Brutale Satire: Der Film „The Ugly Stepsister“ startet in den Kinos
Das bekannte Märchen „Achenputtel“ wird in „The Ugly Stepsister“ aus der Sicht der hässlichen Stiefschwester erzählt. Der Film sorgte wegen einiger drastischer Szenen schon vor Kinostart für Gesprächsstoff. Ob sich der Kinobesuch lohnt und wo der Film anläuft.

Dass Märchen bei genauerem Hinsehen meistens nicht wirklich kindertauglich sind, sollte inzwischen weitläufig bekannt sein. Schließlich wird darin an vielen Stellen gemordet und gefoltert, physische und psychische Gewalt sind an der Tagesordnung. Auch in „Aschenputtel“ aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, das nun Grundlage eines neuen Films ist, der auf den Namen „The Ugly Stepsister“ hört und heute in die Kinos kommt.
Im Mittelpunkt steht die 18-jährige Elvira (Lea Myren), die als Stiefschwester in Aschenputtel, oder Agnes (Thea Sofie Loch Næss), ihre größte Rivalin sieht. Während Agnes mit schöner, blonder Haarmähne und makellosem Gesicht ganz dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entspricht, hat es Elvira schwer. Sie hat schiefe Zähne, trägt Zahnspange, hat unreine Haut, isst gerne Süßspeisen und ist deshalb mit ihrem Gewicht unzufrieden. Große Gefühle hegt sie für den Prinzen Julian (Isac Calmroth), der noch auf der Suche nach seiner Traumfrau ist. Als ein pompöser Ball angekündigt wird, auf dem der Königssohn seine Zukünftige finden will, wittert Elvira ihre Chance – und unterzieht sich zahlreichen, martervollen Schönheitsprozeduren. Die Methoden werden, je näher der Ball rückt, immer drastischer.
Märchenklassiker neu erzählt: „Aschenputtel“ wird zum feministischen Drama
„The Ugly Stepsister“ von der norwegischen Regisseurin Emilie Blichfeldt dreht das „Aschenputtel“-Märchen feministisch auf links, bricht mit der typischen Einteilung in Gut und Böse. Innere Schönheit hat keinen Platz in dieser düsteren Nacherzählung. Vielmehr geht es um die schonungslose Darstellung des körperlichen und seelischen Schmerzes, den Frauen auf der Suche nach gesellschaftlichen Schönheitsidealen erleiden. Elvira bricht sich Knochen beziehungsweise lässt sie sich von einem dubiosen Doktor brechen, hungert sich mit einem Bandwurmei aus, verstümmelt ihren Körper. Zartbesaitete Kinogänger müssen an einigen Stellen wirklich stark sein.
Blichfeldt treibt die Dinge bewusst und mit unverkennbarer Freude bis an die Grenzen, wirft einen zynischen Blick auf damals wie heute überholte, vorherrschende Rollenbilder. Richtig ernst nehmen kann man den Film trotz einiger brutalen Szenen aber nicht, ist er doch deutlich spürbar auch eine Persiflage der kultig-verehrten CSSR-/DDR-Märchen-Koproduktionen der 70er Jahre wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Lea Myren pendelt in ihrer Hauptrolle zwischen Naivität, Staunen, Zerbrechlichkeit und zunehmender Verzweiflung. Ein wenig erinnert das an Demi Moores Rolle in „The Substance“ (2024), dem Film, der das Body Horror Kino wieder schick gemacht hat.
Wo „The Ugly Stepsister“ im Kino anläuft
Die Kinos in Heilbronn und der Region zeigen „The Ugly Stepsister“ nicht. Zu sehen ist der Film aber ab Donnerstag, 5. Juni, in den EM Innenstadtkinos Stuttgart und im Delphi Arthaus Kino Stuttgart. Der Streifen ist ab 16 Jahren freigegeben.

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