Warum Alice Schwarzer nichts vom Internationalen Frauentag hält
Alice Schwarzer über den 8. März, Manuel Hagel und warum sie bezweifelt, dass die Rolle der Tradwife wirklich ein Ideal junger Frauen ist.
Der Internationale Frauentag diesen Sonntag? „Ich habe vom 8. März noch nie etwas gehalten“, sagt Deutschlands bekannteste und umstrittenste Frauenrechtlerin Alice Schwarzer im Interview mit der Stimme Mediengruppe. Sie kritisiert den 8. März als einen rituellen Feiertag. Mit Feminismus habe das nicht viel zu tun. „Also ich bin mehr für ein ganzes Jahr für Menschen als für einen Tag für die Frauen.“
Vor wenigen Tagen hat Schwarzer ihr neues Buch „Feminismus pur. 99 Worte“ in Berlin vorgestellt - am 26. März wird sie daraus in Heilbronn in der Volkshochschule lesen.
Alice Schwarzer kritisiert Internationalen Frauentag am 8. März als ritualisierten Feiertag ohne echten Feminismus
Gefragt, was sie vom Spruch des Baden-Württembergischen CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel hält, der vor acht Jahren beim Besuch einer Mädchenklasse von den rehbraunen Augen einer Schülerin schwärmte, ist Alice Schwarzers Haltung klar: „Da kann man mit dem Kopf schütteln, aber das ist noch kein sexistischer Skandal.“ Für Schwarzer ist die späte Empörung „ein rein parteipolitisches Manöver“.

Auch zum neuen Ideal der traditionellen Hausfrau, der Tradwife, in den USA und anderswo hat sie eine beschwichtigende Meinung: „Ich bezweifle sehr, dass es so viele reale Tradwives gibt.“ Das seien vielmehr diese Narrative, in die man immer wieder Frauen versuche einzuwickeln.
Junge Frauen werden durch soziale Medien dressiert, zu gefallen
Als reale Gefahr sieht Alice Schwarzer vielmehr den Einfluss von Social Media und Influencerinnen. Deren Schönheits- und Schlankheitsdiktat plus Konsumwahn seien junge Frauen regelrecht ausgeliefert. „Sie werden dressiert, zu gefallen. Das waren wir in der Schärfe nicht“, sagt die Ikone des deutschen Feminismus.

Stimme.de