Stimme+
Deutschlands erfolgreichster Rapper

Emotionales Ende beim Konzert von Apache 207 in Würzburg

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Am Freitagabend feiert Apache 207 mit 16.000 Fans auf dem Residenzplatz in Würzburg. Zwischen vermeintlichem Gangster-Rap, Ironie und Kitsch bietet der gebürtige Mannheimer ein amüsantes Open-Air-Konzert – bei dem auch Celine Dion eine Rolle spielt. 

Apache 207 ist aktuell Deutschlands erfolgreichster Rapper. Beim ausverkauften Open-Air-Konzert auf dem Residenzplatz in Würzburg spielt er vor 16.000 Fans.
Apache 207 ist aktuell Deutschlands erfolgreichster Rapper. Beim ausverkauften Open-Air-Konzert auf dem Residenzplatz in Würzburg spielt er vor 16.000 Fans.  Foto: Paul Shady Feder Musik

"Das ist unsere erste Show nach der Sommerpause", sagt Apache 207. Frisch zurück aus dem Urlaub, in dem er "eigentlich nur gegessen hat", muss sich der Rapper erstmal wieder in den Tour-Alltag reinfinden und nach den ersten drei Liedern kurz Luft holen. "Der Lustfaktor ist aber sehr hoch", sagt der Musiker mit einem Grinsen und fast schon entschuldigend in Richtung der 16.000 Fans beim ausverkauften Open-Air-Konzert am Freitagabend auf dem Residenzplatz in Würzburg. Nötig wäre diese Aussage nicht, denn das Publikum hat der gebürtige Mannheimer schon von Beginn an in der Tasche.

Apache 207 ist Deutschlands momentan erfolgreichster Rapper, ein Phänomen – und ein äußerst lukratives. Volkan Yaman, wie der Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, schwimmt auf einer Erfolgswelle, ist Dauergast in den Charts, seine Tourneen sind nach wenigen Minuten ausverkauft, sein Gesicht in den sozialen Medien omnipräsent. Yaman hat sich mit Apache – übrigens ein Spitzname, dem ihm seine Mutter gegeben hat – eine Kunstfigur erschaffen, die sich mit monotoner, sanfter Stimme bei Pop, Hip-Hop, Straßen-Rap, R ‘n’ B, Eurodance aus den 90ern und Synthesizern aus den 80ern bedient – und mit Auto-Tune daraus Lieder mit eingängigen Refrains bastelt.

 


Mehr zum Thema

Zwischen Hedonismus, Ironie und Gesellschaftskritik: Deichkind bieten auf dem Cannstatter Wasen eine Show mit jeder Menge Schauwerten.
Stimme+
Hamburger Band in Stuttgart
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Party-Eskalation auf dem Cannstatter Wasen: Deichkind live in Stuttgart


 

Apache 207 spielt in Würzburg Songs aus allen drei Alben

Apache spielt mit dem Gangster-Rap-Image, ein weißer Mercedes SL steht als Statussymbol auf der Bühne.
Apache spielt mit dem Gangster-Rap-Image, ein weißer Mercedes SL steht als Statussymbol auf der Bühne.  Foto: Paul Shady Feder Musik

Auf der Bühne ist der Mann eine echte Erscheinung, nicht nur wegen seiner Körpergröße von zwei Metern. Der 25-Jährige mit türkischen Wurzeln hat große Bühnenpräsenz, tigert lässig von rechts nach links, stampft mal wild auf den Boden, haucht dann ein Küsschen in Richtung Fans. Die Sonnenbrille, sein Markenzeichen, nimmt Apache während des gesamten Konzerts nicht ab, sein Outfit wechselt er hingegen mehrfach: die Jeans- wird zur Lederjacke, die langen Haare trägt er mal offen, mal geölt und zum Pferdeschwanz gebunden.

Drei Alben hat Apache 207 bislang veröffentlicht, aus jedem spielt er Songs, der Fokus liegt aber auf dem im Juni veröffentlichten "Gartenstadt" – eine Hommage an die Heimat Ludwigshafen. Groß aufheizen muss der Rapper die Menge nicht, die Fans kennen alte wie neue Lieder, heben die Hände in die Luft und zeigen sich textsicher bei "Brot nach Hause", "Wieso tust du dir das an?", "Kein Problem", "Doch in der Nacht" und "Neunzig".

Weißer Mercedes SL als Statussymbol und Spiel mit dem Gangster-Rap-Image

Rein musikalisch liefert Apache mit seiner Musik nichts besonders Neues oder Originelles. Die Mischung aus (Selbst-)Ironie und gesundem Selbstbewusstsein knapp an der Grenze zur Arroganz trifft aber einen Nerv. Er spielt mit dem Gangster-Rap-Image, singt von Versace-Schuhen und Lamborghinis, ein weißer Mercedes SL steht als Statussymbol gut sichtbar auf der Bühne. In einer Videosequenz auf den großen Leinwänden wird aber auch an schwierige Zeiten, an chronische Geldprobleme erinnert. Volkan Yaman wuchs in einfachsten Verhältnissen mit seinem Bruder und einer alleinerziehenden Mutter in Ludwigshafen auf.

In Szene gesetzt wird das Bühnengeschehen durch Funken- und Nebelfontänen, durch eine flackernde Lichtshow und Luftschlangen, die ins Publikum geschossen werden. Die Pyrotechnik bleibt an diesem Abend im Schrank, aus Sicherheitsgründen zum Schutz des bedeutenden barocken Schlossbaus. Apropos Bühne, die ist auf der aktuellen Tour eine Tankstelle, inklusive Zapfsäulen, eigenem Shop und namentlich auf den Rapper zugeschnitten: "Apache Oil".

Am Ende des Konzerts in Würzburg spielt Apache "Komet"

Wenn der Konzertabend eins nicht ist, dann langweilig. Es ist amüsant, wenn Apache mit einem Ruderboot zu Klängen von Celine Dions herzzerreißender Ballade "My Heart Will Go On" durchs Publikum fährt und die Fans zum Mitsingen animiert. Oder wenn "What Is Love" von Sänger Haddaway eingespielt wird, und eine Kiss-Cam Paare zum Küssen auffordert. Ist das Ironie? Kitsch? Eine Mischung aus beidem? Und ist das überhaupt wichtig?

"Nie mehr gehen" bildet nach zwei Stunden den emotionalen Schlusspunkt des Konzerts unter Sternschnuppen am Himmel.
"Nie mehr gehen" bildet nach zwei Stunden den emotionalen Schlusspunkt des Konzerts unter Sternschnuppen am Himmel.  Foto: Ranjo Doering

Gegen Ende spielt Apache 207 dann "Komet", eigentlich ein Duett mit Udo Lindenberg. "Ihr seid bestimmt im Radio mal darüber gestolpert", sagt der Rapper, wohl wissend, dass der Song einige Rekordmarken gesetzt hat, 18 Mal an der Spitze der deutschen Charts stand – und damit häufiger als jedes andere Lied zuvor. Den Part des Panikrockers übernimmt an diesem Abend Fan Sarah, die vorab durch einen Gesangs-Videowettbewerb gecastet wurde.

Letzte Zugabe "Nie mehr gehen" unter Perseiden-Schauer

Und dann, endlich: Als Zugabe spielt der Rapper "Roller" und damit das Lied, auf das alle ein Stück weit gewartet haben, um endlich diesen Satz zu brüllen, den man wie keinen anderen mit dem Musiker verbindet: "Apache bleibt gleich". "Nie mehr gehen" bildet nach zwei Stunden den Schlusspunkt mit einem Meer aus Handylichtern und dem Perseiden-Schauer am Himmel. "Schon emotional", sagt auch Apache 207.

Mindestens kurios sind die Bedingungen für Presse-Fotografen beim Konzert in Würzburg. Die geschossenen Bilder müssen anschließend vom Management abgesegnet werden. Dazu bekommt man klare Anweisungen für die Fotos. Unter anderem: Keine Aufnahmen, auf denen die Augen des Künstlers zu erkennen sind.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben