1000 Exponate aus aller Welt: Zu Besuch im deutschen Ostereimuseum in Sonnenbühl
Im ersten und bis heute einzigen deutschen Ostereimuseum in Sonnenbühl-Erpfingen werden mehr als 1000 Exponate gezeigt. Das Museum hat noch bis zum 7. April geöffnet.

Die aufklappbaren Eier hinter der Vitrine sind besonders kostbar, wahre Meisterwerke. Denn sie gehen auf den russischen Goldschmied Peter Carl Fabergé zurück. Echte Fabergé-Eier sind ein Inbegriff höchster Handwerkskunst – und ein Symbol für Luxus. Er hat sie im Auftrag des Zaren hergestellt. Aber gleichzeitig trat eine hohe Sterblichkeit bei den Künstlern auf, die mit dieser Technik in Berührung kamen. "Lange wusste man nicht, warum das so ist", erzählt Ulrike Müller. Bis man herausfand, "dass alle an einer Bleivergiftung starben."
Ostereiermuseum: Erste und einzige Sammlung in Deutschland
Im Inneren der aufklappbaren Ostereier, die im Museum in Sonnenbühl-Erpfingen zu sehen sind, kommen ein kleines Schloss oder ein Blumenkorb zum Vorschein. Original Fabergé-Eier sind es natürlich nicht. Das wäre viel zu teuer. Aber im ehemaligen Schulhaus aus dem 19. Jahrhundert sind rund 1000 verschiedene Ostereier aus aller Welt ausgestellt. Allesamt feine Unikate. Die meisten davon im ersten Stock, wo die Dauerausstellung zu sehen ist. Seit 1993 gibt es das Museum bereits – es ist das erste und bis heute auch die einzige Ostereiersammlung in Deutschland.
Ulrike Müller ist die Tourismus-Chefin des Kurorts auf der Schwäbischen Alb im Landkreis Reutlingen. Sie hofft, dass auch in dieser Saison wieder bis zu 5000 Besucher die Ausstellung besuchen werden. In Hochzeiten strömten bis zu 10.000 Menschen in die Steigstraße 8. Zum besonderen Konzept gehört, dass es unten im Erdgeschoss parallel einen Künstlermarkt gibt. Hinter den Ständen sitzen die Kunsthandwerker selbst, sie präsentieren den Interessierten ihre Arbeiten und stellen sie gleichzeitig vor aller Augen her. Eine von ihnen ist Pia Högner. Die 69-Jährige verziert die Eier mit feinsten Spitzen. "Occhi" nennt sich diese Technik, die im Mittelalter aus China nach Europa kam. "Ich habe es von meiner Mutter gelernt", sagt Högner. "Das beherrschen heute kaum noch welche in Deutschland." Mithilfe eines auf einem Schiffchen aufgewickelten Fadens kann sie so Spitzen herstellen, die einzelnen Glieder bestehen aus 36 Knoten. "2500 Knoten waren es mal bei einem Schwanenei."
Ostereier aus Naturschalen oder anderen Materialien
Kunstvoll angefertigte Ostereier habe es zum ersten Mal in den Klöstern gegeben, sagt Ulrike Müller. Spuren davon lassen sich zurück bis ins 15. Jahrhundert verfolgen. "Es ist so faszinierend, dass es das Gewerbe bis heute gibt und sich noch immer weiterentwickelt." In Erpfingen haben sie über die Jahre mehr als 10 000 Objekte zusammengetragen. Die Eier stammen meistens aus Naturschalen, nicht nur von Hühnern, sondern auch von Straußen, Emus, Schwänen, Gänsen und Schildkröten. Die kleinen Kostbarkeiten werden zudem auch aus anderen Materialien hergestellt - aus Porzellan, Glas, Keramik, Wachs, Blech und Holz.
"Die Vielfalt der Handwerkstechniken fasziniert mich immer wieder aufs Neue", sagt Müller. Sie werden bemalt, gestempelt, gewachst, lackiert oder nach einer Färbung abgekratzt. So entstehen zum Beispiel Aphorismen und Gebete. Beliebt sind auch ikonische Bilder von Jesus Christus. Aus China gibt es ein Exponat, das von innen bemalt ist. Kleine Pinsel mussten von unten durch ein Loch eingeschleust werden, um es sozusagen rückwärts malen zu können. Es lassen sich aber auch Eier finden, die mit Perlen beklebt sind. Viele von ihnen sind nicht ausgeblasen, das Ei steht für den Ursprung des Lebens. "Und in manchen Ländern will man das Leben nicht auslöschen", sagt Müller. Die Symbolik und Bedeutung des Eis in den verschiedenen Kulturen, das gehört ebenso zu der Reise in eine unbekannte, farbenfrohe Welt, wie sie in Sonnenbühl gezeigt wird. Die Kunstwerke stammen aus Hessen und der Lausitz, aus Russland, der Ukraine, Polen, Rumänien und Ungarn. Aber auch aus Amerika, China, Afrika und Indonesien.
Begeisterung schon am Anfang
Der Erfolg des Museums und seine Bedeutung in Künstlerkreisen war damals nicht abzusehen, als Erpfinger Frauen 1983 erste Ostereier ausstellten, die sie gesammelt hatten. Aus ihrer Sammelleidenschaft wurde schließlich mehr, weil die ersten Besucher begeistert waren. Die Räumlichkeiten in der Schule sind nach mehr als 30 Jahren in die Jahre gekommen. Sie müssen renoviert werden "Wir müssen uns überlegen, wie wir die Ausstellung fortführen", sagt Ulrike Müller. Eine Idee ist, das Gebäude außerhalb der Ostersaison anderen Interessenten zu überlassen.
Service-Infos
Das Ostereimuseum in Sonnenbühl-Erpfingen im Landkreis Reutlingen hat noch bis zum 7. April geöffnet. Täglich von elf bis 17 Uhr. Erwachsene zahlen für die Dauerausstellung 4,50 Euro. Für Kinder bis 14 Jahren kostet der Eintritt 2,50 Euro. Kinder bis fünf Jahre kommen umsonst rein. Außerdem sind Familienkarten für zehn Euro erhältlich.



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