Wie Kinobetreiber aus Künzelsau, Heilbronn und Neckarsulm auf 2025 blicken
In Deutschland wurden im Jahr 2024 weniger Kinotickets als im Vorjahr verkauft. Ein Trend, der sich auch bei Kinos im Raum Heilbronn-Hohenlohe bestätigt? Drei Kinobetreiber geben Auskunft über Besucherzahlen, Ticketpreise – und erzählen, auf welche Blockbuster sie sich 2025 freuen.
Die Kinos in Deutschland haben im vergangenen Jahr weniger Menschen vor die Leinwand gelockt. Wie die Filmförderungsanstalt (FFA) vor kurzem mitteilte, wurden 2024 rund 90,1 Millionen Tickets verkauft – und damit 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr (95,7 Millionen). Anders, und damit entgegen dem Markttrend, haben deutsche Programmkinos im vergangenen Jahr abgeschnitten. Im Vergleich zum Jahr davor wurde 2024 ein Besucherplus von insgesamt 3,1 Prozent verzeichnet, wie der Verband AG Kino bekanntgab.
Wie sieht die Entwicklung bei den Kinos in der Region aus? „Wir hatten 2024 mehr Zuschauer als im Vorjahr“, sagt Michael Rösch, einer der Geschäftsführer der Kinostar Theater GmbH, die unter anderem das Arthaus Kino in Heilbronn betreibt. „Wir sind damit fast zurück auf Vor-Pandemie-Niveau und hoffen, es in diesem Jahr wieder zu erreichen“, sagt Rösch.
Gute Zahlen für 2024 und das trotz einer Fußball-EM im eigenen Land, trotz Olympia und trotz den Auswirkungen des Autorenstreiks in Hollywood. Besonders gut liefen, so Rösch, „Der Buchspazierer“, „Cranko“, „Zone of Interest“, „Konklave“, „Maria Montessori“ und „Poor Things“. Mehr erwartet hätte man sich vom Cannes-Sieger-Film „Anora“. Insgesamt hat das Arthaus 2024 über 300 Filme gezeigt. Wichtig ist, sagt der Kinostar-Chef, dass die großen Festivals nach Corona wieder „normal laufen“ und Filme dadurch wieder mehr im Gespräch sind.
Welche Filme 2024 in Neckarsulm und Künzelsau gut liefen
„Wir liegen beim Ticketverkauf im bundesweiten Durchschnitt“, sagt Nicole Jaeger, Leiterin des Cineplex in Neckarsulm. „Fußball spüren wir immer. Das ist ein Stück weit der Feind des Kinos“, sagt Jaeger mit Blick auf die EM 2024. „Man richtet sich darauf ein, dass in diesem Zeitpunkt keine Blockbuster laufen, schickt Mitarbeiter in den Urlaub oder fährt das Personal runter.“ Die ganz großen Blockbuster wie 2023, „Barbie“ und „Oppenheimer“, haben im vergangenen Filmjahr gefehlt, sagt Jaeger. Eine sichere Bank für Kinobetreiber sind und bleiben Kinder- und Familienfilme. Wie in ganz Deutschland war der erfolgreichste Streifen 2024 der Animationsfilm „Alles steht Kopf 2“. Ebenfalls gut liefen „Deadpool & Wolverine“, „Vaiana 2“ und „Ich – Einfach unverbesserlich 4“.
Seit einiger Zeit hat das Cineplex Neckarsulm zwei Schließtage, Montag und Dienstag, „die wollen wir ab dem Sommer diesen Jahres wieder aufgeben“, sagt Jaeger. Auf welche Blockbuster sie 2025 setzt? Die Realverfilmung von „Schneewittchen“, den achten Teil der „Mission Impossible“-Reihe, den „Minecraft“-Film, den Animationsfilm „Zoomania 2“, den Bully-Herbig-Film „Das Kanu des Manitu“ und die Science-Fiction-Streifen „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ und „Avatar 3“. „Da sind vielversprechende Titel dabei.“
„Gladiator 2“ und „The Fall Guy“ enttäuschten an der Kinokasse
Wirtschaftlich „auf Null“ rausgekommen ist das Prestige Filmtheater in Künzelsau. „Wir liegen bei den Zahlen von 2023“, sagt Kinobetreiber Nenad Tomasinjak. Von den Vor-Pandemie-Zahlen ist man nach wie vor „noch ein Stück weg“. Auch in Künzelsau ist es „das Family-Entertainment“, das für wirtschaftliche Freuden sorgt. Am stärksten besucht wurden „Alles steht Kopf 2“, der vierte Teil von „Ich – Einfach unverbesserlich“, „Chantal im Märchenland“, „Vaiana 2“ und „Die Schule der magischen Tiere 3“. Enttäuschend liefen, so Tomasinjak, „The Fall Guy“ mit Ryan Gosling und der zweite Teil von „Gladiator“. Große Hoffnungen setzt der Kinochef auf „Zoomania 2“ und den dritten Teil von James Camerons Sci-Fi-Reihe „Avatar“, der im Dezember in die Kinos kommt.
Alle drei Kinobetreiber blicken optimistisch in die Zukunft. „Das Kino wurde schon oft totgesagt. Aber es bleibt ein Ort, wo viele Menschen gerne hingehen“, sagt Nicole Jaeger. Öfter geplant sind zukünftig Wiederaufführungen von Mehrteilern wie „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ sowie alte Blockbuster und Klassiker, die zu einem Jubiläum oder im Kontext von Filmreihen zurück auf die Leinwand kommen.
Wie sich die Ticketpreise in den Kinos entwickeln
Bei den Ticketpreisen wurde es für Kinogänger um ein paar Cent günstiger: Der Eintritt kostete im vergangenen Jahr im Schnitt 9,64 Euro. 2023 waren es 9,71 Euro. In der Region wurden die Preise moderat erhöht – sowohl im Arthaus in Heilbronn als auch im Prestige in Künzelsau und im Cineplex Neckarsulm. „Es geht nicht anders“, sagt Nenad Tomasinjak mit Blick auf die Erhöhung des Mindestlohns und gestiegene Einkaufspreise. „Man muss es zwangsläufig. Wir versuchen aber, familienfreundliche Preise zu gewährleisten“, sagt Nicole Jaeger.

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