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Polizei geht nicht von Brandstiftung aus

Heilbronn - Tag eins nach dem Feuer in der Laube. Die Ermittlungen laufen weiter, am Nachmittag soll ein Brandsachverständiger vor Ort auf der Böckinger Viehweide sein. Wann die Heilbronner Szenekneipe wieder öffnet, ist unklar.

Von Adrian Hoffmann
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Heilbronn - Tag eins nach dem Brand in der Laube: Die Resonanz von Stammgästen der Heilbronner Szenekneipe ist enorm. Im sozialen Netzwerk Facebook gründete sich in der Folge eine Gruppe „Stirbt die Laube, stirbt Heilbronn“, die bereits jetzt mehr Mitglieder hat als die bisherige Laube-Gruppe. Etliche Menschen schreiben in Kommentaren, sie würden ihre Hilfe beim Wiederaufbau anbieten. Der FC Laube spielte am Sonntagabend in Trauerflor.

Die Kneipe ist in der Nacht auf Sonntag fast komplett ausgebrannt. Zum Zeitpunkt, als das Feuer ausbrach, hielt sich niemand in der Gartenlaube auf – sie war bereits geschlossen. Die Party in den Stunden davor stand ausgerechnet unter dem Motto „Hitzefrei“.

Brandermittlungen

Unterdessen laufen die Brandermittlungen, am Montagnachmittag traf ein Brandsachverständiger vor Ort auf der Böckinger Viehweide ein. „Von Brandstiftung wird bisher nicht ausgegangen“, sagt Polizeisprecher Harald Schumacher. Ob das Feuer durch Fahrlässigkeit entstanden sein könnte, „wird geprüft“. Nach wie vor ist die Brandursache unklar.

Nach ersten Erkenntnissen hatte die erste Rauchentwicklung am Sonntagmorgen kurz vor 4 Uhr stattgefunden. Es ist bekannt, dass sich kurz zuvor noch etwa zehn Gäste vor dem Lokal aufgehalten haben. Die Polizei bittet diese Personen, sich unter der Telefonnummer 07131/31388 mit dem Polizeiposten Böckingen oder unter 07131/204060 mit dem Polizeirevier Heilbronn-Böckingen in Verbindung zu setzen. 


Laube-Geschäftsführer Matthias Kern hatte am Sonntag noch gehofft, bereits am Dienstag den Außenbereich wieder für Besucher öffnen zu können – dem wird höchstwahrscheinlich aber nicht so sein. Wann die Laube wieder öffnen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

Am Sonntagmittag seien bereits viele Pilgerer auf die Viehweide gekommen, um sich anzusehen, was das Feuer mit der Laube angerichtet hat. „Es sind junge Frauen im Auto vorbei gefahren, die haben geplärrt.“ Später habe am Holzzaun vor dem Eingangsbereich ein Freund seine weinende Freundin getröstet. „Ich war zu Tränen gerührt“, sagt Kern. Immer wieder kommen auch Mitarbeiter vorbei (das Laube-Team besteht aus 35 Leuten) und nehmen Matthias Kern in den Arm.

150.000 Euro Schaden


Brand in der Laube I 02.05. | Heilbronn-Böckingen | 02.05.2010 | 40 Bilder | Fotograf: Andreas Veigel, Adrian Hoffmann

Was genau repariert oder ausgetauscht werden muss, ist für Geschäftsführer Kern, der bereits am Montagmorgen wieder mit kohleverschmierten Händen vor der Laube steht, noch nicht abzusehen. Es ist sehr viel – das steht fest. Der Brand in der Nacht auf Sonntag breitete sich vom Außenbereich des Haupteingangs über das Vordach und die Decke aus. Auch einige nostalgische Einrichtungsgegenstände, die die Laube ausmachen, wurden dabei zerstört.

Die Polizei schätzte den Sachschaden zunächst auf 150.000 Euro. Matthias Kern schätzt ihn deutlich höher.

Mahnmal

Das Erkennungszeichen schlechthin, ein großes Herz-Schild am Giebel mit der Aufschrift „You’ll love“, ist komplett zerstört worden. Auch die überdimensional große Leuchtgitarre auf dem Dach ist teilweise zerschmolzen. Sie werde allerdings ein Mahnmal bekommen, kündigte Peggy Friedel, Assistentin des Laube-Inhabers Michael Carle an.

Videoüberwachung

Weil das Laube-Areal videoüberwacht sei, könne man die Brandentwicklung auf dem Bildschirm beobachten, sagt Kern. Die Bänder seien gesichert. Er habe sich die Videos bereits mit der Polizei im Schnelldurchlauf angeschaut. Es seien keine Personen zu sehen gewesen. Über die genaue Brandursache könne er aber jetzt auch noch nichts sagen. „Das muss noch von den Experten geprüft werden.“

Die Spekulationen ins Blaue hinein, die manch ein Besucher der Laube-Website in Kommentaren hinterließ, missfallen Kern sehr. „Die Laube lief so gut wie nie. Das ist einfach Fakt“, sagt er. Hier einfach mal so Brandstiftung zu unterstellen, sei daneben. Außerdem sei die Laube erst vor einem Jahr innen neu eingerichtet worden, erst letzte Woche habe man den Eingangsbereich neu geteert. „Wir haben in den letzten Jahren viel Geld in die Hände genommen.“

Im Innenbereich der Laube habe man Brandmelde-Anlagen installiert. Da der Brand allerdings außen ausgebrochen sein muss, sei die Anlage vermutlich erst angesprungen, als das Feuer nach Innen drang. Eine Taxifahrerin war Sonntagnacht auf das Feuer aufmerksam geworden und alarmierte die Heilbronner Feuerwehr.

Zerstörung

Für Kern ist wichtig, dass jetzt alles möglichst schnell weitergeht. „Wir gehen die Sache einfach realistisch an und stecken nicht den Kopf in den Sand.“

Weitere zerstörte Gegenstände, die wohl vielen Laube-Gängern bekannt sind:

  • Die Spiegelkugel vor dem Eingang
  • Die drei Tischkicker
  • Die Uhr, die immer zehn vor zehn anzeigt
  • Die komplette Lichtanlage
  • Der FC Laube-Trophäenschrank
  • Die Fotowand mit Bildern von Stammgästen


Unversehrt blieben die Getränke in den Kühlschränken der Haupttheke. Und Edgar Huhn, das Plüsch-Maskottchen der Laube.




Böckinger Viehweide


Zuletzt in den Schlagzeilen war die Böckinger Viehweide erst vergangene Woche. In der ESV-Gaststätte kam es während einer Kommunionsfeier zu einer Massenschlägerei (wir berichteten).

Vor wenigen Monaten erst, im September 2009, brannte außerdem die Gaststätte Pfläumli, die auch Laube-Inhaber Michael Carle gehört. Brandursache war nach Angaben der Polizei ein technischer Defekt (wir berichteten).

Noch vielen in Erinnerung ist der Brand in der Gartenlaube vor zehn Jahren, im Juli 2000. Damals handelte es sich um Brandstiftung. Die drei Täter, zwei Männer aus Böckingen, einer aus Neuenstadt, wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Als Motiv gab einer an, er sei mit dem Publikum und dem Pächter nicht einverstanden gewesen. Ein andere sagte, er habe den Brand aus Dummheit gelegt.

Polizeisprecher Rainer Köller sagte damals gegenüber der Heilbronner Stimme: „Ich kann mich nicht erinnern, schon mal solche Motive gehört zu haben. Wenn der eine als Motiv Dummheit angibt, werden wir nicht widersprechen.“ Auf die Spur gekommen war man den 25- und 26-jährigen Männern damals, weil eine Zeugin auf dem in der Stimme veröffentlichten Foto den am Tatort gefundenen Benzinkanister erkannt und sich bei der Polizei gemeldet hatte. In den Wohnungen und Autos des Trios fand die Polizei nicht nur einen Einfüllstutzen, der auf den am Tatort gefundenen Kanister passt, sondern auch eine Anleitung zum Bau eines Molotow-Cocktails.

 Erst drei Monate nach dem verheerenden Brand öffnete die Laube wieder.




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