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Unwetterprognosen

Warum lösen sich viele Tornado-Warnungen wieder auf? Wetter-Experte klärt auf

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Vor dem Wochenende warnte der Deutsche Wetterdienst vor Unwettern und möglichen Tornados. Warum es dann oftmals doch anders kommt. 

Unwetter sorgen in Baden-Württemberg immer wieder in den heißen Sommermonaten für Probleme.
Unwetter sorgen in Baden-Württemberg immer wieder in den heißen Sommermonaten für Probleme.  Foto: Alexander Wolf

Im Westen Baden-Württembergs sollte es laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zum EM-Achtelfinale Deutschland gegen Dänemark am Samstagabend ziemlich ungemütlich werden. Neben Großhagel, Regenmassen und Orkanböen warnten die Meteorologen auch vor möglichen Tornados im Badener Raum. Oftmals fällt das Unwetter dann jedoch weniger dramatisch aus, als prognostiziert. Warum ist das so?

Speziell bei Tornados handelt es sich um ein sehr lokales Phänomen, das auf einen engen Raum begrenzt ist, erklärt Andreas Walter vom DWD gegenüber der Heilbronner Stimme. Die Lage von Luftmassengrenzen ist nicht leicht vorherzusagen. Manchmal bewegt sich eine Luftmassengrenze nur wenige Dutzend Kilometer vorwärts. Es müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit sich Tornados bilden.

Warum sich viele Unwetter- und Tornado-Warnungen wieder auflösen

Eine wichtige Voraussetzung dafür sei eine scharfe Luftmassengrenze von 20 bis 200 Kilometern Breite. Sie bildet sich immer dann, wenn zwei Luftströmungen aufeinandertreffen, die gleich stark sind und sich so weder die Warm- noch die Kaltluft richtig durchsetzen kann, schreibt "wetteronline". Weil sich die Luftmassengrenze kaum bewegt, entstehen großer Niederschlag, Gewitter und vereinzelt sogar Tornados.


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Allerdings sei die Lage von Luftmassengrenzen nicht leicht vorherzusagen, sagt DWD-Experte Walter. Über Stunden gibt es bei der Grenze kaum Bewegung. Die genaue Verortung ist dennoch schwierig, bis sie wirklich eintritt. Wenn es doch gelingt, kann sich die Luftmassengrenze kurze Zeit später allerdings schon wieder um wenige Kilometer verschieben. Dann sieht es im betroffenen Gebiet meist wieder freundlicher aus und Unwetter und Tornados werden unwahrscheinlicher. 

Tornados sind ein Unwetter-Phänomen in heißen Sommermonaten 

Wenn sie überhaupt auftreten, dann in den Sommermonaten. Durch die zunehmenden Wärmemengen sind die feuchten und trockenen Luftmassen gezwungen, aufzusteigen, da sie nicht nach unten entweichen können. Je stärker und höher sich dabei der Wind dreht und verwirbelt, desto eher bilden sich auch Tornados, bei denen die Luftwirbel vom Boden bis zur Wolkenuntergrenze reichen.

Den letzten Tornado-Verdachtsfall gab es am 18. Juni 2024 in Niedersachsen in der Nähe bei Hannover. Allerdings habe der DWD noch nicht verifiziert, ob es sich tatsächlich um einen sogenannten kleinräumigen Luftwirbel gehandelt hat. Dazu werten die Experten aktuell noch vorliegendes Foto- und Videomaterial aus und schauen sich die Wetterdaten in der Re-Analyse an.

DWD erklärt: So viele Tornados gab es 2024 in Deutschland

In der ersten Jahreshälfte 2024 stellte der DWD fünf Tornados in Deutschland fest. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr seien es drei gewesen. Zwar meldeten Zeugen über Social Media in den vergangenen Jahren mehr Tornados, wodurch die Wetter-Profis auch auf mehr Wirbelstürme aufmerksam werden. Einen tatsächlichen großen Anstieg gebe es aber nicht, so DWD-Sprecher Walter weiter. 

Tornados treten laut dem DWD immer sehr vereinzelt auf. Ein Tornado ist eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine mehr oder weniger senkrecht orientierte Achse rotiert und sich unter einer Quellwolke befindet. Er kann den DWD-Angaben zufolge entstehen, wenn es starke Temperaturgegensätze gibt und Luft aufsteigt beziehungsweise gehoben wird.

Durch frei werdende Kondensationswärme und die Zunahme der Windgeschwindigkeit - und gegebenenfalls auch Änderung der Windrichtung mit der Höhe - wird ein rotierender Aufwindschlauch erzeugt. Dieser könne einen Durchmesser bis über einen Kilometer erreichen, wobei Windgeschwindigkeiten von mehreren Hundert Kilometern pro Stunde auftreten könnten, teilte der DWD auf seiner Homepage zu dem Wetterphänomen weiter mit.

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