Mit Familie und Freunden: Wie Kulturschaffende der Region Weihnachten feiern
Schenken ist Nebensache, umso wichtiger ist das Zusammensein mit Familie und Freunden: unabhängig der Konfession, mit oder ohne Baum, wie ein Künstler, ein Autor, eine Singer-songwriterin und weitere Kulturschaffende berichten.
Ob Traditionalist oder Weihnachtsmuffel, der Weihnachtszeit kann und mag man kaum entrinnen. Nicht nur, weil seit dem Spätsommer Dominosteine und Printen die Supermärkte fluten.
Dabei nimmt in Deutschland die Bindung der Menschen an das Christentum kontinuierlich ab - laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ist fast die Hälfte der Bevölkerung weder evangelisch noch katholisch.
Emotional aufgeladen
Das Fest, das Christen als die Geburt Jesu feiern, ist emotional aufgeladen. Sei es aus Überzeugung, aus sentimentaler Erinnerung oder weil Weihnachten liebgewonnenes Ritual ist. Dass das Christkind oder der Weihnachtsmann pünktlich am 24. Dezember die Geschenke unter den Baum legen, funktioniert als Erzählung nur für die Allerkleinsten.
Dem Perfektionismus entkommen
"Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger", frotzelte der Humorist Karl Valentin. Eigentlich ist es beglückend einfach, dem selbst auferlegten Perfektionismus zum Fest, dem Dekorationswahn und Konsumstress zu entkommen und Weihnachten als individuelle Auszeit zu begreifen im Kreis der Familie, mit Freunden. Und Schenken als (kl)eine Aufmerksamkeit erleben. Wir haben Kulturfreunde aus der Region gefragt, was ihnen Weihnachten bedeutet: unabhängig ihrer Konfession, mit oder ohne Baum.
Kerstin Klier, 61 Verwaltungsleiterin, Theater Heilbronn

Ich liebe die Advents- und Weihnachtszeit und versuche, sie mir immer bewusst zu machen. Es ist tatsächlich eine Zeit der Einkehr, ich möchte mir das Gefühl der „besonderen Zeit“ bewahren. Das fängt in der Adventszeit mit Plätzchen backen an, dazu verabrede ich mich seit vielen, vielen Jahren mit meiner Freundin zum „Backwahn-Wochenende“ zum ersten Advent. Zum Programm gehören auch Weihnachtsmusik, Kerzenschein, Räuchermännchen und Adventskranz. Abends sitze ich gerne bei Kerzenlicht. Ich versuche jedes Jahr um den 20. Dezember herum, Urlaub zu machen und nehme mich soweit es geht aus dem Arbeitsgeschehen raus.
Jedes Jahr hoffe ich auf eine weiße Weihnacht, das wäre die Krönung. Es gibt jedes Jahr einen Weihnachtsbaum. Die Tafel wird passend zum Baum dekoriert. Mein Mann bereitet für Heiligabend Würstchen mit verschiedenen Kartoffelsalaten vor, ich esse gern nach hessischer Art, er gern nach schwäbischer. Geschenke sind zweitrangig. Mir ist es wichtig, mit meinen Lieben die Tage gemeinsam zu verbringen. Man sitzt zusammen, isst, trinkt und quatscht. Am 24. sind wir nur zu dritt mit meinem Patensohn. Am 25. ist eigentlich immer großes Familientreffen bei der Schwiegermutter. Das muss nun das zweite Jahr in Folge wegen Corona ausfallen.
Cihan Acar, 35, Autor, Bad Friedrichshall

Auch wenn ich in einer türkisch-muslimischen Familie aufgewachsen bin, gehört Weihnachten für mich zum Jahresende dazu. Nicht nur, weil man ab dem Spätsommer den Lebkuchen in den Supermärkten schwer entrinnen kann. Ich selbst bin verrückt nach Spekulatius. Bei uns gibt es durchaus weihnachtliche Bräuche. Für die Beleuchtung in der Wohnung und im Außenbereich ist meine Mutter zuständig. Sie wünscht sich auch einen Weihnachtsbaum.
Nach ein paar Jahren Pause werde ich mich in diesem Jahr wieder darum kümmern. Wir Geschwister und die Kernfamilie kommen an den Feiertagen zusammen. Zum gemeinsamen Abendessen, wenngleich es kein klassisches Festessen an Weihnachten gibt. Das wird an Silvester aufgetischt: Truthahn. An Silvester gibt es dann auch Geschenke. Eine Kleinigkeit, keine Riesenbescherung. Die Tradition, an Weihnachten gemeinsam Filme anzusehen, wird auch in meiner Familie geflegt. Die Kevin-Filme zum Beispiel. Obwohl wir sie längst auswendig kennen.
Cheri Lyn, 32, Singer-Songwriterin, Gemmingen

Für mich ist Weihnachten die Zeit, um mit der Familie zusammen zu sein. Geschenke finde ich nicht so wichtig, nur meiner kleinen Nichte schenke ich etwas. Ich finde es viel schöner, wenn man den Menschen in seinem Umfeld auch mal unterm Jahr eine Kleinigkeit schenkt. An Heiligabend gibt es bei uns ein traditionelles Festessen. Vor dem ganzen Trubel an den Feiertagen gehe ich sehr gerne in den Wald, denn das ist für mich ein guter Ort und eine gute Gelegenheit, um zur Ruhe zu kommen.
Ich nehme mich gerne mal einen Tag raus und bin für mich allein, denn da hat man dann die Zeit, um zu reflektieren und zur Besinnung zu finden. Was ich liebe, ist die Vorweihnachtszeit. Um in Weihnachtsstimmung zu kommen, spielt Musik eine wichtige Rolle für mich. Die typischen Lieder rund ums Fest kann ich jedes Jahr anhören, sie werden für mich nicht langweilig.
Peter Riek, 61 Künstler, Heilbronn

An Heiligenabend kommen meine Kinder vom Studium nach Hause, niemand sonst. Ich hoffe auf einen Gottesdienst im Freien, am liebsten wäre mir auf dem Gaffenberg. Und dann gibt es zum ersten Mal in diesem Jahr ein rein vegetarisches Abendessen. Geblieben seit meiner Kindheit ist mein Desinteresse an weichen Geschenken, also an Pulli oder Schal, und meine Freude an harten, rechteckigen Päckchen, die Literatur verheißen.
Und am zweiten Feiertag oder kurz danach wird hoffentlich wieder, wie inzwischen schon Tradition, eine Winter-Weihnachtswurstweck-Waldwanderung mit Freunden möglich sein, die, wie der Name schon sagt, am Feuer in unserem Garten endet: mit Spieß in der Hand und Glühwein im Bauch.
Martin Ernst, 67, Pressesprecher Kulturforum Brackenheim

Inzwischen wird Weihnachten bei uns nicht mehr so groß gefeiert, nur noch im engsten Familienkreis. Auch Traditionen wie ein geschmückter Weihnachtsbaum und Geschenke gibt es nur noch in reduzierter Form. Für Kleinkinder ist Weihnachten mit vielen Geschenken und einem Weihnachtsbaum mit Lichtern natürlich eine tolle Geschichte. Meine Kinder sind inzwischen aber erwachsen. Wenn die mal Kinder haben, wird es auch wieder mehr Geschenke geben.
Weihnachten ist für mich aber schon eine besinnliche Zeit, in der man ein wenig runterkommt und innehält. Ein klassisches Weihnachtsessen wie Kartoffelsalat und Saitenwürstchen gibt es bei uns nicht. Mit meiner Partnerin und unseren Kindern werden wir gemeinsam kochen und es gemütlich angehen lassen.
Harald Friese, 76, Vorstand beim Heilbronner Sinfonie Orchester (HSO)

Unser traditionelles Weihnachtsfest beginnt eigentlich schon vor Weihnachten, am 23. Dezember. Mit einem befreundeten Ehepaar treffen wir uns jedes Jahr zu einem Essen. Ob das in diesem Jahr stattfinden kann, ist wegen Corona noch offen. Das Weihnachtsfest wird wegen der Pandemie in diesem Jahr auf jeden Fall sehr privat bleiben. Meine Frau und ich versuchen, den Geschenke-Konsum an Weihnachten klein zu halten.
Einen Weihnachtsbaum haben wir schon lange nicht mehr, aber unsere Wohnung ist ein wenig festlich geschmückt. Musik spielt an Weihnachten bei mir natürlich eine wichtige Rolle, das hat Tradition. Ich schätze das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Was es zu essen geben wird? Wenn das Treffen mit unseren Bekannten ausfällt, plädiere ich für eine Weihnachtsente. An Weihnachten gibt es noch einen weiteren Grund zu feiern, denn am 25. Dezember hat unser HSO-Ehrenvorsitzender Hanns Hey Geburtstag.
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