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Marvin Suckut aus Konstanz gewinnt den 100. Heilbronner Poetry Slam

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Zehn Poeten, kürzeres Zeitlimit: Bei der 100. Ausgabe des Poetry Slams in der Maschinenfabrik Heilbronn lief einiges ein bisschen anders als sonst. Und: Statt Philipp Herold wird Moritz Konrad künftig die regulären Ausgaben des beliebten Formats moderieren.

Publikumsliebling des Abends: Marvin Suckut aus Konstanz.
Foto: Michaela Keicher
Publikumsliebling des Abends: Marvin Suckut aus Konstanz. Foto: Michaela Keicher  Foto: Michaela Keicher

Muss man auch nach 99 Heilbronner Poetry Slams die Regeln des Veranstaltungsformats erklären? Man muss. Denn unter den Besuchern am Freitagabend in der ausverkauften Maschinenfabrik befinden sich tatsächlich Debütanten, wie Moderator Philipp Herold erstaunt feststellt. Also im Schnelldurchlauf: Die Kandidaten des Poeten-Wettstreits müssen ihre Texte selbst geschrieben haben, sie dürfen bei ihrem Auftritt keine Requisiten verwenden, müssen das vorgegebene Zeitlimit einhalten, und wer gewinnt, entscheidet das Publikum.

Ein bisschen anders läuft es bei der 100. Ausgabe aber doch: Statt sechs Minuten haben die Teilnehmer in der ersten Runde nur drei Minuten Zeit - was damit zusammenhängt, dass nicht sechs Poetry Slammer wie sonst an den Start gehen, sondern zehn. Das Line-up setzt sich zusammen aus Poeten, die am häufigsten und erfolgreichsten in Heilbronn zu Gast waren, erklärt Herold. Der Moderator hat sich zudem einen zweiten Mann an die Seite geholt: Moritz Konrad, der künftig Gastgeber der regulären Ausgaben sein wird.

DJ Gorealla, Rahi und Timothy Morris steuern den musikalischen Teil des Abends bei

Eine Couch, ein Schränkchen, etwas Begrünung: Auf der Bühne herrscht Wohnzimmeratmosphäre. Den musikalischen Part übernehmen DJ Gorealla alias Ben Bynum, die Stuttgarter Band Rahî und Rapper Timothy Morris. Mit Zettel, Handy oder Notizbuch in den Händen treten die Slammer an, geben ihre Beiträge mal stark rhythmisiert, mal atemlos schnell wieder, einige Texte sind in Reimform verfasst. Stoff liefern unter anderem prägende persönliche Erlebnisse, witzig zugespitzte Alltagsbeobachtungen oder gänzlich fiktive, absurde Situationen.

 


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Depression, Essstörung, sexuelle Gewalt: Mit ernsten Themen schafft es Antonia Jäcklin ins Finale

Eine Runde weiter kommen Marius Loy aus Esslingen, der die Ästhetik des Rauchens würdigt, Julie Kerdellant aus Landau, die ihrem Ärger über langsame Menschen Luft macht, sowie Nik Salsflausen aus Esslingen, der Meinungen mit Muskeln vergleicht, und Andi Rebholz aus Sigmaringendorf mit seinen Lokalnachrichten in Mundart.

Antonia Jäcklin aus Heidelberg schafft es mit ihren ernsten Texten über sexuelle Gewalt, Essstörung und Depression bis ins Finale. Nach gut dreieinhalb Stunden steht der Sieger fest: Marvin Suckut aus Konstanz sichert sich die vom Heilbronner Künstler Markus Rack gestaltete Preisskulptur - mit humorvollen Beiträgen wie "Lisa lutscht Lollis" oder über E.T.A. Hoffmanns Sandmann beim Polizeiverhör.

 


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