Gewerkschaft protestiert gegen Arbeitslosigkeit von Referendaren in den Sommerferien
Es ist in Baden-Württemberg gängige Praxis: Angehende Lehrkräfte müssen sich während der Sommerferien arbeitslos melden. Die Gewerkschaft GEW kritisiert das und ruft zum Protest auf.
Trotz Lehrermangels werden sich in den nächsten Tagen viele angehende Lehrer arbeitslos melden. Was absurd klingt, ist in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten gängige Praxis. Berufseinsteiger beenden ihr Referendariat vor den Sommerferien und werden erst zum ersten Schultag eingestellt.
Innerhalb der sechswöchigen Sommerferien verdienen sie kein Geld – selbst wenn sie längst eine Stelle in Aussicht haben und schon Konferenzen und Vorbereitungen fürs neue Schuljahr anstehen. Diesen kurzfristigen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichnet auch die Arbeitsagentur. „Nach den Sommerferien geht die Arbeitslosenzahl wieder zurück“, heißt es in einer Auswertung zum Thema.
Gewerkschaft GEW protestiert in Stuttgart – wegen arbeitslosen Referendaren
Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert das und hat für Donnerstagnachmittag (31.07.) zum Protest in Stuttgart aufgerufen. Laut der Gewerkschaft geht es um 4000 angehende Lehrer, die ohne Geld in die Sommerferien geschickt werden. Baden-Württemberg sei damit „unrühmlicher Spitzenreiter“. Denn während andere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz und Hessen in den Sommerferien ebenfalls kein Geld bezahlen, werden die künftigen Lehrer in Bayern und Sachsen über die sechs Wochen lang weiterbezahlt und -angestellt.
Harald Schröder, Kreisvorsitzender der GEW in Heilbronn und im Landkreis Heilbronn hat für die Praxis der Landesregierung kein Verständnis. „Die Landesregierung ist offenbar immer noch der Auffassung, dass Bildung ein Kostenfaktor ist, statt eine Investition in die Zukunft.“ Auch in der Heilbronner Region beenden jährlich hunderte Menschen ihr Referendariat und sind von der Einstellungspraxis betroffen.

Viele Referendare hätten keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und müssten deshalb zusehen, wie sie die anderthalb Monate Sommerferien überbrücken. „Die Bezüge im Referendariat sind nicht so hoch, dass man sich damit ein dickes Polster schaffen könnte. Viele sind darauf angewiesen, dass sie von ihren Partnern oder den Eltern unterstützt werden“, erklärt Schröder. „Das ist alles andere als Wertschätzung.“
Heilbronner GEW-Kreisvorstand: Einstellungspraxis für Referendare verschärft Fachkräftemangel
Geschätzt wird, dass es bis zu 15 Millionen Euro kostet, wenn man die Referendare während der Sommerferien weiterbeschäftigen würde. Man könne zwar sagen, das sei viel Geld, sagt Schröder. Gleichzeitig sei über viele Jahre nicht aufgefallen, dass 140 Millionen Euro für 1440 Lehrerstellen im Haushalt eingeplant waren. Diesen Fehler hatte die Landesregierung kürzlich öffentlich gemacht. Das sei ein Widerspruch, findet Schröder.
Und der Lehrermangel verschärfe sich immer weiter, betont der GEW-Vorstand. „Es gibt durchaus Lehrkräfte, die aufgrund dieser Situation darüber nachdenken, sich in einem anderen Bundesland einstellen zu lassen. Dabei bräuchten wir die alle hier.“ Denn wer das Referendariat in Baden-Württemberg beendet, kann je nach Lage der Sommerferien in Hessen oder Rheinland-Pfalz früher anfangen und ist weniger lang arbeitslos. „Wenn die erst mal eingestellt und verbeamtet sind, sind die weg. Die kommen nicht zurück, weil es hier so schön ist“, betont Schröder.
Kultusministerium weist Kritik zurück – Konditionen für Lehrer „hochattraktiv“
Ein Sprecher des Kultusministeriums erklärt, man könne nicht beziffern, wie viele Referendariats-Absolventen für das neue Schuljahr eingestellt werden. Die Einstellungen würden derzeit auf Hochtouren laufen.
Die Kritik der Gewerkschaft weist das Ministerium zurück. „Wenn das Referendariat beendet ist, enden die Bezüge – wie in anderen Branchen auch. Bei der Einstellung beginnen dann die Bezüge.“ Während des Referendariats werden die Bezüge auch in den Ferien gezahlt. „Wer nach den Ferien eine Stelle hat, arbeitet dann zu hoch attraktiven Konditionen bei uns“, so der Sprecher weiter. Dazu würden die Verbeamtung, ein attraktives Gehalt, private Krankenversicherung, Beihilfen, Familienzuschläge und die Pension im Alter zählen.

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