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Experte im Interview

Bis zu 25 Prozent Sprit sparen: Welche Fehler fast alle Autofahrer machen

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Vorausschauend fahren, Tempo senken, Motor aus – mit einfachen Tricks lässt sich deutlich Sprit sparen. Ein Fahrexperte erklärt, warum das trotzdem kaum jemand macht.


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Hohe Spritpreise, aber kaum verändertes Fahrverhalten: Viele Autofahrer schöpfen Sparpotenziale nicht aus. Im Interview erklärt Fahrexperte Ulrich Pfeiffer, mit welchen einfachen Maßnahmen sich der Verbrauch deutlich senken lässt.

Herr Pfeiffer, stellen Sie auf den Straßen derzeit Auswirkungen der hohen Benzin- und Dieselpreisefest, fahren die Menschen mit ihren Fahrzeugen verbrauchsbewusster?

Nein. Erstaunlicherweise nicht. Die Leute jammern zwar, aber fahren wie immer. Ich begreife das nicht. Die Spritpreise können offenbar so hoch sein, wie sie wollen. Ich muss auch ehrlich sagen: Die Anfragen bei uns, wie sich durch die Fahrweise Sprit sparen lässt, sind nicht deutlich gestiegen. Das Interesse von Privatpersonen, den Verbrauch zu senken, ist nicht so groß.

Reifendruck, Zuladung und Bordcomputer-Check: So lässt sich Sprit sparen

Verraten Sie uns: Was kann denn jeder Autofahrer ändern?

Es gibt die bekannten Maßnahmen wie Reifendruck und Zuladung, das muss stimmen. Machen Sie sich mit Ihrem Bordcomputer vertraut, dann haben Sie ein ständiges Feedback über den aktuellen Verbrauch. Allein dadurch lässt sich schon Sprit sparen. Beim Fahren den ersten Gang mit wenig Gas nur kurz zum Anfahren nutzen, dann zügig beschleunigen und früh hochschalten. Und darüber hinaus sollte man bewusst fahren.

Der häufigste Fehler ist, dass die Menschen nicht vorausschauend fahren, sondern ständig aufs Gas- und Bremspedal treten. Mit vorausschauend fahren ist nicht nur gemeint, im Blick zu haben, was vor dem vorausfahrenden Auto passiert, sondern 20 oder 30 Fahrzeuge weiter. Bremst da jemand, ist da eine rote Ampel? Wenn ja: Vom Gas gehen, Fuß vom Pedal nehmen, Gang drin lassen und das Auto rollen lassen. Dann wirkt die Schubabschaltung mit Null Verbrauch. Bei Ausrollen im Leerlauf wird Sprit verbraucht. Bei Automatikgetrieben: Im Eco-Modus fahren, falls nicht vorhanden, im D-Modus. Mit den Padels am Lenkrad kann man früheres Hochschalten erzwingen. Beim Ausrollen einfach den Fuß vom Gas nehmen.

Ein Auto rollt unheimlich lang, aber die meisten Autofahrer bleiben auf dem Gas und bremsen später. Allein damit, das Auto einfach rollen zu lassen, können schon 15 Prozent des Verbrauchs eingespart werden. Ich benutze immer das Bild vom Radfahrer: Der lässt das Rad rollen, wo immer es geht, statt ständig zu treten und Kraft aufzuwenden. Das leuchtet den meisten Menschen sofort ein.

Pfeiffer betreibt gemeinsam mit seiner Partnerin Anita Löffler das Schwetzinger Unternehmen Eco-Consult Fahrtraining, dass seit 1997 Fahrtrainings anbietet und vielfahrende Mitarbeiter von Unternehmen, Behörden und  Berufskraftfahrer hinsichtlich Verbrauchssenkung und Fahrsicherheit schult. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen mit bislang rund 80.000 Absolventen Marktführer in diesem Bereich und gibt an, dass durch die Trainings bislang rund eine halbe Million Tonnen CO2 eingespart wurden.

Sprit sparen auf der Autobahn – „Tempolimit kann jeder selbst einhalten“

Und was ist mit einem Tempolimit auf Autobahnen?

Das Tempolimit kann jeder selbst einhalten – den Tempomat auf 120 stellen, konstant fahren, große Abstände einhalten, statt immer wieder auf hohes Tempo zu beschleunigen. Ich habe das einmal für die Strecke Stuttgart – Leipzig ausgerechnet. Der Zeitunterschied beträgt im Einzelfall unter laufendem Verkehr vielleicht fünf bis maximal zehn Minuten. Dafür kann der Spritverbrauch im Extremfall um 70 bis 80 Prozent höher liegen. Fahrer von E-Autos wissen das – da ist der Akku einfach schnell leer. Aber in den Köpfen steckt das einfach noch drin. Die Leute glauben immer noch, sie holen Zeit raus, wenn sie Gas geben. Das ist in unseren Trainings eine der Hauptdiskussionen.

Noch ein Spartipp?

Den Motor nicht laufen lassen, wenn das Fahrzeug steht. An der Ampel, beim Ein- und Ausladen, beim kurzen Gespräch mit dem Nachbarn. Der Leerlaufverbrauch bei Verbrennern ist immer noch sehr hoch, fast so hoch, wie wenn das Fahrzeug rollt. Für den Verbrauch von einer Minute Wartezeit mit laufendem Motor an der roten Ampel könnte man im Schnitt einen halben Kilometer weit fahren. Elektronik wie Start-Stopp-Automatik macht da viel aus. Auch die Stadtplanung und die Kommunen könnten da ihren Teil leisten. Der ADAC hat ermittelt, dass sich der Verbrauch um bis zu 25 Prozent senken ließe, wenn es in den Städten Tempo 30 oder 40 gäbe und mehr Kreisverkehre statt Ampeln.

So lässt sich Sprit sparen

  • Vorausschauendes und gleichmäßiges Fahren kann den Kraftstoffverbrauch um etwa 10 bis 20 Prozent senken
  • Hohe Geschwindigkeiten erhöhen den Verbrauch deutlich: Bei 160 km/h liegt er schon oft 30 bis 60 Prozent über dem Verbrauch bei 120 km/h
  • Häufiges Anfahren und Bremsen (Stop-and-go) treibt den Verbrauch stark nach oben
  • Wer konstant fährt, Abstand hält, rasch hochschaltet und früh vom Gas geht, spart im Alltag am meisten

Quellen: ADAC, Umweltbundesamt

Anfahren – anhalten – anfahren – anhalten – das verbraucht einfach enorm viel Kraftstoff.  Um das zu verinnerlichen und einzuüben, braucht es ein paar Tage bewusster Konzentration. Man macht das am besten auf wenige befahrenen Straßen. Danach entwickelt sich ein Bauchgefühl und man fährt ein Leben lang entspannt nach der neuen Fahrkultur. Diese Rückmeldung bekommen wir immer wieder, auch nach 20 Jahren.

Sprit sparen: „Thema ist in der Fahrausbildung noch entwicklungsbedürftig“

Warum glauben Sie, dass diese einfachen Mittel so wenig eingesetzt werden?

Bei vielen geht das in das eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus. Ich denke auch, in den Fahrschulen müsste noch mehr Wert auf spritsparendes Fahren gelegt werden, dafür könnten die Fahrschulen noch mehr sensibilisieren.  Das Thema ist in der Fahrausbildung noch entwicklungsbedürftig.  Aber es gibt auch Gruppen, vor allem Viel- und Berufsfahrer, die meinen, sie wüssten über alles Bescheid und machen alles richtig. Taxifahrer etwa gehören zu unseren schwierigsten Kunden in den Fahrtrainings. Vor kurzem bin ich mit dem Taxi von Heidelberg nach Schwetzingen gefahren. Der Taxifahrer hat über die hohen Spritpreise geschimpft wie ein Rohrspatz. Dabei hätte er seinen Verbrauch durch seine Fahrweise nach meiner Einschätzung bestimmt um 30 Prozent senken können.

Wie fahren Sie denn selbst?

Möglichst wenig, ich bin auf Strecken bis zehn oder 20 Kilometern mit Rad, Bus und Bahn unterwegs. Ansonsten versuche ich, stressfrei zu fahren, und das empfehlen wir auch. Viele Menschen haben auf den Straßen immer mehr Stress. Aber im Gegensatz zum Fußball habe ich auf der Straße keinen Gegner. Wir spielen als Autofahrer alle in der gleichen Mannschaft. Wenn man sich miteinander verständigt, Handzeichen gibt, Blickkontakt sucht, größere Abstände einhält, kann man gelassen reagieren und baut keine Aggressionen auf. Und wenn man kurz vor einem jemand einschert – Fuß vom Gas, Abstand wieder herstellen, Auto rollen lassen. Das spart Sprit und Nerven.

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