Teile der Berliner Mauer stehen im Südwesten noch heute
Einzelteile der Berliner Mauer sind auf der ganzen Welt verstreut. In Baden-Württemberg stehen Segmente an 15 verschiedenen Orten. Wir stellen drei Mauerteile und ihre Geschichte vor.
Die Berliner Mauer als Ganzes gibt es nicht mehr. Am 9. November 1989 strömten die Bürger der DDR in den Westen und damit in ihre Freiheit. Gemeinsam machten sich die Deutschen daran, die Betonmauer mit Hammer und Meißel zu zerlegen und zu zerstören. Die "Mauerspechte" sicherten sich eine Ecke des Bauwerks, das ganz Europa spaltete. Der größte zusammenhängende Teil der Berliner Mauer steht noch immer in Berlin. Die bunt und künstlerisch verzierte East Side Gallery lockt jedes Jahr Millionen Besucher aus aller Welt an.
Rainer Janicki hat die Internetseite "The Wall Net" ins Leben gerufen. Dort dokumentiert er, wo auf der Welt Mauerteile stehen, mitsamt Foto. Die Einsendungen kommen von Nutzern. Janicki schätzt, dass die Mauersegmente weltweit etwa zehn Prozent der innerdeutschen Grenzanlage ausmachen. "90 Prozent dürften weg sein." Die zehn Prozent, die nun in aller Welt verstreut sind, sind aber ziemlich vollständig auf seiner Seite zu finden, glaubt er. "Genau weiß niemand, wie viele abtransportiert wurden."
Auch im Südwesten sind Teile der Berliner Mauer zu finden. 15 verschiedene Orte in Baden-Württemberg listet "The Wall Net" auf. Wir stellen drei davon vor.
Stadtpark Leonberg

Ein Segment der Berliner Mauer (Foto: Stadt Leonberg) steht im Stadtpark von Leonberg. Im Jahr 1961 wollten einige Leonberger Bürger den Kontakt zum Berliner Bezirk Neukölln aufbauen. Ziel sollte es sein, "aktive menschliche, kulturelle und soziale Verbindungen" aufzubauen, heißt es in einer Mitteilung. Neukölln lag damals im amerikanischen Sektor. 1970 besiegelten Leonberg und Neukölln ihre Partnerschaft.
Im Sommer nach dem Fall der Mauer veranstaltete die Stadt dann eine Skulpturenausstellung im Stadtpark, bei der Bildhauer aus der DDR und der Bundesrepublik ihre Werke ausstellten. Als Kontrast zu den künstlerischen Skulpturen wurde auch ein bemaltes Segment der Berliner Mauer ausgestellt, es steht dort noch heute.
Europapark Rust

Im Europapark in Rust stehen zwei Teile der Berliner Mauer (Foto: Europapark). Europapark-Sprecher Noel Ebhart erklärt, wie sie nach Rust kamen: "Ein befreundeter Bauunternehmer, Friedrich Duensing aus Neustadt am Rübenberge in Niedersachsen, erhielt im September 1990 den Auftrag von den Grenztruppen der untergehenden DDR, zwei Kilometer Mauer bei der Glienicker Brücke abzureißen."
Die Brücke überspannte die Havel zwischen Potsdam und West-Berlin. Mehrmals tauschte das sowjetische Regime dort Spione gegen amerikanische Geheimagenten aus. Bezahlt wurde Duensing für die Abbrucharbeiten nicht, aber er durfte den Beton behalten, um ihn zu verwerten. Gut ein Jahr vor dem Fall der Mauer, im September 1990, riss er das Mauerstück ab. Die beiden Teile bot er dem Europapark-Besitzer Roland Mack an. "Als 1996 der deutsche Themenbereich eröffnet wurde, fanden die beiden Teile dort ein neues Zuhause."
Schlossgarten Stuttgart

In Stuttgart steht ein Segment der Berliner Mauer (Foto: dpa) direkt vor dem Landtag im Schlossgarten. Der Medienkonzern Axel Springer hatte allen Bundesländern anlässlich des 20. Jahrestags des Falls der Berliner Mauer ein Stück geschenkt. "Das Teilstück ist 3,6 Meter hoch und rund 2,7 Tonnen schwer", erklärt ein Landtagssprecher. Es soll an die Opfer der Mauer und die deutsche Teilung erinnern und dazu auffordern, "sich stets für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen". Die Gestaltung des Segments stammt laut "The Wall Net" vom Berliner Graffiti-Künstler Christoph Grohmann.

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