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Regeln beim Abitur 2026: Was am Gymnasium erlaubt ist – und was nicht

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2057 junge Menschen in der Region Heilbronn machen im Jahr 2026 Abitur. Die ersten starten an diesem Freitag. Rund um diese wichtige Abschlussprüfung gibt es für so ziemlich alles eine Vorschrift. 


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Kein Abiturient ohne Belehrung: Sie heißt tatsächlich so, und die Gymnasien sind verpflichtet, sie abzuhalten – also ihre Abschlussschüler vor dem Abi-Start umfangreich aufzuklären. Zum Beispiel darüber, was ein erlaubtes Hilfsmittel ist. Ein Zirkel ist eines, ein kleiner Post-it zum Markieren ist es nicht. Es könnte ja ein Spickzettel sein. 

Strenge Abiturregeln: Warum selbst kleine Hilfsmittel wie Post-its verboten sind

Apropos spicken: Jeglicher Betrugsversuch hat Konsequenzen. „Es gibt verschiedene Schweregrade der Täuschung“, sagt einer, der die Regeln ziemlich gut kennt: Jürgen Kovács leitet seit zehn Jahren das Justinus-Kerner-Gymnasium (JKG) in Weinsberg. Jedes Jahr kurz vor dem Abi-Start belehrt er seine Zwölftklässler. Im diesem Jahr sind es 62.

Im besten Fall wird die Prüfung mit null Punkten gewertet, im schlimmsten Täuschungsfall wird dem Prüfling die Hochschulreife gar nicht erst zuerkannt, und er darf ein Jahr später erneut antreten. Den Schülern ist der Ernst der Lage offenbar bewusst: Noch nie in seiner Zeit als JKG-Chef hat ein Abiturient gemogelt, sagt Kovács. „Wir machen die Folgen auch jedes Jahr eindrucksvoll klar.“ 

Abiturprüfungen: Auch ausgeschaltete Handys sind verboten

Vor jedem Prüfungstag werden die Schüler im JKG erneut daran erinnert, obwohl es bei der Belehrung schon ausführlich erklärt wurde: Ein Handy, auch wenn es ausgeschaltet ist, eine Smartwatch, selbst wenn sie keinen Saft hat, oder ein Scanstift – all das hat im Prüfungszimmer nichts verloren, auch nicht aus Versehen.

An diesem Freitag geht es los mit dem Abitur. Dazu gibt es eine ganze Reihe von  Vorgaben, was erlaubt ist und was nicht. Viele Dinge rund um die  Abschlussprüfung sind bis in kleinste Detail geregelt.
An diesem Freitag geht es los mit dem Abitur. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Vorgaben, was erlaubt ist und was nicht. Viele Dinge rund um die Abschlussprüfung sind bis in kleinste Detail geregelt.  Foto: Thomas Warnack/dpa

Jürgen Kovács weiß von einem Fall an einer anderen Schule, an der ein Abiturient seinen Chemie-Aufschrieb tatsächlich versehentlich unter der Prüfungsmappe liegen hatte. Erst bei der Abgabe bemerkte er es. Er versicherte glaubhaft, dass es keine Absicht war. „Es hat trotzdem zum Ausschluss geführt.“

Richtlinien rund ums Abitur: „Eine ziemlich komplexe Sache“

Alle Spielregeln rund um die Prüfungen zur Hochschulreife im Land, auch was Krankheitsfälle betrifft, sind in zwei Paragrafen der Abiturverordnung niedergeschrieben, außerdem im sogenannten Kursstufenorganisationserlass des Regierungspräsidiums Stuttgart und in verschiedenen Facherlassen. „Es ist eine ziemlich komplexe Sache“, sagt Oberstudiendirektor Kovács. Und eine minutiöse.

Weil während einer Prüfung kein Abiturient Kontakt zu einem anderen haben darf, ist sogar der Gang zum WC definiert. Von der Zahl der Toiletten hängt ab, wie viele Schüler gleichzeitig aufs Klo dürfen. In Weinsberg zum Beispiel darf immer nur einer. Die Prüfungsunterlagen sind währenddessen bei der Aufsicht abzugeben, die Dauer der Abwesenheit wird protokolliert. Auch die Aufsicht ist vorgeschrieben: Sind mehr als zehn Abiturienten in einem Raum, müssen zwei Lehrer eingeteilt werden, bei weniger als zehn genügt einer. 

An den allgemeinbildenden Gymnasien beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen an diesem Freitag, 17. April, mit Latein. An den beruflichen Gymnasien geht es am 22. April los. Der letzte Prüfungstag ist jeweils der 8. Mai. Die mündlichen Prüfungen sind im Juni/Juli. Im Landkreis Heilbronn machen in diesem Jahr 698 Schüler an einem allgemeinbildenden Gymnasium Abitur. 193 Schüler sind es an einem beruflichen Gymnasien. In der Stadt Heilbronn sind es 430 beziehungsweise 309 Abiturienten, im Hohenlohekreis 218 und 209 Prüflinge. 

Abiturprüfungen: „Laute“ Lebensmittel sind verpönt

Die Prüfungen dauern mehrere Stunden, Spitzenreiter ist Latein mit fünfeinhalb Stunden. Klar, dass viele Schüler etwas Futter fürs Hirn dabei haben. Damit aber Ruhe herrscht und die Prüflinge sich konzentrieren können, ergeht bei den Belehrungen an den Gymnasien oft die Bitte, auf „laute“ Lebensmittel zu verzichten. Am JKG sind zum Beispiel Cracker und Karotten verpönt. Auch das Friedrichshaller Friedrich-von-Alberti-Gymnasium fordert seine Abiturienten höflich auf, Karotten und Chips daheim zu lassen.

Die Schulen sorgen in der Regel dafür, dass es auch rund um die Prüfungszimmer ruhig ist. Im Weinsberger Gymnasium zum Beispiel werden Schilder aufgehängt und Barrieren zum Prüfungstrakt aufgebaut. Und Jürgen Kovács bittet vorab den Schulträger, also die Stadtverwaltung, im Prüfungszeitraum auf Bauarbeiten rund ums Bildungszentrum zu verzichten.

Auch wenn er schon einige Abiturjahrgänge belehrt und das ganze Prüfungsprozedere mehrfach organisiert hat – Jürgen Kovács ist trotzdem jedes Mal ein bisschen aufgeregt. Und froh, wenn alles fehlerfrei über die Bühne geht. „Und wir drücken natürlich die Daumen.“ Er sagt, er kann sich gut in die Schüler und ihre Aufregung hineinversetzen – in diesem Jahr sowieso: Der Schulchef ist selbst Vater eines Abiturienten. 

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