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Konzert in Landeshauptstadt

In Extremo in der Stuttgarter Porsche-Arena: Das Mittelalter war einmal

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Deutschlands erfolgreichste Mittelalterrock-Band In Extremo hat ihren Stil erweitert und verfeinert. Auch die Show hat sich weiterentwickelt, wie sie in einem umjubelten Konzert in Stuttgart bewies.

In Extremo-Sänger Michael Rhein alias „Das letzte Einhorn“.
In Extremo-Sänger Michael Rhein alias „Das letzte Einhorn“.  Foto: Fritze, Heiko

Kurz vor Ende des regulären Sets taucht Sänger Michael Rhein tief in die Bandgeschichte von In Extremo ein. Vor 29 Jahren, erzählt er, hätten sich die ersten Mitglieder der Band nach einem Mittelaltermarkt in einer finsteren Kneipe in Berlin getroffen – und spontan beschlossen, mittelalterliche Musik mit Rock zu kreuzen. Das erste Stück, das sie so durch den elektrischen Wolf drehten, nannten sie „Ai vis lo lop“ – und sie spielen es heute noch.


In Extremo: Die erfolgreichste Band des Mittelalterrock

Mittlerweile ist In Extremo die erfolgreichste Band des Genres Mittelalterrock – und hat sich längst aus dem engen Korsett von Schalmei, Dudelsack und Pauken gelöst, behandelt Alltagsthemen ebenso wie mittelalterliche Zaubersprüche. „Feine Seele“ widmet Rhein den Opfern des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt, „Katzengold“ geht an alle, die auf Verschwörungstheoretiker hereinfallen und nicht mehr miteinander diskutieren können.

Da ist das Sextett einst auch selbst betroffen gewesen: 2021 trennte es sich von Dudelsackspieler Yellow Pfeiffer wegen unüberbrückbarer Differenzen. Ein Jahr später starb er am Rande einer Querdenker-Demonstration an einer Herzattacke. Seine Position wurde nie nachbesetzt, wo erforderlich, greift nun Rhein selbst zum dritten Dudelsack – neben Dr. Pymonte und Flex der Biegsame. Mittelalterlich angehauchte Künstlernamen sind Pflicht, wobei Schlagzeuger Specki TD als neuestes Mitglied nicht mehr ganz dem Muster folgt.

„Sterhagelvoll“ von In Extremo ist ein Partykracher

Musikalisch haben In Extremo ihren Stil gefunden und verfeinert. In der gut gefüllten Porsche Arena beweisen sie, dass ihr neues Album „Wolkenschieber“ ohne große Brüche die Erfolgsgeschichte fortschreibt: Gitarre und Bass treffen auf Dudelsack und Schalmei, oft sind die Texte mitgröltrauglich, ohne ins Belanglose abzugleiten. Partykracher wie „Sternhagelvoll“ oder „Frei zu sein“ wechseln sich ab mit ernsten und nachdenklichen Weisen. Das Mittelalter war einmal, aber ein gutes Stück von diesem Erbe haben die sechs Berliner mitgenommen und der Neuzeit angepasst.

Das gilt auch für den Auftritt selbst. In den ersten Jahren waren durchaus noch Feuerschlucken, Jonglage und Akrobatik Teil der Show. Nun ist Pyrotechnik angesagt: Explosionen, Funkenregen und Feuerfontänen setzen die Akzente. Kaum ein Song, der ohne Effekte auskommt. Überladen wirkt es dennoch nicht. Und so geraten die zwei Stunden sehr kurzweilig.

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