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Pro & Contra: Sollen Insekten auf unsere Teller?

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Künftig können sie sich fast überall wiederfinden: Die EU lässt Grillen & Co. als "neuartige Lebensmittel" zu. Unsere Redakteure sind unterschiedlicher Meinung, ob das wirklich gut ist.

Pro: Wenn es nicht gut genug für uns ist, wie soll es gut genug für alle anderen sein?

Von Christian Gleichauf

Zuerst einmal ist es eine kulturelle Frage, ob Menschen Insekten essen oder nicht. Und nicht nur die Pizza hat in den vergangenen Jahrzehnten den Weg auf deutsche Teller gefunden. Man muss sie deshalb nicht mögen, aber niemand würde sagen, dass sie da nichts verloren hat. Warum also nicht Insekten? Mich persönlich spricht das (noch) nicht besonders an. Aber verboten muss es deshalb sicher nicht bleiben.

Im Kern geht es um ein größeres Thema. Mit bald zehn Milliarden Menschen auf dieser Erde wird es immer schwieriger, eine ausgewogene Ernährung für alle sicherzustellen. Da könnten eiweißreiche Krabbler einen wichtigen Beitrag leisten. Laut Weltgesundheitsorganisation gibt es mehr als 2000 essbare Insektenarten.

Es wäre keine gute Lösung, wenn Wissenschaftler von UN und WHO dieses angebliche Superfood empfehlen, Europäer aber sagen: Nicht für uns. Stattdessen kann die EU Standards bei Haltungs-, Tötungs- und Hygienebedingungen setzen. Dann dürfen Unternehmen, die im industriellen Maßstab Insektenmehl produzieren, getrost den Weltmarkt bedienen.

Damit ist man aber bei der Frage, ob Hausgrillenmehl bereits sicher genug ist, um normalen Nahrungsmitteln beigemischt zu werden. Die kurze Antwort lautet: Ja.

Einfach mal probieren

Die EU hat sich zu Anfang dieser Entwicklung die Entscheidung nicht leicht gemacht und genau hingeschaut. Zudem ist das öffentliche Interesse groß, viele Menschen machen sich bei solchen "neuartigen Lebensmitteln" schließlich Gedanken, die sie sich bei Algen, (Schimmel-)Pilzen oder unzähligen Bestandteilen einfacher Fertigprodukte längst nicht mehr machen. Daher: Einfach mal probieren. Vielleicht schmecken die Grillen-Kekse am Ende sogar besser als andere.

 


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Contra: Kennzeichnung im Namen wäre besser gewesen

Von Christoph Donauer

Natürlich könnte man es sich einfach machen und sagen: Tiere isst man nicht. Insekten gehören dazu, auch wenn man ihre Schreie nicht hört, wenn sie zu Mehl verarbeitet werden - das gilt übrigens auch für Fische.

Es ist schlicht nicht nötig, Grillen, Mehlwürmer oder Schimmellarvenkäfer zu essen, selbst wenn sie stets als "hervorragende Eiweißquelle" angepriesen werden. Es gibt dafür pflanzliche Alternativen: Linsen, Erbsen, Nüsse, Getreide.

Die EU hat ihrerseits die Chance verpasst, um für Akzeptanz für das neuartige Lebensmittel zu werben. Die Krabbeltiere müssen lediglich auf der Zutatenliste auftauchen. Wenn das ausreichen würde, wären viele Beiträge von Verbraucherschützern und der Nutri Score obsolet. Kaum jemand liest das Kleingedruckte, noch weniger verstehen es. Eine deutliche, auf ein paar Jahre befristete Kennzeichnung im Namen, etwa "Müsliriegel mit Insekten", wäre besser gewesen.

Beobachtet werden muss, ob Insekten bei Allergikern Reaktionen auslösen könnten. Betroffene müssen womöglich noch wachsamer sein, wenn Insekten-Mehl in großem Stil in Lebensmitteln landet.

Eine Nachfrage gibt es nicht

Dass Insekten hierzulande, wenn sie in Brot, Keksen oder Snacks landen, anderes Fleisch in relevanten Mengen ersetzen, bleibt eine steile These. Die wenigen bisher erhältlichen Insekten-Knabbereien lagen eher wochenlang in den Regalen und waren stets reduziert.

Auch das Argument, der Welthunger könne nicht gestillt werden, ohne Krabbeltiere zu essen, ist vorgeschoben: Dass die westliche Welt Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel wegwirft und wertvolle Flächen nutzt, um Tierfutter oder Pflanzen für Bio-Kraftstoff anzubauen, sind drängendere Probleme.

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