Sorgen um Arbeitsplatzverlust und Wohlstandsangst steigen in Baden-Württemberg
Der BaWü-Check, eine Umfrage im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage zeigt, dass sich die Wirtschaftskrise zunehmend auf das Verhalten und die Stimmung der Menschen auswirkt. Große Sorge gibt es um die Autoindustrie.
Die Menschen in Baden-Württemberg blicken mit Sorge in die nahe Zukunft. Das zeigt der aktuelle BaWü-Check der baden-württembergischen Zeitungsverlage, der vom Institut für Demoskopie Allensbach im November und Dezember durchgeführt wurde. Die Forscher haben die Menschen vor allem zu wirtschaftlichen Fragen und zur Bildungspolitik befragt.
Die Baden-Württemberger schränken sich zunehmend ein
Dabei wurde deutlich, dass sich immer mehr Menschen in Baden-Württemberg angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise verstärkt Sorgen um ihre persönliche Situation und ihren Arbeitsplatz machen. So achten 64 Prozent der Befragten beim Einkaufen mehr auf den Preis als früher. Und knapp die Hälfte (46 Prozent) versucht, sich einzuschränken und sparsamer zu leben. 29 Prozent haben größere Anschaffungen erst einmal verschoben.
Um den eigenen Arbeitsplatz macht sich derzeit jeder zehnte Baden-Württemberger Sorgen, drei Prozent berichten, dass sie ihren Arbeitsplatz verloren haben. Und 16 Prozent kennen Familienangehörige, die den Verlust ihres Jobs fürchten. Angesichts dieser Sorgen wären viel Berufstätige bereit, Einschränkungen hinzunehmen, um ihren Arbeitsplatz zu retten. So wäre fast jeder zweite Baden-Württemberger (48 Prozent) bereit, sich fortzubilden oder sich umschulen zu lassen. Jeweils 37 Prozent würden mehr und länger arbeiten oder Kurzarbeit machen. Und fast jeder Vierte (23 Prozent) würde auf Urlaubstage verzichten, um seine Stelle zu sichern.
Zum Gehaltsverzicht wären dagegen nur neun Prozent der Befragten bereit, 15 Prozent würde keine der genannten Einschränkungen akzeptieren.
Mit der Job-Angst wächst die Sorge vor einem Wohlstandsverlust
Mit der Angst vor dem Arbeitsplatzverlust wächst bei den Menschen auch die Sorge vor Wohlstandseinbußen. So befürchten aktuell 28 Prozent der Befragten eine Verschlechterung ihrer materiellen Situation in den kommenden fünf Jahren. Im Mai 2025 lag dieser Anteil laut Allensbach noch bei 16 Prozent. 22 Prozent der Baden-Württemberger rechnen damit, dass es ihnen in fünf Jahren wirtschaftlich besser gehen wird.

Bemerkenswert sind hier die Unterschiede in den jeweiligen Altersgruppen. Während nur zehn Prozent der 60-Jährigen und Älteren davon ausgehen, dass es ihnen in fünf Jahren materiell besser gehen wird, sind es bei den 16- bis 29-Jährigen 49 Prozent.
Die Krise der Autobranche hat aus Sicht der Bevölkerung viele Gründe
Besonders sorgen sich die Menschen im Südwesten um die Automobilwirtschaft, die mitten in der Transformation steckt. 57 Prozent der Befragten zeigt sich angesichts der aktuellen Lage der Autoindustrie stark oder sehr stark beunruhigt. Bei den Menschen, die sich um ihren Arbeitsplatz Sorgen machen, liegt dieser Anteil sogar bei 71 Prozent.
Als wichtigste Ursachen für die Krise der baden-württembergischen Automobilindustrie nennen die Befragten die zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland, die deutsche Bürokratie, politische Fehlentscheidungen in Deutschland und hohe Energiepreise. Jeder dritte Befragte sieht eine wichtige Ursache in Fehlern des Managements der deutschen Autobauer.


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