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Hamburger Band in Stuttgart

Party-Eskalation auf dem Cannstatter Wasen: Deichkind live in Stuttgart

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Zwischen Elektro-Trash, Techno, Rap, Theater und promillebetankter Performance-Kunst: Die Hamburger Band Deichkind feiert am Freitagabend mit 12.500 Fans und bietet eine reizüberflutende Show. So lief der Open-Air-Auftritt auf dem Cannstatter Wasen.

Zwischen Hedonismus, Ironie und Gesellschaftskritik: Deichkind bieten auf dem Cannstatter Wasen eine Show mit jeder Menge Schauwerten.
Zwischen Hedonismus, Ironie und Gesellschaftskritik: Deichkind bieten auf dem Cannstatter Wasen eine Show mit jeder Menge Schauwerten.  Foto: Döring, Ranjo

Wie erklärt man einem Außenstehenden, was man auf einem Deichkind-Konzert erlebt hat? Wie kann man diese zwei Stunden in Worte fassen, in denen man einer andauernden Reizüberflutung ausgesetzt ist? Ein schweres Unterfangen. Seit ihrer Gründung Ende der 90er haben sich Deichkind mit ihrer einzigartigen Musik – einer Mischung aus Elektro-Trash, Techno, Rap, Theater und promillebetankter Performance-Kunst – einen Namen gemacht. Dass die Band aus Hamburg inzwischen so groß ist und wie in Stuttgart am Freitagabend auf dem Cannstatter Wasen vor 12.500 Fans spielt, liegt vor allem an den Live-Auftritten.

 


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An Abwechslung fehlt es einem dabei nicht, denn das Ganze ist eine Art durchchoreographierte Eskalation. Da wird mit roten Leuchtstäben gefuchtelt, zu zuckendem Stroboskoplicht auf Trampolinen rhythmisch im Takt gehüpft, auf einer überdimensionalen, roten Chanel-Tasche Rodeo geritten oder auf einem riesigen Bierfass eine Fahrt durch die feiernde Menge gewagt.

Deichkind in Stuttgart: Konfetti-Kanonen und eine Choreographie mit Bürostühlen

Mehrfach wechseln die Bandmitglieder ihre Outfits.
Mehrfach wechseln die Bandmitglieder ihre Outfits.  Foto: Döring, Ranjo

Mehrfach wechseln die Bandmitglieder ihre Outfits, treten mal in scheinbar selbstbemalten, gesprenkelten Kostümen mit passenden Gesichtsmasken auf, um das nächste Lied mit den Deichkind-typischen tetraederförmigen, leuchtenden Hüten zu bestreiten oder mit einem überdimensionierten Rucksack über die Bühne zu stapfen. Dazu kommen Konfetti-Kanonen, Choreographien mit Bürostühlen oder eine Fahrt mit dem Schlauchboot über die Köpfe der Fans. Ständig ist was los, vor allem, weil neben den drei Kern-Bandmitgliedern Philipp Grütering (Bühnenname: Kryptik Joe), Henning Besser (DJ Phono, La Perla) und Sebastian "Porky" Dürre noch viele weitere Deichkinder auf der Bühne unterwegs sind.

 


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Deichkind haben es seit Jahren perfektioniert, einen kritischen und ebenso (selbst-)ironischen sowie hedonistischen Blick auf den Zeitgeist zu werfen. Hinter der Ballermann-Fassade, hinter den wummernden Bässen, hinter dem Image einer Partyband im Dauer-Gaga-Modus bietet die Formation auch jede Menge Tiefgang. Die Musik der Hamburger sei ein "trojanisches Pferd", formulierte es "Der Spiegel" einmal ganz passend.

Deichkind machen eine hoffnungsvolle Ansage zum Thema Klimawandel

 Foto: Döring, Ranjo

Da scheitert ein Großstadt-Hipster im Lied "In der Natur" am vermeintlich einfachen Leben im Grünen, da wird in "Bück dich hoch" der neoliberale Kapitalismus und die gängigen Mechanismen der Beförderung kommentiert. Oder wie in "Die Welt ist fertig" gleich das drohende Ende unseres Daseins durch den Klimawandel verarbeitet. Jedoch versehen mit einer hoffnungsvollen Ansage der Band: "Gut, dass eine Generation nachkommt, die Power hat und reflektiert, die sich gegen eine Politik einsetzt, die blockiert."

Die Zugabe ist mit "Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)" dann der Song, der der Band 2006 den großen Durchbruch bescherte und der einen Auftritt von Deichkind vielleicht ganz gut zusammenfasst: "Impulsive Menschen kennen keine Grenzen! Schmeiß die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum dancen! Yippie Yippie Yeah Yippie Yeah, Krawall und Remmidemmi!"

 


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