Affenhirn und Fischsperma: Das bietet das Disgusting Food Museum in Stuttgart
Alles eklig? 80 teils kuriose Lebensmittel aus aller Welt sind im Disgusting Food Museum Stuttgart ausgestellt. Besucher können an einer Tasting Bar auch selbst probieren. Lohnt sich der Besuch in der Pop-Up-Ausstellung?
Der Duden definiert Ekel als Übelkeit erregendes Gefühl des Widerwillens, als Abscheu vor etwas widerlich Empfundenem. Evolutionär ist Ekel jedoch eine Schutzfunktion, um den Menschen vor Krankheiten und gesundheitsschädlicher Nahrung zu schützen. Doch Geschmack und Ekel hängen immer von Gewohnheiten ab, davon, wie man sozialisiert wurde, welchem Kulturkreis man angehört und welche Moralvorstellungen in diesem jeweils vorherrschen. Welche Lebensmittel bei einem Menschen Ekel hervorrufen kann in verschiedenen Ländern also grob abweichen.
Neues ausprobieren, die eigene Abscheu überwinden, aber auch (Ekel-)Toleranz für andere Kulturen entwickeln – das ist die Idee des Disgusting Food Museums. Im Jahr 2018 eröffnete das erste Museum dieser Art im schwedischen Malmö, 2021 folgte eines in Berlin Mitte. Nun ist in der Stuttgarter Innenstadt eine Pop-Up-Ausstellung gestartet, die noch bis Mitte November in der Königstraße zu sehen ist.
Eklige Lebensmittel im Disgusting Food Museum: Geruchsproben und Tasting Bar in der Pop-Up-Ausstellung
Auf zwei Etagen sind insgesamt 80 Speisen aus aller Welt ausgestellt. Das Konzept ist nicht, andere Essgewohnheiten als eklig zu diffamieren. Vielmehr geht es um Verständnis dafür, wie sehr unsere Vorstellung von gutem Essen kulturell geprägt ist. Und darum, den eigenen Speiseplan zu hinterfragen, etwa, wenn es um die schlechten Bedingungen der Massentierhaltung oder den übermäßigen Einsatz von Antibiotika geht.
Als Besucher bewegt man sich zwischen zahlreichen Infotafeln, fühlt sich ein wenig wie im „Dschungelcamp“, wenn man auf Gerichte stößt wie frittierte Vogelspinne, Fischsperma, Schafsinnereien, Affenhirn und die „Mongolian Mary“, eine Mischung aus eingelegten Schafaugen und Tomatensaft. Auf Bildschirmen flackern dazu erklärende Filme, so etwa über die „Virgin Boy Eggs“ aus China – Eier, die im Urin von kleinen Jungen eingelegt und gekocht werden.
Bullenpenis und Koriander: Diese Lebensmittel werden im Disgusting Food Museum in Stuttgart ausgestellt
Weiter geht es zu einem Bullenpenis, dem in vielen Kulturen eine vermeintlich aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird und mit Surströmming, einer schwedischen übelriechenden Fischspeise, die durch Milchsäuregärung konserviert wird. Apropos riechen, das kann man gleich an mehreren Stationen, etwa an der stark stechend duftenden Durianfrucht aus Südostasien. Für andere Kulturkreise womöglich eklig, werden auch für Westeuropäer „normale“ Lebensmittel ausgestellt wie Koriander, Schweizer Käse oder Gummibärchen, die aus tierischer Gelatine hergestellt werden.
Ausstellung mit kuriosen Lebensmitteln: Lohnt sich der Besuch im Disgusting Food Museum in Stuttgart?
Das Highlight der Ausstellung ist dann die Tasting Bar, an der Besucher verschiedene Lebensmittel probieren können: unter anderem fermentierter Eishai, Maikäfer, Sauerkrautsaft, Ziegenbauchkäse, Tausendjähriges Ei, Dorschrogen und zum Abschluss – zur Sicherheit auf einem Zahnstocher serviert – die Chilisauce „Grim Reaper Doomsday“, die mit 1,6 Millionen Scoville ausgezeichnet ist. Zum Vergleich: Standard Tabasco-Saucen haben in der Regel 2500 bis 5000 Scoville.
Wer es komplett durch die Tasting Bar schafft, kann sich ein T-Shirt mit dem Aufdruck „I Tasted Everything“ (Ich habe alles probiert) zulegen. Haben sich im Museum schon Leute übergeben? Zwölf Besucher sind es bislang, laut einer Kreidetafel. Da passt es doch ganz gut, dass die Eintrittskarte zum Museum gleichzeitig als Kotztüte fungiert. Lohnt sich also ein Museumsbesuch, der – je nach Wochentag – nicht gerade preiswert ausfällt? Ja, aber nur, wenn man das abschließende Tasting mit einplant.
Preise und Öffnungszeiten des Disgusting Food Museums
Das Disgusting Food Museum Stuttgart (Königstraße 21) hat bis Mitte November geöffnet, täglich, auch an Feiertagen von 11 bis 20 Uhr. Die Preise variieren nach Wochentag. Tickets kosten online von Montag bis Freitag 14,95 Euro, Samstag, Sonntag und feiertags 19,95 Euro. Ermäßigungen für Schüler, Studierende, Auszubildende. Kinder von vier bis elf Jahren zahlen 10,95 Euro (12,95 Euro), unter vier Jahren frei. Mehr Infos: www.disgustingfood.de.


Stimme.de