Country-Rocker The BossHoss: "Wir verkörpern die Deutsche Einheit in einer Band"
The BossHoss veröffentlichen am 5. Mai ihr zehntes Studioalbum "Electric Horsemen", mit dem sie auf Tour im September auch nach Stuttgart kommen. Im Interview spricht Sänger Alec Völkel auch über die besondere Beziehung der Band zu Baden-Württemberg.

Herr Völkel, normalerweise haben The BossHoss Alben im Zweijahrestakt veröffentlicht. Jetzt hat es viereinhalb Jahre gedauert. Was war los?
Alec Völkel: Die Pandemie-Pause hat uns ordentlich ausgebremst. Im Sommer 2020 wollten wir auf große Open-Air-Tournee gehen und den Zyklus zum vergangenen Album "Black is Beautiful" abschließen. Dann kamen die Verschiebungen. Solange eine Tour für ein altes Album im Verkauf war, wollten wir kein neues rausbringen. Wir hatten durch Corona mehr Zeit zum Schreiben, durch die Ungewissheit hat man vieles aber auch auf die lange Bank geschoben. Kurz gesagt: Das Album hatte viel Zeit zum Reifen.
Jetzt erscheint es am 5. Mai mit dem Titel "Electric Horsemen".
Völkel: Es ist unser zehntes Album in 20 Jahren, ein Meilenstein. Der Titel soll nicht symbolisieren, dass The BossHoss jetzt mehr elektronische Einflüsse haben, obwohl es hier und da ein paar synthetische Sounds zu hören gibt. Das Bild der elektrischen Reiter fanden wir einfach cool. The BossHoss ist eine Band, die für ein leichtes Lebensgefühl steht, die Songs macht, bei denen die Leute abschalten können. Wir leben in schwierigen Zeiten mit Inflation, Energiekrise und einem Krieg in Europa. Das hat uns schockiert und tut es weiter. Doch nach einiger Zeit dachten wir, dass es genau jetzt Ablenkung braucht, Musik, die einem für eine gewisse Zeit die Alltagssorgen nehmen kann.
Was hat es eigentlich mit dem Bandnamen auf sich?
Völkel: Den hat Sascha (Vollmer, Gitarrist und Sänger, Anmerkung der Redaktion) angeschleppt. Es gibt eine US-Band aus den 60er Jahren, The Sonics. Die haben eine Art Garagen-Punkrock gespielt und haben einen Song namens "Boss Hoss". Darin geht es um eine große fette Karre, einen dicken Ford Mustang. Das Wort Boss ist selbsterklärend, Hoss steht für Pferd, also auch Pferdestärke. Wenn das kein geiler Name für eine Country-Band ist?
Sie haben Ihre Band damals aus einer Trinklaune heraus als einfaches Country-Coverprojekt gegründet und wurden schnell erfolgreich. Würden Sie sagen, dass Countrymusik ein schlechtes und verstaubtes Image hat?
Völkel: In Deutschland hat Countrymusik einen gewissen provinziellen Touch, man denkt hier an einen Western-Club auf dem Land oder an Line Dance. Dabei ist das Genre ein weites Feld, das wissen viele nicht. Es gibt den Schlager-Country von Shania Twain oder Garth Brooks, das klingt alles sehr glatt, konservativ und ist bewusst auf den Mainstream angelegt. Aber es gibt auch Urgesteine wie Johnny Cash, oder Künstler aus der Bluegrass-, Alternative- und Americana-Ecke, da steckt viel Indie oder Rock drin. The BossHoss ist keine klassische Country-Band, man findet zwar viele Elemente in unserer Musik, aber wir haben eine eigene Nische und einen eigenständigen Sound gefunden.
Wenn man durchs Internet streift, trifft man - natürlich - auch auf Menschen, die ihre Musik nicht mögen, liest Beschreibungen wie "Schlager mit Cowboyhut" oder "Stampf-Party-Musik ohne Gehalt". Stört Sie das?
Völkel: Das ist uns eigentlich wurscht. An solchen Kommentaren merkt man, dass jemand von vornherein keinen Bock hat. Feedback ist uns immer wichtig. Vor einigen Wochen hatten wir in Berlin im Studio eine Party, Fans durften bereits vor Erscheinen in das neue Album reinhören. Uns ist wichtig, zu wissen, wie die Fans reagieren, dass sie uns sagen, was ihnen nicht gefällt.
Aber es sind eben Fans, die Sie meistens eh schon auf Ihrer Seite haben.
Völkel: Klar, aber da bekommt man Feedback, mit dem man arbeiten kann. Dass es Leute gibt, die einen scheiße finden, ist legitim. Je erfolgreicher man ist, desto mehr gibt es davon. Und Geschmäcker sind auch verschieden. Ich mag auch vieles nicht, würde aber nie auf die Idee kommen, auf die Social-Media-Kanäle eines Künstlers zu gehen, um loszuwerden, wie schlecht ich ihn finde. Viele wollen einfach nur ihren Frust loswerden. Aber klar: Wenn Leute uns konstruktiv mitteilen, warum ihnen ein Song nicht gefällt, sie etwas anderes erwartet haben, sie sagen, dass diese oder jene Klangfarbe nicht zu uns passt, dann ist das völlig in Ordnung.
Sie sind in Ost-Berlin geboren, Ihr Bandkollege Sascha Vollmer stammt aus Heidenheim, also Baden-Württemberg. Welches Bundesland setzt sich bandintern durch?
Völkel: Oha. Ich würde sagen, es ist ausgeglichen, sonst hätten wir nicht 20 Jahre zusammen reiten können. Wir sind eigentlich das Paradebeispiel für "Zusammenwachsen, was zusammengehört", verkörpern die Deutsche Einheit in einer Band. Unsere Hintergründe sind verschieden, aber wir haben denselben Spirit. Konzerte in Baden-Württemberg sind für uns immer besonders, das Land ist ein Stück Heimat.
Album/Konzert in Stuttgart
"Electric Horsemen" erscheint am Freitag, 5. Mai, ist als CD erhältlich und bei allen gängigen Streamingdiensten abrufbar. Am Samstag, 30. September, spielen The BossHoss um 19.30 Uhr in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart. Tickets ab 67 Euro bei allen Vorverkaufsstellen und unter www.eventim.de.
Die Band
The BossHoss gründeten sich 2004 in Berlin. Die Gruppe hatte ihren Durchbruch mit Interpretationen von Popsongs im Country-Musik-Stil. Inzwischen schreibt die Band um Alec Völkel und Sascha Vollmer eigene Songs und hat zehn Studioalben veröffentlicht, die alle in den Charts landeten. The BossHoss sind immer wieder Teil von TV-Formaten wie "The Voice of Germany" oder "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert".
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