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Versteckte Gefahren

Alkoholmissbrauch an Weihnachten: „Alleinsein fördert das geradezu“

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An den Feiertagen wird oft mehr Alkohol getrunken als sonst. Peter Heck von der Suchtkrankenhilfe Schwaigern gibt Tipps für den Umgang mit Alkohol an Weihnachten – und wo versteckte Gefahren lauern.


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Peter Heck erinnert sich noch genau an das Weihnachtsfest vor mehr als 30 Jahren. Getrennt von seiner Frau verbrachte er es in einer Entzugsklinik, Besuch durfte er keinen empfangen. „An Heiligabend bin ich rumgelaufen und habe geheult.“  Nach diesem Erlebnis hatte er nach eigener Aussage nie wieder einen Rückfall, heute ist er seit 38 Jahren trockener Alkoholiker.

Mit seinem Verein Suchtkrankenhilfe Schwaigern hilft der 84-Jährige anderen Betroffenen – und gibt Tipps für den Umgang mit Alkohol, der an Weihnachten besonders präsent ist. 

Suchtberater aus Schwaigern: „Glühwein ist eine heimtückische Sache“

Die Menge an Alkohol in einer Tasse Glühwein werde oft verharmlost, warnt Peter Heck. „Der Glühwein ist eine heimtückische Sache“, sagt er. Oft habe er zehn bis zwölf Volumenprozent Alkohol. Ab einer Temperatur von 78 Grad verdampft dieser zwar, aber diese Marke werde oft nicht geknackt. „Wenn man zwei solcher Tassen hat, kann der Führerschein weg sein.“

Unterschätzt werde zudem der Alkohol im Essen. Für die Zubereitung von Braten oder Fondue wird oft mit Wein abgelöscht. Auch hier kann die Verdunstung beim Erhitzen von unterschiedlichen Faktoren gehemmt werden – zum Beispiel vom Fett in der Soße. Gerade bei Kindern und trockenen Alkoholikern gilt hier Vorsicht, mahnt Peter Heck.

Einsamkeit als größter Auslöser für Alkoholmissbrauch an Weihnachten

Der größte Auslöser für Alkoholmissbrauch an Weihnachten ist aber die Einsamkeit. „Das Alleinsein fördert das geradezu“ – häufig wollen die Betroffenen einfach vergessen. Das weiß Peter Heck selbst am besten. Vor fünf Jahren sei seine Frau an Krebs gestorben, erzählt er. „Viele haben gedacht, jetzt wird er wieder einen Rückfall bekommen.“ Doch seine Vereinskollegen fingen ihn auf.

Am ersten Heiligabend als Witwer sei er nach Paris gefahren. Dort habe er einen Gottesdienst in Sacré-Cœur besucht und Obdachlose zum Essen eingeladen. In diesem Jahr bekommt er über die Feiertage Besuch von Bekannten. Als Vorsitzender der Suchtkrankenhilfe sei er aber Tag und Nacht telefonisch erreichbar, falls jemand ein offenes Ohr braucht. „An Weihnachten habe ich immer Anrufe“, berichtet Heck.

Anlaufstelle: www.suchtkrankenhilfe-schwaigern.de, Telefon: 07138 9861068

Ungesunde Familiendynamiken und Alkohol: Schwere Folgen möglich

Man muss Freunde haben, bevor man sie braucht – das ist Peter Hecks Lieblingsspruch. Angehörige spielen eine große Rolle bei Alkohol an den Feiertagen. Genauso schädlich wie Einsamkeit können Familiendynamiken sein. „An Weihnachten hocken alle aufeinander“, erklärt Heck. „Alte Probleme werden aufgewärmt.“ Oft lockere Alkohol die Zunge, und Dinge würden sich an den Kopf geworfen. Das kann schwere Folgen haben, weiß Heck. „Nach solchen Feiertagen kommen oft Scheidungsanträge.“

Von Verboten hält Peter Heck nichts. „Wir wollen ja die Leute nicht sofort als Alkoholiker darstellen.“ Jeder Mensch müsse lernen, verantwortungsvoll zu sein und sich bestenfalls auch mit verantwortungsvollen Bezugspersonen umgeben. Erst wenn der Kontrollverlust eintritt, sei eine Abhängigkeit da.

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