Chaos bei Regionalbahn: Erschwerte Anreise für VfB-Fans zum Bayern-Spiel
Wegen Bauarbeiten ist der Zugverkehr zwischen Heilbronn und Stuttgart diese Woche massiv gestört. Das erschwert die Anreise auch für VfB-Fans, die am Freitagabend zum Spiel gegen die Bayern ins Stadion wollen.
Pendler zwischen Stuttgart und Heilbronn sind derzeit noch gestresster als üblich. Bis auf wenige Ausnahmen enden oder starten die Regionalbahnen in Bietigheim. Wer in die Landeshauptstadt weiter will, muss auf die S-Bahn oder den auf diesem Abschnitt einzigen verbliebenen Regionalzug RE1 umsteigen.
Änderungen bei Zugverbindung nach Stuttgart betreffen Berufsverkehr und VfB-Fans
Der MEX18, der üblicherweise von Heilbronn über Stuttgart nach Tübingen fährt, wird nach Ludwigsburg umgeleitet und hält erst wieder in Esslingen. Bis Sonntag soll das noch so gehen. Betroffen sind auch die darauffolgenden Wochenenden 8./9., 15./16. und 22./23. März. Was den Berufsverkehr völlig aus dem Takt bringt, wird am Freitagabend auch Fußballfans beschäftigen.
Wenn der VfB Stuttgart ab 20.30 Uhr zum ausverkauften Heimspiel gegen den FC Bayern München antritt, kommen viele Anhänger wie immer auch aus dem Raum Heilbronn. Sie können sonst komfortabel bis nach Bad Cannstatt durchfahren. Diesmal sollten sie sich rechtzeitig informieren, sie brauchen länger und müssen umsteigen.
Bauarbeiten für Digitalen Knoten Stuttgart – Verkehrsminister kritisiert kurzfristige Ankündigung
Die Bauarbeiten stehen im Zusammenhang mit dem Digitalen Knoten Stuttgart. Das Netz rund um die Landeshauptstadt wird im Zuge von Stuttgart 21 auf eine moderne Leittechnik umgestellt, die ohne herkömmliche Signale auskommt. Das gab es in diesem Umfang noch nie. „Wir stehen vor der komplexesten Inbetriebnahme eines neuen Eisenbahnknotens der vergangenen Jahrzehnte in Europa“, reagierte ein Bahnsprecher in Berlin auf Stimme-Nachfrage auf die jüngste Kritik.

„Es gibt keine Blaupause für eine derartige Bündelung von Baumaßnahmen“, so der Sprecher, „schließlich wird ein kompletter Hauptbahnhof neu in Betrieb genommen.“ Wegen der „nie dagewesenen Komplexität“ seien auch „kurzfristige Sperrpausen“ nötig. Diese Kurzfristigkeit hatte Ende vergangener Woche Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) auf die Palme gebracht.
„Wer so plant, sorgt dafür, dass am Ende niemand mehr den Zug nimmt“, sagte der Minister und kündigte Gespräche mit den Verantwortlichen an. Nach Stimme-Informationen sieht das eigene Regelwerk der Deutschen Bahn vor, dass Bauarbeiten 24 Wochen vorher im Entwurf und 15 Wochen vorher im Detail vorliegen sollen. Das wäre in diesem Fall der 9. November gewesen, tatsächlich lagen die Informationen erst am 14. Januar vor, zum Fahrplan erst am 14. Februar, also knapp eine Woche, bevor es losging.
Probleme im Zugverkehr nach Stuttgart – Arverio-Sprecher: „Am Rande der Fassungslosigkeit“
„Am Rande der Fassungslosigkeit“: So beschreibt ein Sprecher des Bahnunternehmens Arverio die Reaktion auf die Turbulenzen. Denn während die DB Infrago als Bahntochter baut, sind viele andere beteiligt: Die DB fährt auf der Strecke zwischen Stuttgart und Heilbronn gar nicht mehr selbst, sondern die Konkurrenten SWEG und eben Arverio, die unter anderem die verbliebene R1 bedient. Die sei erwartungsgemäß „sehr voll“, berichtet der Sprecher, bislang seien aber alle Fahrgäste in den Bahnen untergekommen.
Die Maßnahme halbiert nach Informationen des Ministeriums etwa die Zufahrtskapazität des Nordzulaufs vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof, einer der größten Schienenknoten in Deutschland: Der gesamte Verkehr muss sich zwei Gleise teilen. Davon betroffen sind alleine in den Regionalzügen rund 30.000 Personen pro Tag, S-Bahn und Fernverkehr kommen mit reduziertem Takt noch dazu.

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