Heilbronn

Schöpfer der Nazi-Zwerge: Ermittlungen nützen mir

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In einer Heilbronner Galerie werden Zwerge verkauft, die den Hitlergruß zeigen. Das führte bereits zu zwei Anzeigen bei der Polizei. Der Künstler Ottmar Hörl freut sich über die "Marketingspezialisten" von der Staatsanwaltschaft.

Von Adrian Hoffmann
Künstler Ottmar Hörl hat die "Poisoned"-Zwerge entworfen. Fotos: Hoffmann/dpa
Künstler Ottmar Hörl hat die "Poisoned"-Zwerge entworfen. Fotos: Hoffmann/dpa

 

Die Hitlergruß zeigenden Nazi-Zwerge des Künstlers Ottmar Hörl gibt es bereits 2008. Immer wieder werden er und die Zwerge ausstellende Galerien wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen angezeigt. Verstehen werde er dies nie, sagt Hörl – fügt aber an: „Staatsanwälte unterstützen meine Arbeit, sie sind die besten Marketingspezialisten.“

Warum Staatsanwaltschaften wegen der Zwerge, die ja unter dem Titel „Poisoned“ bekannt sind und ganz offensichtlich vergiftete Ideologen darstellen sollen, überhaupt noch Ermittlungen einleiteten, sei ihm schleierhaft. „Ich verstehe nicht, warum. Ich finde das dämlich.“ Unter jedem Werk stehe  der Schriftzug „Poisoned“, vergiftet.

Aktuell gebe es ein Verfahren gegen eine Galerie in Passau, wo die Zwergen ausgestellt seien. In Heilbronn werden derzeit zwei Anzeigen gegen die Galerie Cameo am Rathaus bei der Staatsanwaltschaft geprüft. Was dabei herauskommt, ist noch offen.

Künstler will "den Finger in die Wunde legen"

Seiner Erfahrung nach kommen nach den Anzeigen Polizisten in die jeweiligen Kunstgalerien, schildert Hörl, „schauen sich die Zwerge an und wissen nicht, ob sie jetzt Weinen oder Lachen sollen“. Ein Stück weit sei es doch Auftrag der Kunst, zu provozieren und eine Diskussion zu entfachen. Kunst ohne Diskussion, wer will das? Kunst, auf die sich jeder beziehen kann? Stattdessen besser „den Finger in die Wunde legen“.

Außerdem werde ein Hitlergruß erst zum Hitlergruß, wenn er mit Sprache unterlegt sei. Die Geste beim Taxi rufen sehe sehr ähnlich aus. Ottmar Hörl: „Man kann so aus jedem einen Nationalsozialisten machen.“

Das Nazi-Zwerge-Projekt habe er 2008 in Belgien gestartet und dort sei man begeistert gewesen über die neue Selbstironie, die Deutsche an den Tag legen können. „Ein Gartenzwerg ist ja eine ganz harmlose Figur, der man keine politische Auseinandersetzung unterstellen würde.“

Kostenlose Doppelseite in der New York Times

In Nürnberg habe die Staatsanwaltschaft schon vor Jahren feststellen müssen, „dass ich ein Antifaschist bin“, sagt Hörl. „Ich bin ein 68er.“ Er frage sich immer, ob man keine anderen Probleme habe in Deutschland, derentwegen man ermitteln könne. In der New York Times sei der „Poisoned-Zwerg“ dank staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen in Deutschland in Lebensgröße auf einer Doppelseite abgedruckt worden. „Wissen Sie, was eine Doppelseite Werbung in der New York Times kosten würde?“, fragt er.

Wie berichtet verkauft die Heilbronner Kunsthandlung Cameo, direkt neben dem Rathaus, seit September 2016 die „Poisoned“-Zwerge. Wer ein Problem mit den Figuren habe, der könne sehr gerne ins Geschäft kommen und darüber sprechen, sagt Kunsthändller Matthias Malchow weiter. Er habe sogar Verständnis für Menschen, die sich darüber ärgerten. „Wir sind hier in einem freien Land. Man darf sich über Dinge ärgern.“

Drei solcher Zwerge sind bei Cameo im Fenster ausgestellt, in Gold, Schwarz und Silbern  – um Missverständnissen vorzubeugen, liegt die Beschreibung aus Hörls Broschüre dabei. Neben den Hitler-Zwergen stehen da noch sogenannte Sponti-Zwerge (zeigen den Stinkefinger) und Hörls Erdmännchen.

 

Zur Person

Ottmar Hörl wurde 1950 im hessischen Nauheim geboren. Der Konzeptkünstler und Bildhauer ist seit 2005 Präsident an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Von 1975 bis 1979 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste Frankfurt/Main, von 1979 bis 1981 an der Hochschule für Bildende Künste in Düsseldorf.

Zu seinem bekanntesten Werk gehört die Euro-Skulptur vor dem Eurotower in Frankfurt am Main. Zudem sorgt er mit seinen Installationen mit seriellen Skulpturen immer wieder für Aufsehen.

Hörl lebt und arbeitet in Frankfurt/Main, Nürnberg und Wertheim (Main-Tauber-Kreis).

>>Ottmar Hörl im Internet

 

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