Baden-Württemberg schneidet beim Glasfaser-Ausbau besonders schlecht ab
Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) beobachtet den Glasfaser-Ausbau in Deutschland. In einem Ranking des Verbands steht Baden-Württemberg dabei auf den hintersten Plätzen.

Langsam aber stetig geht es voran mit dem Glasfaser-Ausbau in Deutschland. Das ist das Fazit einer Marktanalyse des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko), die am Donnerstag vorgelegt wurde. Demnach wurde zum Stand Ende Juni ein wichtiger Meilenstein erreicht: 52,8 Prozent aller deutschen Haushalte (24,3 Millionen) wohnen nun in einer Straße, in der ein Glasfaser liegt und könnten sich potenziell an das schnelle Kabel-Internet anschließen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 9,6 Prozentpunkten, teilt der Breko-Verband mit.
Breitband-Verband Breko: Mehr als jeder vierte Haushalt surft mit Glasfaser
Genauso ist die Zahl der Haushalte gewachsen, die tatsächlich per Glasfaser ans Netz angebunden sind, um 4,5 Prozentpunkte auf 27,3 Prozent oder 12,55 Millionen. In diesen Wert werden auch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie Behörden und Schulen eingerechnet.
Die Zahlen würden zeigen, dass die Telekommunikationsunternehmen weiter in eine zukunftsfähige Netzinfrastruktur investieren. „Besonders positiv ist zu vermerken, dass ein stetig wachsender Anteil der Endkundinnen und Endkunden Glasfasertarife wählt – die Vorteile von Glasfaser werden demnach zunehmend erkannt“, erklärt Studienautor Jens Böcker in einer Mitteilung des Verbands. Breko organisiert einen Großteil der Unternehmen, die in Deutschland Glasfaser ausbauen. Die Marktanalyse hat deshalb eine hohe Aussagekraft. Der zweite Wettbewerber ist die Deutsche Telekom.
Glasfaserausbau: Baden-Württemberg landet durchweg auf vorletztem Platz
Allerdings gibt es große regionale Unterschiede beim Glasfaser-Ausbau, wie die Analyse zeigt: Während der Norden Deutschlands an der Spitze steht und in Ländern wie Schleswig-Holstein 65 Prozent und in Hamburg 47 Prozent per Glasfaser surfen, fällt der Süden deutlich zurück.
Baden-Württemberg landet auf dem vorletzten Platz vor dem Saarland: Nur 15 Prozent der baden-württembergischen Haushalte haben demnach einen Glasfaser-Anschluss, das Plus zum Vorjahr beträgt nur zwei Prozentpunkte. Beim Ausbau liegt das Land ebenfalls auf dem vorletzten Platz: Nur ein Drittel aller Haushalte im Südwesten haben Glasfaser vor der Haustür liegen. Bereits im Vorjahr reichte es nur für den vorletzten Platz.
Dass der Glasfaser-Ausbau nicht vorankommt, liegt an einem Sonderweg in Baden-Württemberg: Mit dem Betreibermodell geben die Kommunen den Glasfaser-Ausbau in Auftrag, erst danach können die Betreiber es übernehmen und Internet darüber laufen lassen. Das System steht seit langem in der Kritik, zu langsam und zu umständlich zu sein.
Deutsche buchen immer schnellere Glasfaser-Anschlüsse
Ein weiteres Detail hat der Breko-Verband ebenfalls erhoben: Offenbar nimmt der Hunger der Deutschen nach Daten und schnellem Internet stetig zu. Noch 2020 waren gut zwei Drittel aller Glasfaseranschlüsse bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) schnell, nur ein Drittel bewegte sich zwischen 100 und 1000 Mbit/s. 2024 surfen bereits die Hälfte der Deutschen mit 100 bis 1000 Mbit/s, langsamere Anschlüsse machen nur noch 44 Prozent aus. Die Zahl der superschnellen Anschlüsse mit mehr als 1000 Mbit/s nimmt ebenfalls jedes Jahr zu.

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