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Burg Stettenfels als Filmkulisse: „September Man“ setzt auf regionale Drehorte

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Aus Leidenschaft zum Film entsteht „September Man“ als No-Budget-Projekt in der Region: Worum es in der Action-Komödie geht und warum die Untergruppenbacher Burg Stettenfels eine zentrale Rolle spielt.


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Es muss Liebe sein. Wenn ein gelernter Weinbauer alles gibt, seinen ersten Langfilm zu drehen. Hat er geahnt hat, dass der Weinkonsum in Deutschland zurückgehen wird? Die Leidenschaft von Sebastian Rothfuss gilt schon immer dem Film. Ob damit Geld zu machen ist, sei dahingestellt. Guten Wein von schlechtem zu unterscheiden, kann da nicht schaden.

Filmprojekt „September Man“: Dreharbeiten auf Burg Stettenfels in Untergruppenbach

Während einer Drehpause auf Burg Stettenfels erzählt der Mann aus Marbach, wie es zu seinem ersten großen Filmprojekt „September Man“ gekommen ist. Und dass er zuerst etwas „Handfestes“ lernen wollte und eine Ausbildung an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg absolviert, aber nie in dem Beruf gearbeitet hat.

Die unbedingte Liebe zum Film: Felix Winternitz (links), Sebastian Hofmann, Sebastian Rotfhuss und Stepanie Sonn.
Die unbedingte Liebe zum Film: Felix Winternitz (links), Sebastian Hofmann, Sebastian Rotfhuss und Stepanie Sonn.  Foto: Christiana Kunz

Eine Zeit lang dreht Sebastian Rothfuss Werbefilme, um sich über Wasser zu halten. Das ist Rothfuss nicht kreativ genug. Kurzfilme folgen. Und jetzt hat er den Ehrgeiz, zu zeigen, „es ist möglich, mit wenig Geld einen Langfilm zu machen“. Abgesehen davon, meint der Jungfilmer, Jahrgang 1997, dass es von der Logistik kaum einen Unterschied macht, ob Kurz- oder Langstreifen.

Vom Ersparten hat Sebastian Rothfuss Kameras gekauft und in Sebastian Hofmann – die Doppelung der Vornamen ist Zufall – einen Mitstreiter, der, hauptberuflich in der IT tätig, an den Wochenenden „kinoreife Musik“ produziert, „die für unseren Film maßgeschneidert wird“. Zudem macht er die Tonaufnahmen am Set und ist überhaupt immer dabei. Wie auch zwei Kameramänner und die Schauspieler sowieso.

No-Budget-Produktion in Untergruppenbach & Co. – es gibt keine Gagen für niemanden

Es gibt keine Gagen für niemanden, Rothfuss sorgt fürs Catering, erstattet Fahrkosten, eventuell eine Hotelübernachtung. Keine Low-, sondern eine No-Budget-Produktion. Purer Idealismus also bei allen. Wie das funktioniert?


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Irgendwas muss das Ganze ja kosten. Sebastian Rothfuss wohnt wieder zu Hause. Er hat Kassensturz gemacht, eine Bestandsaufnahme, und verkauft, was er nicht braucht, um seinen Traum zu realisieren. Rothfuss ist zuversichtlich: „Der nächste Film wird sich selber finanzieren.“ Dafür setzt er auf die Filmförderung, die aber will zuerst sehen, was ein Regisseur bisher gemacht hat, bevor sie Geld gibt.

Action-Komödie soll im September Premiere haben – weitere Drehorte im Raum Heilbronn

Schon schreibt Rothfuss am nächsten Drehbuch, einem historischen Film. Zuerst aber wird „September Man“ zu Ende gebracht. Die Action-Komödie soll im September Premiere haben, so der Plan. Gedreht wird seit Januar 2025, an diesem Tag steht der Innendreh auf Burg Stettenfels an. Denn auch das will Sebastian Rothfuss zeigen: Nicht nur Hollywood hat tolle Orte. Er und sein Team haben Drehschauplätze in der Region Heilbronn genutzt, in Ludwigsburg und in Stuttgart, auf der Burgruine Weibertreu, in der Lindenanlage Neuenstadt. „Da wir eine No-Budget-Produktion sind, sind wir darauf angewiesen, dass wir auch reingelassen werden.“

„September Man“ entsteht als No-Budget-Produktion um den Filmemacher Sebastian Rothfuss mit einem Team aus Idealisten, das auf Gagen verzichtet. Rothfuss, 1997 in Bietigheim-Bissingen geboren, will beweisen, dass es möglich ist, eine gesellschaftskritische Komödie zu drehen, ohne Geld auf der hohen Kante zu haben. „Unsere Region ist hollywoodreif.“ Gedreht wird seit Januar 2025 an den Wochenenden, der Film soll im September fertig sein. 

Aus Kostengründen spielt Sebastian Rothfuss, der das Drehbuch geschrieben hat, Regie führt und den Film produziert, die Hauptrolle. Worum es im „September Man“ geht, der mit Klischees spielt und lustvoll Filmklassiker zitiert? „September Man“ handelt von einem jungen Anwalt, der mit seiner Arbeit in einer straff leistungsorientierten Kanzlei überfordert ist. Als seine Freundin nach einem Streit spurlos verschwindet, macht er sich auf die Suche. Ihm wird bewusst, er muss sein Leben ändern – und entwickelt sich vom kalten, trockenen Juristen zu einem aufgeschlosseneren und freundlicheren Menschen. Auf dieser Reise trifft er die bizarrsten Typen. Paul muss lernen, mit ihnen klarzukommen.

Filmaufnahmen in Untergruppenbach: Der Vampir als verlorene Seele wird erlöst

Am Ende steht der geläuterte Held seinem Widersacher gegenüber, dem Vampir-Grafen, um seine Freundin aus dessen Fängen zu befreien. Beim Dreh auf Burg Stettenfels kommt es zum Showdown, begegnen Paul und Alexandra dem düsteren Grafen und retten die Welt. Aber auch der Vampir wird erlöst, auf seine Art, mehr soll nicht hier gespoilert werden. Felix Winternitz gibt diesen Bösewicht, eine verlorene Seele, und ist für einen Tag aus München nach Stettenfels angereist. Der freie Schauspieler mit österreichischem Pass, geboren in Madrid, war vor Jahren der Georg im „Götz“ bei den Burgfestspielen Jagsthausen und hat als sichere Einnahmequelle einen Job beim Bodenpersonal am Flughafen München.

Die anderen Schauspieler? Stephanie Sonn, die toughe Alexandra, steht am Ende ihrer dreijährigen Ausbildung an einer privaten Schauspielschule in Stuttgart, gelernt hat sie Einzelhandelskauffrau. Philippe Ohrel, Schauspieler aus Frankreich, spielt Yeurgh-Arsburpst, eine Comedy Figur, mit der er bereits zahlreiche Bühnenauftritte absolviert hat. Larissa Riedel schließlich ist im letzten Jahr ihrer Schauspielausbildung. „Ohne mein Team und deren Einsatz könnte ich das alles nicht“, sagt Sebastian Rothfuss noch einmal. Im Kern sind sie zu fünft, an manchen Tagen bis zu zehn wie jetzt beim Dreh auf Stettenfels.

Highlights des Landes als Schauplätze: Nicht nur Hollywood hat tolle Orte

„Es muss doch möglich sein, einen aufregenden Film in Deutschland zu drehen. Wir nutzen alles, was wir haben, um daraus etwas Besonderes zu machen. Darum versuchen wir, die Highlights des Landes als Schauplätze zu nutzen.“ Nicht nur Hollywood hat tolle Orte. Nach der Fertigstellung des 90-minütigen „September Man“ wird Rothfuss den Streifen bei verschiedenen Filmfestivals anmelden, dann folgt die Kinoauswertung. Wie gesagt, der nächste Film muss sich selbst finanzieren, ist Sebastian Rothfuss optimistisch.

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