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„Blutkonserven werden knapper“ – wie die Lage in Baden-Württemberg ist

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Das Deutsche Rote Kreuz warnt, dass seine Vorräte an Blutkonserven schwinden. Die Versorgung in den Krankenhäusern reicht aus – auch dank Maßnahmen, die Blut sparen sollen.


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Die vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) belieferten Kliniken und Praxen in Baden-Württemberg benötigen am Tag durchschnittlich 2000 Blutkonserven. Der Bedarf sei in den vergangenen Jahren gleich geblieben, sagt Nora Löhlein, Sprecherin des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen. Der hat kürzlich in einer Pressemitteilung einen Mangel an Blutspenden beklagt: Die Blutreserven in den beiden Bundesländern seien „nahezu aufgebraucht“. Wegen der Grippewelle, der Ferien und des Wetters seien weniger Menschen zum Blutspenden gekommen.

Einen kritischen Engpass bei der Versorgung der Kliniken im Land mit Blutkonserven gebe es dennoch nicht, wie Annette Baumer, Sprecherin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt. Es komme immer wieder zu „Schwankungen bei der Versorgung“. Weitgehend ausgeschlossen sei das Szenario einer Triage, in dem Notfallpatienten aufgrund mangelnder Blutkonserven dauerhaften Schaden nehmen könnten. Baumer mahnt jedoch: „Um die Versorgung auch künftig sicherzustellen, ist eine deutlich höhere Spendenbereitschaft erforderlich.“

Die Kliniken, die das DRK in Baden-Württemberg versorgt, brauchen täglich 2000 Blutkonserven.
Die Kliniken, die das DRK in Baden-Württemberg versorgt, brauchen täglich 2000 Blutkonserven.  Foto: dpa/Michael Matthey

Blutkonserven knapp: DRK warnt vor nahezu aufgebrauchten Reserven in Baden-Württemberg

Bei den Einrichtungen, die vom DRK versorgt werden, habe sich der Bedarf an Blutkonserven in den vergangenen Jahren nicht verändert, berichtet Nora Löhlein. Dazu gehört beispielsweise auch das Hohenloher Krankenhaus in Öhringen, wie die meisten Kliniken in Baden-Württemberg.

Spendenzahlen

In Deutschland wurden 2024 knapp sieben Millionen Blutspenden geleistet, laut eines Berichts des Paul-Ehrlich-Instituts. Mehr als die Hälfte davon sind demnach Vollblutspenden, der für die Bluttransfusion wichtigsten Art der Spende. 45 Prozent machen Plasmapherese-Spenden aus, zur Gewinnung von Plasma, das als Ausgangsstoff zur Herstellung von Arzneimitteln dienen kann, wie es in dem Bericht heißt. Nur knapp 500 Mal kam es demnach zur Eigenblutspende.

Im Jahr 2023 gab es in Deutschland 44 Vollblutspenden pro 1000 Einwohner. In Griechenland waren es 52, in Frankreich 33 und in Italien 33. Am wenigsten waren es in Albanien: neun Spenden pro 1000 Einwohner – insgesamt knapp 24.200 Spenden. Am meisten waren es in Zypern: 75 Spenden pro 1000 Einwohner – insgesamt etwa 71.200 Spenden.

SLK-Kliniken Heilbronn decken Großteil des Bedarfs über eigene Blutbank

Die Heilbronner SLK-Kliniken haben eine eigene Blutbank, die die Kliniken am Gesundbrunnen, im Plattenwald und in Löwenstein, die Vulpius-Klinik in Bad Rappenau und die zwei Dialysepraxen in Heilbronn versorgen. Von den jährlich etwa 20.000 benötigten Blutprodukten kommen dreiviertel aus dieser Blutbank, sagt deren Leiterin Dr. Astrid Stäps im Gespräch mit unserer Redaktion.

Im Gegensatz zum DRK erkennt sie einen immer größer werdenden Bedarf – das liege an der Entwicklung der medizinischen Methoden. „Sie können die tollsten Möglichkeiten haben, wenn kein Blut da ist, ist vieles einfach nicht möglich“, erklärt Stäps. 

Pflichtschulungen für Mediziner, die mit Blutkonserven arbeiten

In den vergangenen zwei Jahren seien so in den SLK-Kliniken keine Maßnahmen nötig gewesen, die auf einen Mangel an Blutkonserven zurückzuführen seien, berichtet Stäps mit Stolz. Eine solche wäre zum Beispiel, planbare Operationen zu verschieben. Um Blutkonserven effizient nutzen zu können, sind bei den SLK-Kliniken alle Mediziner, die in ihrer Arbeit Blutkonserven benötigen, zu Schulungen verpflichtet. Dabei gehe es beispielsweise um schnelles Freigeben reservierter Präparate, wenn diese nicht benötigt werden.


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Zahl der nötigen Blutspenden im Öhringer Krankenhaus sinkt

Dr. Holger Wolff, Ärztlicher Direktor des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen betont, dass in den vergangenen Jahren die Anzahl benötigter Blutkonserven kontinuierlich reduziert werden konnte, „durch konsequente Beachtung von Transfusionstriggern“ – also den Schwellenwerten, bei denen eine Transfusion nötig wird – „und fremdblutsparenden Maßnahmen“. So werden in Öhringen jährlich etwa 600 bis 800 Blutkonserven benötigt.

Die wichtigste Maßnahme ist aber, dass viele Bürger Blut spenden, sagt die Heilbronner Blutbank-Leiterin Astrid Stäps. „Am besten ist es, wenn die Menschen nicht nur nach einem einzelnen Aufruf, sondern regelmäßig spenden gehen.“

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