Erste Fälle des Oropouche-Fieber in Deutschland: Was hinter der Krankheit steckt
In Deutschland sind zwei Fälle der Tropenkrankheit registriert worden, auch in Italien und Spanien gibt es Infizierte. Woher die Krankheit kommt und wie hoch das Risiko in Europa ist.
Tropische Infektionskrankheiten wie das Dengue-Fieber oder das West-Nil-Fieber breiten sich langsam in Richtung Europa aus, der Grund: Steigende Temperaturen durch den Klimawandel.Nun sind in Deutschland erstmals zwei Fälle des Oropouche-Fiebers aufgetreten. Die wichtigsten Fragen zum Tropenvirus.
Was ist das Oropouche-Fieber?
Das Oropouche-Fieber (OF) ist eine Infektionskrankheit, die durch Mücken oder kleine Fliegen übertragen wird. Benannt ist das Virus nach dem Fluss Oropouche auf der karibischen Insel Trinidad. Es tritt in Mittel- und Südamerika auf, darunter besonders in Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Peru und Bolivien, seit kurzem auch in Kuba. Erstmals entdeckt wurde es 1955. Das Virus sei in Mittel- und Südamerika "seit langem endemisch und verursache dort regelmäßig Ausbrüche", schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI).
Neu ist, dass zum ersten Mal Fälle in Kuba registriert wurden, die nicht durch Reiserückkehrer aus anderen Ländern verursacht wurden. Es sei aber nicht klar, ob diese Ausbreitung auf eine "endemische Ausbreitung des Gebietes oder eine verbesserte Diagnostik zurückzuführen ist", betont das RKI.
Was sind die Symptome beim Oropouche-Fieber?
Zu den häufigsten Symptomen zählen laut RKI Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Krankheit verläuft meist mild. Am 25. Juni 2024 wurden in Brasilien allerdings erstmals zwei Todesfälle im Zusammenhang mit dem OF gemeldet, so das RKI. Bei den Fällen handele es sich um Frauen aus dem Landesinneren des Bundesstaates Bahia im Nordosten Brasiliens, erklärte das dortige Gesundheitsministerium. Demnach waren beide unter 30 Jahre alt, hatten keine Begleiterkrankungen, wiesen aber Anzeichen und Symptome auf, die einem schweren Denguefieber ähneln. Mehr ist zu den Fällen aktuell nicht bekannt.
Weiter hat die Pan-Amerikanische Gesundheitsorganisation für Brasilien Mitte Juli eine epidemische Warnmeldung herausgegeben, aufgrund des Verdachts auf eine pränatale Mutter-Kind-Übertragung des Virus. Es gebe Hinweise darauf, dass das OF Fehlbildungen bei Ungeborenen verursachen könne, ähnlich wie das Zikavirus.
Wie kam es zu den Oropouche-Fällen in Deutschland?
"In Deutschland sind die ersten beiden reiseassoziierten Oropouche-Fieber-Fälle aus Baden-Württemberg und Sachsen übermittelt worden", schreibt das RKI in einer Mitteilung vom 1. August 2024. Beide Personen seien zuvor unabhängig voneinander auf Kuba gewesen, wo sie sich mit dem Virus infiziert haben. Bei beiden Personen verlief die Krankheit unproblematisch.
Ist mit einer Ausbreitung des Virus in Deutschland und Europa zu rechnen?
Bisher sind in Europa nur reiseassoziierte Fälle bekannt, auch Italien und Spanien meldeten infizierte Reiserückkehrer. Das sei aber aufgrund des Infektionsgeschehens in Mittel- und Südamerika keine unerwartete Entwicklung, erklärt das RKI. Eine weitere Übertragung wurde in Europa bisher nicht beobachtet. Zwar sei mit weiteren Fällen durch Reiserückkehrer zu rechnen, eine Weiterverbreitung in Deutschland schätzt das RKI allerdings als "sehr unwahrscheinlich" ein. Grund ist, dass die Mücken, die das Virus übertragen, bisher in Europa nicht vorkommen.
Was sollten Reisende nach Mittel- und Südamerika beachten?
Das RKI empfiehlt Reisenden einen "konsequenten ganztägigen Schutz vor Insektenstichen." Dazu zählen unter anderem Anti-Mückenmittel und entsprechende Kleidung: Helle, lange Sachen sind empfehlenswert, auf knappe Sommerkleidung sollte verzichtet werden. Weiter kann es helfen, sich gerade in der Dämmerung nicht in der Nähe von Gewässern aufzuhalten. Fenster und Türen sollten mit Fliegengittern geschützt sein. Das RKI empfiehlt in seiner Mitteilung, dass Schwangere "unter Umständen auf Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete verzichten sollten."

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