Schwierige Diskussion um Flüchtlingsunterkunft
Die zweieinhalbstündige Informationsveranstaltung des Landratsamtes Heilbronn zur Unterbringung von Flüchtlingen in Löwenstein verlief am Mittwochabend in einer gespannten Atmosphäre. Die Initiative Asyl Sulmtal bietet Hilfe an.

In Löwenstein sieht der Landkreis, wie Andreas Jägerhuber, Leiter des Bauamtes, erklärt, die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Parkplatz des ehemaligen Freibads vor. Geplant ist eine dreigeschossige Holzanlage, die für 74 Bewohner ausgelegt ist.
Es wird Raumzellen geben, in denen zwei bis drei Personen Platz finden, zentrale Gemeinschaftsräume, Nasszellen und Kochgelegenheiten. Andreas Jägerhuber weist darauf hin, dass die Anlage einen "gewissen Standard" habe. Auch ein Gebäude am Kelterplatz 4 soll umgebaut werden.
Oswin Fuhr, der Leiter des Sozial- und Versorgungsamts des Landkreises, macht darauf aufmerksam, dass die Stadt lediglich neun Flüchtlinge in der Erstunterbringung habe. "Derzeit tragen andere Kommunen die Last mit. Wir brauchen die Hilfe von Löwenstein. Ich appelliere an Ihre Solidarität und hoffe, dass Löwenstein mit ans Netz geht." Der Landkreis stehe unter gewaltigem Zeitdruck. Erst kurzfristig könne er informieren, welche Menschen nach Löwenstein kommen würden.
Pro und Contra
Bürger, die Gemeinderat und Bürgermeister kritisieren und als alternativen Standort eine Fläche hinter der Feuerwehr ins Spiel bringen, bittet Fuhr, keine "Vergangenheitsbewältigung" zu betreiben. Fuhr, der seit Monaten Rede und Antwort bei Infoveranstaltungen steht, weiß genau: "Es gibt keinen Standort im Landkreis, der das ungeteilte Ja findet. Bei jedem gibt es Argumente pro und contra."
Dass für den Eingriff des Bauprojektes ökologischer Ausgleich fällig ist, dass sich 186 Bewohner im Teusserbad über die Anzahl von 75 Flüchtlingen irritiert fühlen, dass nur dieser und kein anderer Standort geprüft werde, warum die Flüchtlinge nicht in kleinere Einheiten verteilt werden. Darum dreht sich die Diskussion - lange im Kreis. Vom zunehmend gereizten Tonfall lässt sich mancher anstecken, unflätige Bemerkungen in Richtung des Landratsamtes ("Hören Sie auf zu lügen"; "Märchenstunde haben wir nicht") werden zurückgewiesen.
Bürgermeister Klaus Schifferer liegt mit seiner Aussage daneben, als er sagt, dass ihm der Vortrag von Ulrike Sörös, der Leiterin des Sozialdienstes, über das Engagement der Haupt- und Ehrenamtlichen zu "blumig" gewesen sei. Das sei nicht sachlich gewesen, kommt ein freundlicher Hinweis aus dem Saal - "stimmt", gibt Schifferer später zu.
Viele Bürger schweigen, es ist schwer abzuschätzen, was sie denken. Wenige Löwensteiner signalisieren öffentlich, helfen zu wollen, äußern ihr Unbehagen ("Es soll nicht so rüberkommen, dass wir alle dagegen sind"), sprechen über ihre Ambivalenz ("Mein Kopf möchte helfen. Es gibt immer wieder Momente, da hat mein Bauch Angst").
Wie immer empfiehlt Fuhr als Rezept die Begegnung mit den Menschen. Fragen um die Sicherheit ("Können wir unsere Kinder noch springen und die Frauen noch Miniröcke tragen lassen?", "Wer schaut nach den Einwohnern, wenn die sich nachts rumschleichen?") quittiert er mit dem Hinweis, dass das Polizeipräsidium Heilbronn keine erhöhte Kriminalität im Kreise der Asylbewerber festgestellt hat. Ob bei Deutschen oder Flüchtlingen, es gebe überall schwarze Schafe. Er sei über jeden Hinweis dankbar. "Wenn einer aus der Spur gerät, schauen wir nicht nur zu", sagt Fuhr.
Unterstützung
Löwenstein bekommt Schützenhilfe von der Initiative Asyl Sulmtal, die bereit ist, eine Untergruppe zu machen. "Es geht darum, Menschlichkeit zu zeigen, dass man die Flüchtlinge willkommen heißt", berichtet Elke Deuschle über gute Erfahrungen.
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