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Streitigkeiten und Mobbingvorwürfe beim Heilbronner Sinfonie Orchester

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Es geht um Satzungsänderungen, Sponsoren und finanzielle Förderungen: Hinter den Kulissen des renommierten Heilbronner Sinfonie Orchesters (HSO) gibt es Streitigkeiten – und eine Vielzahl an Vorwürfen. Was dahinter steckt. 


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Vor wenigen Wochen hat das Heilbronner Sinfonie Orchester (HSO) sein Programm für die kommende Spielzeit vorgestellt. Der Vorstand um die erste Vorsitzende Andrea Keppler konnte dabei auch finanziell eine positive Wasserstandsmeldung geben: Nachdem das HSO sogar von einer Insolvenz bedroht war, konnten weitere Sponsorengelder und Förderungen die Zukunft des Orchesters sichern.

Heilbronner Sinfonie Orchester: Hinter den Kulissen gibt es Streitigkeiten

Doch hinter den Kulissen des renommierten Klangkörpers gibt es Streitigkeiten – und eine Vielzahl an Vorwürfen. Hans A. Hey, der Ehrenvorsitzende beim Heilbronner Sinfonie Orchester, der von 1961 bis 2006 den ersten Vorsitz innehatte, hat sich mit einem Schreiben an den aktuellen Vorstand gewandt. Dieses liegt auch der Heilbronner Stimme vor.

Beim Heilbronner Sinfonie Orchester – hier bei einem Auftritt auf dem Heilbronner Klassik-Open-Air – gibt es interne Streitigkeiten.
Beim Heilbronner Sinfonie Orchester – hier bei einem Auftritt auf dem Heilbronner Klassik-Open-Air – gibt es interne Streitigkeiten.  Foto: Archiv/Seidel

Darin wirft Hey dem Vorstand „ständige Verletzungen der Satzung“ vor, spricht von „katastrophalen Versäumnissen und Fehlern“ und von „unerträglichem Mobbing gegen den/die Ehrenvorsitzenden“. Weiter werde, so Hey, viel mit „Halbwahrheiten“ operiert. „Ich lasse es nicht zu, dass solche Tricksereien gemacht werden“, so der 90-Jährige gegenüber der Stimme.

Eine Satzungsänderung beim Heilbronner Sinfonie Orchester sorgt für Unmut

Hey führt an, dass ihm die Einladung zur kommenden HSO-Mitgliederversammlung am 9. Juli nicht rechtzeitig zugesandt wurde. Die Frist dafür beträgt mindestens vier Wochen im Voraus. Hey wollte nach eigenen Aussagen einen Antrag zur Behandlung und zum Beschluss in die Mitgliederversammlung einbringen und ein neues Ehrenmitglied für das HSO ernennen. „Die Frist hätte ich nicht einhalten können“, sagt Hey im Stimme-Gespräch, „ich wollte dafür rechtliche Beratung in Anspruch nehmen.“

Hey möchte nun Widerspruch gegen die Versammlung einlegen. Darüber hinaus stört den 90-Jährigen ein Antrag auf Satzungsänderung, der vorsieht, dass es im Orchester zukünftig keine Ehrenvorsitzenden und Ehrenmitglieder mehr geben soll. Die sind laut aktueller Satzung auch ständiges Mitglied im Ausschuss. Hey spricht von einer „Amputation der Rechte von Mitgliedern“. „Die Ehrenvorsitzenden sind dem aktuellen Vorstand unangenehm“, sagt Hey, der betont, dass er bei der Akquise von aktuellen Sponsoren im Vorfeld beteiligt war, eine große Vorarbeit geleistet habe, die keinerlei Erwähnung findet.

Der Vorstand des Heilbronner Sinfonie Orchesters widerspricht den Aussagen

Andrea Keppler widerspricht im Stimme-Gespräch Heys Aussagen, betont, dass sie die zusätzlichen Förderungen selbst eingefädelt habe. Kontakt mit dem Ehrenvorsitzenden gebe es schon länger nicht mehr. „Er ist ein normales Ausschussmitglied. Mehr aber nicht.“ Einblicke in die tägliche Arbeit des Vorstands habe Hey nicht. Die Satzungsänderung bezüglich der Ehrenvorsitzenden wolle man nur wegen Heys kontinuierlichem Eingreifen ins operative Geschäft einbringen.

Beim Heilbronner Sinfonie Orchester mit der ersten Vorsitzenden Andrea Keppler und dem Ehrenvorsitzenden Hans A. Hey gibt es interne Streitigkeiten.
Beim Heilbronner Sinfonie Orchester mit der ersten Vorsitzenden Andrea Keppler und dem Ehrenvorsitzenden Hans A. Hey gibt es interne Streitigkeiten.  Foto: Archiv/Seidel

So habe Hey, laut Keppler, das Sponsoring für ein Konzert der kommenden Spielzeit ohne Wissen des aktuellen Vorstands geplant. Auch der Solist wurde von Hey direkt kontaktiert. „Wir haben ihm untersagt, zukünftig selbstständig zu agieren“, sagt Friedrich Blaschek, zweiter HSO-Vorsitzender. „Er ist in die Bedeutungslosigkeit verschwunden und damit wird er nicht fertig,“ ergänzt Blaschek. „Er hat über die Jahre viel für das HSO getan, aber jetzt schadet er dem Orchester“, sagt Keppler.

Das Heilbronner Sinfonie Orchester prüft einen Ausschluss des Ehrenvorsitzenden

„Herr Hey ist schon immer umstritten gewesen“, so die erste Vorsitzende. „Als ich mein Amt angetreten habe, wurde mir verschwiegen, dass wir fast pleite sind. Das Finanzproblem gab es schon länger. Er hat mich in Themen übergangen“, sagt Keppler, „hat Dinge entschieden, die er nicht mehr darf.“

Der HSO-Vorstand bestätigt, dass die Einladung zur Mitgliederversammlung zu spät verschickt wurde. Hey könnte also Einspruch einlegen. Wie es weitergeht? Der HSO-Vorstand prüft nun, den Ehrenvorsitzenden aus dem Verbund auszuschließen. Das ist laut Paragraf 3 der Satzung möglich, wenn ein Mitglied „die Zwecke des Vereins schädigt“. Am Donnerstag, 3. Juli, findet eine Ausschusssitzung des HSO statt.

Auch an der vom HSO-Vorstand bei der Saisonvorstellung erwähnten Summe städtischer Gelder über die Strukturförderungen hinaus hegt der Ehrenvorsitzende Hans A. Hey Zweifel. Laut der städtischen Pressestelle seien für das HSO 2025 und 2026 198.000 Euro angemeldet und im Haushalt beschlossen. Eine darüber hinausgehende Förderung erfolge nicht, so die Stadt.

Laut HSO gab es aber noch eine weitere Zahlung in Höhe von 19.040 Euro (brutto). Diese sei laut Stadt eine Honorarzahlung für das Klassik-Open-Air auf dem Kiliansplatz, die auch andere Akteure erhalten hätten. Für diese Zahlung sei gegenseitiges Stillschweigen vereinbart worden. Der Klassik-Open-Air-Etat setze sich aus Haushaltsmitteln und Sponsorengeldern zusammen. 

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