Meinung: Verkorkste Energiewende
Mit der Windkraft geht es nicht voran. Vor dem Hintergrund der neuen EU-Regelungen wird sich das bald rächen, warnt unser Kommentator.
Man hat es im Südwesten schon mit vielen Strategien versucht. Mal wurde die Zahl 1200 Windräder bis 2020 als Ziel ausgegeben, zuletzt wurden zwei Prozent der Landesfläche für die erneuerbaren Energien reserviert. Einzig in den Jahren 2015 und 2016 hat der Ausbau der Windenergie aber das gehalten, was die Landesregierung versprochen hat. Ansonsten gab es wenig Zählbares. Statt der notwendigen 100 neuen Windräder pro Jahr waren es meist nur 30, 20 oder auch weniger als 10. Im vergangenen Jahr, die Abschaltung der letzten Atomkraftwerke vor Augen, lag der Zubau in Baden-Württemberg bei 25 Exemplaren.
Einfach Ziele ausrufen reicht nicht
Das ist dann wie beim Hochsprung: Die Latte besonders hoch zu legen bedeutet nicht automatisch, dass man Weltmeister wird. Man springt unter Umständen nur drunter durch, ohne auch nur in ihre Nähe zu kommen - was dann etwas lächerlich aussieht. Man könnte sich darüber amüsieren, wären wir nicht alle davon betroffen.
Denn Energie ist ein Standortfaktor, der auch künftig über die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes entscheiden wird. Zukunftstechnologien wie der Wasserstoff und all die synthetischen Kraftstoffe, die daraus entstehen können, werden nur dort eine Chance haben, wo es Strom im Überfluss gibt. Auch aus diesem Grund freut man sich in Frankreich darüber, dass die Atomkraft künftig als "grün" bezeichnet werden darf.
Grüner Wasserstoff aus grünem Atomstrom?
Unter Umständen wird dort dann der grüne Wasserstoff produziert, den wir in den dafür vorbereiteten grünen Gaskraftwerken in Deutschland verbrennen. Es wäre das Resultat einer besonders verkorksten Form der Energiewende.


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