Heilbronn

Anzeigen wegen Nazi-Zwergen

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Seit September 2016 werden in der Heilbronner Kunsthandlung Cameo direkt neben dem Rathaus Gartenzwerge verkauft, die den Hitlergruß zeigen. Das hatte bereits zwei Anzeigen bei der Polizei zur Folge – dabei ist das Thema rechtlich längst geklärt.

Von Adrian Hoffmann

Die Plastik-Gartenzwerge „Poisoned“ (deutsche Übersetzung: Vergiftet) des bekannten Konzeptkünstlers und Kunstprofessors Ottmar Hörl gibt es schon seit 2008. Wegen der 50 Euro teuren Objekte hatte es bereits mehrere Ermittlungsverfahren von Staatsanwaltschaften gegeben. Vorwurf war jeweils Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Hörl selbst versteht den Zwerg als „Persiflage auf das Herrenmenschentum der Nazis“. Die Ermittlungen gegen Hörl waren jeweils eingestellt worden.

Erneute Anzeigen bei Polizei

Deshalb wundern sich auch die Heilbronner Kunsthändler Matthias Malchow und Axel Schmidt über erneute Anzeigen bei der Polizei. „Man muss es nicht mögen“, sagt Malchow. „Dass Hörl damit provoziert, hat er erreicht“, sagt Schmidt.

Und wie Malchow anmerkt: Ausgerechnet in einer Jüdischen Gemeinde – in Gent – wurden die Hitler-Zwerge vor einigen Jahren erstmals ausgestellt. Dort zeigte man sich von den Kunstwerken beeindruckt.

Wer ein Problem mit den Figuren habe, der könne sehr gerne ins Geschäft kommen und darüber sprechen, sagt Matthias Malchow weiter. Er habe sogar Verständnis für Menschen, die sich darüber ärgerten. „Wir sind hier in einem freien Land. Man darf sich über Dinge ärgern.“

Sponti-Zwerge

Drei solcher Zwerge sind bei Cameo im Fenster ausgestellt, in Gold, Schwarz und Silbern  – um Missverständnissen vorzubeugen, liegt die Beschreibung aus Hörls Broschüre dabei. Neben den Hitler-Zwergen stehen da noch sogenannte Sponti-Zwerge (zeigen den Stinkefinger) und Hörls Erdmännchen.

Kunden aus der rechten Szene kauften den Zwerg übrigens nicht, berichtet Axel Schmidt.  Den ersten Hitler-Zwerg habe bei ihnen im Geschäft ein Punk gekauft, der sich die Motive des Künstlers habe erklären lassen und anschließend überzeugt war („Cool, den muss ich haben“).

Ein weiterer Heilbronner Kunde, der vor dem Schaufenster gestanden und sich „fast totgelacht“ habe, stellte den Zwerg bei sich ins Wohnzimmer. „Seine Frau hat sich echauffiert“, sagt Schmidt – deshalb habe der Kunde in den nächsten Tagen noch einen Sponti-Zwerg gekauft und die beiden Zwerge stünden sich nun im Wohnzimmer gegenüber.

OB Mergel schaut vorbei

Weil die Polizei den Anzeigen nachging, tauchte auch Oberbürgermeister Harry Mergel in der Kunsthandlung auf und machte sich persönlich ein Bild von den Nazi-Zwergen.

Hier lesen Sie, was der Künstler Ottmar Hörl, der die Zwerge entworfen hat, zu Ermittlungen gegen die Figuren sagt.

 

 

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