Die Heilbronner Jazzband Feetwarmers wird in diesem Jahr 60 Jahre alt
Als Schüler, die teilweise ihr Instrument noch lernen mussten, fanden die Heilbronner Feetwarmers 1963 zusammen. Eine Amateurband seien sie nicht, sagen die sechs Mitglieder heute. Wie die Jazzer den Geburtstag feiern – und welches Geschenk sie sich selbst machen.

Das Interesse an der Musik war natürlich ein Grund. "Wenn man so jung ist, dreht es sich auch darum, ob man bei Mädchen Erfolg hat", erklärt Werner "Flips" Philipp mit einem Augenzwinkern, warum sich vor 60 Jahren die Jazzband Feetwarmers in Heilbronn gründete. Und außerdem wollten die Schüler der Knabenmittelschule – heute Dammrealschule - eine eigene Formation auf die Beine stellen, nachdem es bereits Katie's Jazzmen gab, eine von Heilbronner Gymnasiasten ins Leben gerufene Gruppe.
Um genügend Musiker zusammenzubekommen, wurden sogar Jungs überredet, das Hobby zu wechseln: vom Fußball zum Dixieland-Jazz. "Die Hälfte von uns musste erst ein Instrument lernen", erinnert sich Klarinettist und Saxofonist Philipp. Den Feetwarmers von der Ursprungsbesetzung erhalten geblieben ist neben dem 75-Jährigen nur noch Posaunist Fritz Resech. Das halbe Dutzend voll machen Trompeter Anton Jillich, Schlagzeuger Rudi Trinkaus, Pianist Helmut Link und Bassist Jörg Lorenz, mit 67 Jahren der Jüngste der Truppe.
Bei frühen Konzerten tauchte auch die Polizei auf
Geprobt wurde anfangs daheim im Keller. Die Stücke hörten die Jugendlichen so lange von Schallplatten ab, bis sie sie nachspielen konnten und die Vinylscheiben hinüber waren. Der erste öffentliche Auftritt fand dann 1964 im Rahmen der Schulabschlussfeier in der Harmonie statt. Gut erinnert sich Philipp auch noch an das Konzert im Club Crazy in der Weinsberger Straße: "Nach dem zweiten Stück sind die Leute alle raus, das war nix."
1968 marschierten die Feetwarmers mit Pickelhaube beim sogenannten Kaiser-Wilhelm-Gedächtnismarsch in Heilbronn mit, der sich übers Obrigkeitsdenken lustig machte. Unters Publikum bei Konzerten auf dem Alten Friedhof mischten sich Polizeibeamte in Zivil. "Die haben immer vermutet, dass sich was zusammenbraut unter den Jugendlichen", erzählt Philipp.
Auftritt beim Jazzfestival im spanischen Murcia als "herausragende Erfahrung"
Nachdem sich die Feetwarmers in den 60ern und 70ern durch fast alle Jazzclubs in Baden-Württemberg gespielt hatten, schrieben sie in den 80ern mit ihren Hot-Jazz-Meetings im Hans-Rießer-Haus Heilbronner Musikgeschichte. Als herausragende Erfahrungen verbucht die Band rückblickend die zwei Gigs beim Internationalen Jazzfestival Murcia in Spanien.
"Den Auftritten haftete ein Hauch von Happening an", zitiert Werner Philipp aus einem alten Zeitungsartikel, und Trompeter Anton Jillich führt aus, wie sich die Zeiten inzwischen geändert haben. "Selbst der laienhafte Zuhörer merkt: Das ist strukturiert. Wobei Freiräume für die Improvisationen eingearbeitet sind. Da gibt dann jeder seine qualitative Visitenkarte ab." Man spiele anspruchsvolle Stücke nach Arrangements. Titel von Count Basie, Erroll Garner, Benny Goodman, Duke Ellington oder aus der TV-Serie "Babylon Berlin" gehören zum Repertoire. "Frühschoppenjazz machen wir nicht mehr", sagt Philipp.
Auch Stücke aus der TV-Serie "Babylon Berlin" haben die Musiker im Repertoire
Weil übrigens die Mitglieder jahrzehntelange Spielpraxis mitbringen, einige sogar ehemalige Musiklehrer sind, will Anton Jillich den Begriff Amateurband nicht gelten lassen. Allerdings nimmt Ur-Feetwarmer Werner Philipp eine Einschränkung vor: "Von den Gagen her sind wir Amateure."
Das Jubiläumsjahr feiern die Feetwarmers mit sechs Konzerten. Vier davon haben sie bereits absolviert, zwei stehen noch aus: am 21. September und 16. Dezember, jeweils ab 20 Uhr im Waldhaus in Heilbronn. Der Eintritt ist frei. Darüber hinaus können sich Fans über ein Geburtstagsgeschenk freuen. Derzeit ist ein Album in Produktion, nächsten Montag finden die letzten Aufnahmen dafür statt. "Das ist auch etwas für uns zur Erinnerung. Man merkt einfach, wenn man älter wird, dass es eine gewisse Bedeutung hat, etwas festzuhalten", sagt Bassist Jörg Lorenz, "wir haben sehr intensiv darauf hingearbeitet." Einen Titel für das Album gibt es noch nicht, vorgestellt werden soll es beim Jubiläums-Abschlusskonzert.
Namensherkunft
Bei Feetwarmers, also Fußwärmer, mag der ein oder andere vielleicht an Heizdecke denken. Ironisch gemeint sei der Bandname aber nicht, erklärt Bassist Jörg Lorenz aus Besigheim: "Das hat auch einen programmatischen Hintergrund, die Musik soll mitreißen." Zum Tanzen animieren. Inspiration lieferte einst der US-Saxofonist Sidney Bechet. "Der hatte eine Band namens Feetwarmers. Als dann der Dixieland in Deutschland in den 50er Jahren up to date war, hat sich auch in Frankfurt eine Band namens Feetwarmers gegründet, und heute gibt es noch die Feetwarmers in Kiel", ergänzt Gründungsmitglied Werner Philipp.
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