Südwest-Behörden zögern bei Corona-Software Sormas
Laut Sozialministerium haben nur 23 der 38 baden-württembergischen Gesundheitsämter die Software zur Corona-Kontaktnachverfolgung installiert. Die Zeit wird knapp, denn Bund und Länder haben die flächendeckende Umsetzung bis Ende dieses Monats beschlossen.

Bis Ende dieser Woche sollen alle Gesundheitsämter in Deutschland die Software Sormas zur Corona-Kontaktnachverfolgung nutzen. So lautete der Beschluss der Konferenz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten vom 19. Januar. Zuletzt wurde bekannt, dass es hier jedoch gewaltig hakt - und dies gilt auch für Baden-Württemberg.
Nur rund 60 Prozent der Ämter nutzen die Software
Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt das Stuttgarter Sozialministerium, dass die Software aktuell in lediglich 23 der 38 baden-württembergischen Gesundheitsämter betriebsbereit ist. Das heißt, auch im Südwesten haben bislang nur rund 60 Prozent der Ämter die notwendigen Verträge unterschrieben - und den Betrieb der Software freigeschaltet. Wolfgang Reinhart, Chef der CDU-Fraktion im Landtag, fordert daher bei der Anwendung von Sormas mehr Tempo.
Auch das grün geführte Sozialministerium sieht die Kommunen in der Pflicht. "Klar ist, dass die technische Installation von Sormas bis Ende Februar 2021 zu erfolgen hat. Die Kommunen sind angehalten, dies zwingend innerhalb dieser Frist entsprechend umzusetzen", erklärt ein Sprecher. Immerhin gebe es auch einige Gesundheitsämter, die bereits seit Mitte 2020 die Software nutzen würden.
Digitale, vernetzte Kontaktnachverfolgung ist das Ziel
Durch die Sormas-Software soll die Kontaktnachverfolgung digitaler werden. Weiter sollen die Informationen zwischen den Ämtern bundesweit ausgetauscht und die Quarantäne besser kontrolliert werden. Ein besserer regionaler Überblick über das bundesweite Ausbruchsgeschehen soll zudem auch Lockerungen erleichtern. Der Chef des Stuttgarter Staatsministeriums, Florian Stegmann, erhöht in einem Schreiben den Druck auf Landkreistagspräsident Joachim Walter. In dem Brief, der unserer Zeitung vorliegt, führt Stegmann explizit alle 15 Landratsämter im Südwesten auf, deren Gesundheitsämter Sormas noch nicht verwenden. Stegmann erklärt in dem Schreiben, er sei sehr beunruhigt. Daher fordere er Walter dazu auf, das Gespräch mit den 15 Landräten zu suchen.
Stegmann verweist darauf, dass der Corona-Lenkungskreis des Landes in seiner Sitzung am 26. Januar einstimmig die Anwendung von Sormas beschlossen habe.
Landkreistag weist Kritik zurück
Alexis von Komorowski, Hauptgeschäftsführer des Südwest-Landkreistags, will die Kritik so nicht stehen lassen. "Bis Ende dieses Monats werden alle Gesundheitsämter in Baden-Württemberg Sormas installiert haben", verspricht er. Ämter, die Sormas noch nicht installiert hätten, würden noch warten, bis der Bund "funktionssichere Schnittstellen zwischen Sormas und den vorhandenen Meldesoftwaren bereitstellt."
Landkreis Heilbronn und Hohenlohekreis verwenden Software
Die Gesundheitsämter im Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis arbeiten bereits mit Sormas. "Das System ermöglicht ein einfaches Erkennen der Zusammenhänge und erleichtert so die Arbeit in der Kontaktpersonennachverfolgung", teilt Mathea Weinstock vom Landratsamt in Künzelsau mit. "Wir sind mit Sormas zufrieden", so Tamara Waidmanns Fazit vom Heilbronner Landratsamt. Was fehlt, seien Schnittstellen zu anderen Softwaresystemen. Deshalb hat die Stadt Heilbronn Sormas zwar installiert, wird die Software aber erst nutzen, wenn es die Schnittstellen gibt. "Sonst müssten wir die Daten doppelt eingeben", sagt Heilbronns Rathaussprecherin Claudia Küpper.

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