Arbeiten, wenn andere noch schlafen: Zeitungsausträger berichtet von seinem Job
Jeden Morgen um 3 Uhr beginnt für Zusteller Lothar Stotz der Tag – damit die Heilbronner Stimme pünktlich bei den Lesern ankommt.
Hausen an der Zaber, 3 Uhr morgens: Während der Rest des kleinen 2000-Einwohner-Örtchens noch tief und fest schlummert, startet Lothar Stotz in den Tag. Das frühe Aufstehen und die Dunkelheit machen dem 71-Jährigen inzwischen keine Probleme mehr. Nach acht Jahren in dem Job ist die Strecke in den kommenden zwei bis drei Stunden für ihn Routine – jeden Schritt, jeden Handgriff hat er schon unzählige Male wiederholt.
Bis um 6 Uhr wird Stotz 120 Haushalte mit der Heilbronner Stimme beliefert haben. Egal ob bei Glatteis, Starkregen oder Hitze: Abgebrochen hat er noch nie. An sechs Tagen in der Woche ist Stotz in den frühen Morgenstunden unterwegs. „Die Strecke meines Gebiets beträgt insgesamt acht Kilometer. Das ist für mich in der vorgegebenen Zeit allerdings nicht zu Fuß zu schaffen, weshalb ich grundsätzlich mit dem Auto unterwegs bin“, erklärt er. 6000 Schritte pro Tag kämen aber schon zusammen.
Gedruckte Zeitungen werden zwischen 0 und 1 Uhr im Foyer im Alten Rathaus angeliefert
Zwischen 0 und 1 Uhr werden die gedruckten Zeitungen im Foyer im Alten Rathaus angeliefert. Dort holt sie Stotz gegen 3 Uhr ab. Um so früh aufstehen zu können, geht er abends bereits zwischen 19 und 19.30 Uhr ins Bett. „Ich versuche, mindestens sieben Stunden Schlaf zu bekommen. Bis ich einschlafe, braucht es aber immer eine Weile.“ Auch im Urlaub behalte er das frühe Aufstehen bei. An seinem Job schätzt er vor allem die Ruhe. „Man trifft niemanden, innerhalb von zwei Stunden fahren vielleicht zwei Autos vorbei.“

Durch die Arbeit kommt der 71-Jährige raus an die frische Luft und bekommt gleich zu Beginn des Tages Bewegung. Auch sein Immunsystem profitiert: „Was Erkältungen angeht, kann ich mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ernsthaft krank gewesen bin.“ Das Schöne sei außerdem, dass ihm nach der etwa zweistündigen Arbeit der gesamte Tag zur Verfügung stehe. Mit den Abonnenten habe er zwar keinen persönlichen Kontakt. Jedoch erhalte er manchmal kleine Briefe und Zettel.
Kleine Aufmerksamkeiten von Abonnenten: „Das ist immer ein Highlight“
„Eine ganz liebe Abonnentin steckt mir ab und zu einen 20-Euro-Schein als Urlaubsgeld mitten im Jahr zu. Das ist immer ein kleines Highlight.“ Wenn unerwartet ein Zettel oder Briefumschlag an der Türe mit der Aufschrift ‘Für Sie, Herr Stotz‘ liege, freue er sich. „Das tut gut. Es freut mich zu sehen, dass jemand meine Arbeit zu schätzen weiß.“ Was ihnhingegen ärgert: „Dass das mit den Vertretungen nicht hundertprozentig klappt. Mir ist vollkommen klar, dass Personal fehlt. Aber sagen Sie mal jüngeren Menschen, dass sie bei einem eher überschaubaren Nebenverdienst mitten in der Nacht aufstehen sollen. Das macht doch keiner mehr.“
Die besten Jahreszeiten zum Austragen? „Das Frühjahr und der frühe Herbst. Dann sind die Temperaturen angenehm.“ Deutlich anstrengender könne es im Hochsommer werden, wenn die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad fallen. Unangenehm sei es mitunter auch im Winter bei bis zu minus zehn Grad. Nach acht Jahren in dem Job könne ihn aber selbst in der kalten Jahreszeit nichts mehr erschüttern. Und der Winter habe auch gute Seiten: „Eine sehr schöne Erinnerung habe ich an einen Tag im Januar, als über Nacht 20 bis 25 Zentimeter Schnee gefallen sind. Die unberührte Schneedecke auf den Straßen: herrlich.“
Das wünscht Zeitungsausträger Lothar Stotz der Heilbronner Stimme zum Geburtstag
„Vor acht Jahren bin ich natürlich noch fitter gewesen als heute“, sagt Stotz. „Da habe ich noch Briefe und Zeitungen im weiten Umkreis zugestellt, das ging bis nach Eppingen raus.“ Er selbst habe in seiner Zeit als Austräger zum Glück noch keinen Sturz gehabt, hatte jedoch im vergangenen Jahr mit den Folgen einer OP zu kämpfen. Dennoch habe er auch in dieser Zeit unter Schmerzen ausgetragen.
Wie lange er den Job noch machen wird? „Ich sage immer: Solange es geht. Da meine Rente nicht so hoch ist, müsste ich es eigentlich bis zum Ende machen. Aber mal sehen.“ Was er der Heilbronner Stimme zum 80. Geburtstag wünscht? „Dass sie noch viele Jahre als Printmedium erscheinen kann – weiterhin mit guter und neutraler Berichterstattung.“ Er könne sich jedoch vorstellen, dass die jüngere Generation ihre Informationen vermehrt übers Smartphone beziehe. „Ich halte davon nichts. Ich möchte gerne morgens beim Frühstück meine Zeitung durchblättern und nicht nur mit der Maus auf Websites herum klicken.“
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