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Sexuelle Belästigung, Körperverletzung

Steigende Gewalt in Freibädern macht sich auch in der Region bemerkbar

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In Berlin musste ein Freibad wegen einer Auseinandersetzung unter Jugendlichen geschlossen werden. Die Zahl der Straftaten in Baden-Württemberg ist ebenfalls alarmierend, wie die Polizei nun bekanntgab. Auch in der Region gab es Vorfälle. Das steckt dahinter.

von dpa und Theresa Heil
Die Zahl der Straftaten in Freibädern ist stark angestiegen. Das Columbiabad in Berlin (links) musste wegen einer Auseinandersetzung geschlossen werden. Fotos: dpa
Die Zahl der Straftaten in Freibädern ist stark angestiegen. Das Columbiabad in Berlin (links) musste wegen einer Auseinandersetzung geschlossen werden. Fotos: dpa

Die Zahl der Sexualdelikte, der Schlägereien und Diebstähle in den Freibädern in Baden-Württemberg ist im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Die Polizei erfasste 2022 insgesamt 1174 Straftaten in Freibädern – und damit 166 Prozent mehr als im Vorjahr.  

Straftaten in Freibädern: In Mannheim und Karlsruhe kam es zu Schlägereien 

Zwei Unbekannte tauchen im Juni einen Zwölfjährigen in einem Mannheimer Freibad unter Wasser, Freunde und Familienangehörige mischen sich ein, die Sache eskaliert zu einer Massenschlägerei mit 40 Personen und mindestens fünf Verletzten. Vor zwei Wochen schlagen Unbekannte dem Bademeister des Malscher Freibades bei Karlsruhe einen Zahn aus, weil er sie kurz vor Badeschluss gebeten hatte, das Bad zu verlassen. In Berlin bleibt ein Freibad nach einer Auseinandersetzung mit Jugendlichen geschlossen


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Das Columbiabad war am Sonntagabend zum wiederholten Mal wegen Auseinandersetzungen frühzeitig geschlossen und geräumt worden. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) schlug am Mittwoch vor, mit Polizeipräsenz in den Freibädern auf die Situation zu reagieren. Das Berliner Bad ist überregional bekannt, weil es dort öfter Probleme mit Jugendlichen gibt. Aber auch in den Freibädern in Baden-Württemberg nimmt die Gewalt zu, die Zahl erfasster Körperverletzungen liegt sogar auf einem Zehn-Jahres-Hoch.

Sexuelle Belästigung und andere Straftaten

51 im vergangenen Jahr in Freibädern erfasste Straftaten richteten sich gegen die sexuelle Selbstbestimmung, darunter 24 Fälle von sexuellem Missbrauch, davon wiederum 14 Missbrauchsfälle, die sich gegen Kinder richteten. Zehn der erfassten Straftaten fallen in die Kategorie "exhibitionistische Handlungen / Erregung öffentlichen Ärgernisses".

Die meisten Delikte liegen im Bereich des Diebstahls mit 625 Straftaten im vergangenen Jahr - 2021 waren es noch 188 Fälle, im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es 751.

Übergriffe auch in der Region

Auch in der Region Heilbronn und in Stuttgart gab es zuletzt immer wieder Fälle von sexueller Belästigung in Freibädern. Anfang Mai hatte ein Mann im Güglinger Freibad drei Jungen im Alter von elf bis 14 Jahren in der Dusche angefasst und belästigt. Nachdem die Eltern der Kinder Anzeige bei der Polizei erstattet hatten, konnte der Täter ermittelt werden. "Leider passieren solche widerlichen Übergriffe immer wieder – sowohl in Freibädern als auch an anderer Stelle", hatte Güglingens Bürgermeister Ulrich Heckmann nach dem Vorfall auf seiner Facebookseite geschrieben. 


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Ende Mai berichtete die Stuttgarter Polizei von mehreren Vorfällen im Inselbad Untertürkheim. Insgesamt sieben Mädchen zwischen zwölf bis 18 Jahren waren von verschiedenen Männern berührt und belästigt worden. Es kam zu mehreren Festnahmen. "Unsere Freibäder sollen sichere Orte sein, an denen sich alle Besucherinnen und Besucher wohlfühlen können", teilte Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper danach mit. Der Ordnungsdienst im Freibad wurde als Reaktion auf die Vorfälle von zwei auf sechs Person erhöht. 

Das steckt hinter den Zahlen

Der Anstieg von 166 Prozent klingt erstmal gewaltig, ist aber in erster Linie auf die Corona-Zeit zurückzuführen, in der viele Freibäder schließen mussten. Insgesamt ging die Kriminalität in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens in den Pandemiejahren vorübergehend zurück. Vor dem Hintergrund müssten die neuen Zahlen auch bewertet werden, heißt es aus dem Ministerium. Im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr 2019 sei die Anzahl der Straftaten in Freibädern sogar um 14,9 Prozent gesunken. 2015 waren es 1888 Fälle.

Nicht der komplette Anstieg kann allerdings mit dem Corona-Effekt erklärt werden. Bei den "Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit", also vor allem Körperverletzungen, wurde im vergangenen Jahr ein Anstieg von 25,8 Prozent verzeichnet – gegenüber dem Jahr 2019. Die Ermittler erfassten im vergangenen Jahr 200 Straftaten in dem Bereich. Es handelt sich um den höchsten Wert im Betrachtungszeitraum der vergangenen zehn Jahre. 2021 waren es noch 42 Fälle. Es sei schwierig, dafür Erklärungsansätze zu finden, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

So hoch ist die Aufklärungsquote für Straftaten

Die Aufklärungsquote der Taten lag 2022 laut Ministerium bei 41,5 Prozent. Für das Jahr 2023 könnten nur Trendaussagen getroffen werden. "Hierbei zeichnet sich für Straftaten an der Tatörtlichkeit 'Freibad' für die Gesamtstraftaten, die Diebstahlsdelikte insgesamt, die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sowie die Gewalt- und Aggressionsdelikte ein Anstieg der Fallzahlen ab", teilte das Haus von Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit.

Bei den Sachbeschädigungsdelikten deute sich 2023 hingegen ein Rückgang der Fallzahlen an. Das Wetter habe zudem großen Einfluss auf das Besucheraufkommen in Freibädern.

 

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