julia Mattick. Darum dauere der Kurs auch so lange – insgesamt ein halbes Jahr. Danach können die Teilnehmer entscheiden, ob sie die Aufgabe annehmen wollen.
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