Audi-Dieselprozess mit Manager aus Neckarsulm: Zieht sich Verhandlung in die Länge?
Am Montag (2. Februar) ist vor dem Landgericht München II der zweite Dieselprozess gegen vier ehemalige hochrangige Audi-Manager gestartet – einer davon vom Standort Neckarsulm. Eine außergerichtliche Einigung scheint aktuell nicht in Sicht. So geht es weiter.
Fast war es ein wenig wie ein Klassentreffen, der Auftakt zum zweiten Audi-Dieselprozess am vergangenen Montag in München. Man kennt sich, hat teilweise jahrelang zusammengearbeitet, kurz werden ein paar Worte untereinander ausgetauscht.
Auf der Anklagebank werden die beiden ehemaligen Audi-Vorstandsmitglieder Stefan Knirsch und Ulrich Hackenberg sitzen, beide verantworteten einst die Technische Entwicklung. Einer der Angeklagten ist Richard Bauder, der von 1993 bis zu seinem Ruhestand 2012 die Dieselmotoren-Entwicklung bei Audi am Standort Neckarsulm verantwortet hat. Vierter im Bunde ist Axel Eiser, der einst die gesamte Aggregate-Entwicklung bei Audi verantwortet hat.
Audi-Dieselprozess in München: Software in 434.420 Fahrzeugen manipuliert
Den vier Angeklagten wird unter anderem Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung vorgeworfen. Wie komplex das ganze Thema ist, zeigt sich zum Prozessauftakt. Im Kern geht es wie beim ersten Prozess auch um eine unzulässige Software, die die Dieselfahrzeuge auf dem Prüfstand die vorgegebenen Werte einhalten ließ, im normalen Straßenbetrieb hingegen nicht. Die beiden Staatsanwälte Silke Bösner und Johannes Junker verlesen die 119 Seiten umfassende Klageschrift abwechselnd vor. Ein Kraftakt.
Richard Bauder macht sich die ganze Zeit über Notizen. Er habe darauf hingewirkt, dass die Software in 434.420 Autos manipuliert worden sei, sagte Staatsanwältin Silke Bösner am Montag. Der Schaden könne sich allein hier unter Umständen auf mehr als drei Milliarden Euro belaufen, weil die Fahrzeuge in den USA nicht mehr verkauft werden durften und damit nur noch Schrottwert hatten. Entwicklungsvorstand Hackenberg habe trotz besseren Wissens den Verkauf von manipulierten Fahrzeugen in den USA und Europa gebilligt. Sein Nachfolger Knirsch habe den Verkauf ebenfalls nicht gestoppt, so die Staatsanwältin.
Audis Ex-Vorstand Hackenberg lässt die Anklagevorwürfe zurückweisen
Im Prozess gegen die vier ehemaligen Audi-Manager will die Münchner Justiz versuchen, die offenen Strafverfahren zu beschleunigen. Die Komplexität der Abgasreinigung und interner Unternehmensentscheidungen hatte frühere Verfahren stark verzögert, von den dort gewonnenen Erkenntnissen wollen die Juristen nun profitieren. Der Vorsitzende Richter Andreas Bayer hat 50 Verhandlungstermine bis Ende Oktober angesetzt, erste Zeugen sind ab 2. März geladen, in den Faschingsferien findet keine Verhandlung statt.
Aus Kreisen der insgesamt acht Rechtsanwälte, zwei pro Angeklagtem, ist zu Vernehmen, dass eine außergerichtliche Einigung aktuell für keinen der Beklagten in Frage kommt. Ulrich Hackenberg hat die Vorwürfe der Anklage gleich zum Prozessauftakt zurückweisen lassen. „Wir werden im Laufe des Verfahrens aufzeigen, dass unser Mandant unschuldig ist“, teilte seine Verteidigerin Sabine Stetter mit.
Deals im Audi-Dieselprozess? Damit rechnen Beobachter
Prozessbeobachter gehen dennoch davon aus, dass der Abschluss eines sogenannten Deals, also die Verständigung von Anklage, Angeklagten und Gericht und somit eine relativ schnelle Beendigung des Verfahrens möglich sein könnte. Andererseits hat wohl das Team rund um Hackenberg bereits umfangreiche Präsentationen vorbereiten lassen, wie das mit der Abgasreinigung war. Es drohen also einige weitere, sehr lange Prozesstage.

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