BaWü-Check: Wo Baden-Württemberger Sparpotenziale sehen – und wo sie selbst sparen
Beim aktuellen BaWü-Check sind die Bürger nicht einer Meinung: Viele fordern zusätzliche Schulden des Landes, andere sind für einen strengeren Sparkurs.

Die Bürger im Land bewerten die aktuelle finanzielle Situation skeptisch. Auf der einen Seite gibt es durchaus die Erkenntnis, dass das Land sparen muss. Auf der anderen Seite plädiert eine Mehrheit der Baden-Württemberger für mehr Investitionen. Das ist das Ergebnis des aktuellen BaWü-Checks im Auftrag der Medienunternehmen im Südwesten. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat dafür eine repräsentative Umfrage unter Bürgerinnen und Bürgern im Land durchgeführt.
Baden-Württemberg zwischen Sparkurs und neuen Schulden: Kritischer Blick auf die Finanzlage
Eine Mehrheit der Befragten (54 Prozent) bewertet die finanzielle Lage von Baden-Württemberg als nicht gut, 35 Prozent nennen sie gut oder sehr gut. Angesichts der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte stellt sich verstärkt die Frage, wie die anstehenden Aufgaben erfüllt werden können, beziehungsweise wo gespart werden soll.
Die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass das Land seine Ausgaben in gewissen Bereichen erhöhen sollte und sich dafür auch neu verschulden sollte. Das gilt vor allem für die Bereiche Gesundheit, Schulen, Kinderbetreuung und Polizei. 36 Prozent der Befragten finden jedoch, das Land sollte an seinem Ziel festhalten, keine neuen Schulden aufzunehmen.
BaWü-Check: Bürger haben wenig Vertrauen in ihre Kommunen
In die Lösungskompetenz der Kommunen haben die Baden-Württemberger wenig Vertrauen. Nur 28 Prozent der Befragten trauen den Städten und Gemeinden zu, dass sie angesichts notwendiger Einsparungen in den nächsten Jahren gute Entscheidungen treffen werden. 59 Prozent der Bürger haben hingegen wenig oder kein Vertrauen in ihre Kommunen.
Zugleich hat die Befragung ergeben, dass es auf kommunaler Ebene kaum Sparmaßnahmen gibt, die breite Unterstützung in der Bevölkerung finden. Am ehesten würden die Bürger noch auf Großveranstaltungen wie Stadtfeste verzichten (35 Prozent). Auch dafür, dass Ämter und Behörden ihre Öffnungszeiten einschränken (33 Prozent) und dass Theater geschlossen werden (25 Prozent) gibt es Zustimmung von Minderheiten. Für die Schließung von Schwimmbädern (10Prozent), Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr (9 Prozent) oder eingeschränkte Öffnungszeiten von Kindergärten oder Kindertagesstätten (7 Prozent) gibt es hingegen kaum Akzeptanz.
Zustimmung für Einsparungen in der Politik
Die Befragten sprechen sie eher für Sparmaßnahmen und Reformen in Politik und Verwaltung aus. So ist eine klare Mehrheit von 62 Prozent für die Verkleinerung des Landtags. 60 Prozent befürworten die Zusammenlegung von Ministerien und 45 Prozent fänden es gut, wenn Landkreise oder kleine Gemeinden zusammengelegt würden. Ein Drittel der Befragten würde es begrüßen, wenn in der öffentlichen Verwaltung Personal abgebaut würde.
Eine klare Mehrheit von 66 Prozent wäre mit der Abschaffung der Beamtenprivilegien einverstanden – etwa, dass sie künftig Angestellten gleichgestellt werden.
Viele Baden-Württemberger sparen im Alltag
Sparen und Verzicht spielt für viele Bürger im Land auch im eigenen Alltag eine Rolle. Nur noch 41 Prozent der Befragten bewerten ihre eigene wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut. Bei 39 Prozent ist sie durchwachsen und bei 20 Prozent schlecht. Trotzdem haben viele Baden-Württemberger den Eindruck, dass es den verbreiteten Wunsch gibt, das Leben zu genießen und sich nicht nennenswert einzuschränken. Fast die Hälfte (48 Prozent) stimmen dieser These zu. Nicht überraschend: Von denjenigen, die ihre eigene wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut bezeichnen, stimmen 59 Prozent dieser Aussage zu.
Dennoch schränken sich viele Menschen im Land derzeit ein. Die meisten sparen bei Restaurantbesuchen, beim Urlaub, beim Kleiderkauf oder beim Besuch von Veranstaltungen. Und jeweils 43 Prozent schränken sich beim Stromverbrauch und beim Heizen ein, um den Geldbeutel zu entlasten.

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