Heilbronn

In zwei Wochen rollt die Stadtbahn Nord

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Die Stadtbahnstrecke zwischen Heilbronn und Neckarsulm geht nach langer Planung und eineinhalbjähriger Bauzeit in Betrieb. Der Fahrplanwechsel ist am Sonntag, 15. Dezember, die offizielle Einweihungsfahrt findet bereits am Samstag, 14. Dezember, statt.

„Schon die erste Stadtbahnlinie Eppingen-Heilbronn-Öhringen hat sich zur Erfolgsstory entwickelt, ich bin sicher, dass die Stadtbahn-Nord hier gleichziehen wird“, betont der Erste Bürgermeister Martin Diepgen - auch wenn die neue Linie ihre volle Wirkung für Fahrgäste, Innenstadt, Wirtschaft und Umwelt erst entfalten wird, wenn 2014 die Weiterführung Richtung Mosbach und Sinsheim erfolgt.

Zur Zeit befinden sich die Arbeiten entlang der Strecke in der Endphase, berichtet der Technische Projektleiter Andreas Berk. So würden derzeit die Fahrgastunterstände auf den Bahnsteigen errichtet, technische Abnahmen fänden statt. „Die Betriebsaufnahme kann pünktlich erfolgen“, so Berk. Einige Arbeiten werden allerdings erst 2014 abgeschlossen werden können.


Fahrplanwechsel

Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember wird die neue Stadtbahn S42 im 30-Minuten-Takt, in den Abendstunden im Stundentakt pendeln, kündigt der Geschäftsführer der Stadtwerke Heilbronn GmbH und Leiter der Verkehrsbetriebe Heilbronn, Tilo Elser, an. Start in Heilbronn ist der Bahnhofsvorplatz, ab Harmonie biegt die Bahn dann auf die neue Strecke ein. Zwölf Minuten dauert die Fahrt bis zum Neckarsulmer Bahnhof, sechs Mal stoppt die Bahn unterwegs an neuen Haltestellen.

Der Fahrplanwechsel bringt auch auf der S4 einige Änderungen, vor allem durch ein Verschieben der Fahrzeiten soll eine größere Pünktlichkeit erreicht werden. Wer abends in der City ausgeht, soll künftig mehr Möglichkeiten haben, mit der Stadtbahn nach Hause zu fahren: Der Halbstundentakt Richtung Schwaigern wird von bisher 21 Uhr auf 23 Uhr ausgedehnt. Die neue Stadtbahnlinie 42 hat auch Auswirkungen auf den Stadtbusverkehr: Um Parallelfahrten zu vermeiden, wird die Linie 5/51 künftig vom Bahnhof nicht mehr durch die Innenstadt, sondern über Kranenstraße, Kalistraße, Karl-Nägele-Brücke und Gottlieb-Daimler-Straße eine schnelle Verbindung zum Industriegebiet herstellen. Zurück geht es auf dem heutigen Linienweg der 51 über Karl-Nägele-Brücke und Hafenstraße zum Hauptbahnhof.

Offizielle Eröffnung

Die offizielle Eröffnung der neuen Stadtbahnlinie findet am Samstag, 14. Dezember, vormittags bei der Harmonie statt. Nach den Reden von Oberbürgermeiser Helmut Himmelsbach, Staatssekretärin Dr. Gisela Splett, Landrat Detlef Piepenburg und dem Technischen Leiter der Albtal Verkehrsgesellschaft, Christian Höglmeier, darf das Band durchschnitten werden; die Jungfernfahrt für geladene Gäste startet um 10.30 Uhr Richtung Neckarsulm, wo der Neckarsulmer OB Joachim Scholz die Gäste aus der Nachbarstadt empfangen wird.

Vor der Harmonie besteht ab 11 Uhr die Möglichkeit, die neuen Stadtbahnfahrzeuge zu besichtigen, ab 12 Uhr beginnen dann an der Harmonie und am Bahnhof Neckarsulm die Freifahrten für die Bevölkerung im 20-Minuten-Takt, kündigt Manfred Schmidt, Geschäftsführer der Stadtwerke Heilbronn GmbH an. Bis 22 Uhr findet der Pendelverkehr mit Halt an allen Haltepunkten statt.

 


Kosten

Für den Streckenabschnitt im Stadtgebiet betragen die beschlossenen Kosten 84,2 Millionen Euro, davon tragen die Stadtwerke Heilbronn GmbH rund 22,5 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für die Stadtbahn-Nord belaufen sich auf 231 Millionen Euro, knapp 250 Millionen Euro haben Bund, Land, Kreise und Kommunen bereits 1999-2005 in die Strecke Eppingen-Öhringen investiert. „Solche Summen sind der beste Beweis für unser Bekenntnis zu einem modernen ÖPNV, der im regionalen Schulterschluss bestens funktioniert“, sagt Diepgen.

Fahrgastpotenzial

Berechnungen gehen von einem Fahrgastpotenzial zwischen Allee und Bahnhof Neckarsulm in Höhe von 47.000 Personen aus. Allein 5600 Schüler können mit der Bahn ihre Einrichtungen erreichen, 6700 Arbeitsplätze befinden sich im Einzugsbereich. „Die Prognose der Fahrgastzahlen auf der S4 wurde schon nach wenigen Jahren um 100 Prozent übertroffen, wir hoffen uns von der Nordstrecke langfristig ähnliche Effekte“, so Diepgen.

Für Bürgermeister Wilfried Hajek war die innerstädtische Stadtbahnbaustelle eine große Herausforderung. Zwar hätten Behinderungen nicht vermieden werden können, aber insgesamt sei das Projekt sehr gut bewältigt worden: „Eine Baustelle von vier Kilometern entlang der wichtigsten Verkehrstrassen in der Innenstadt und im Gewerbegebiet ist wie eine Operation am offenen Herzen.“ Lohn der Mühe sei nicht nur eine bessere ÖPNV-Verbindung, sondern unter anderem auch die Umgestaltung der Allee.

Sanierung

Hajek geht aber davon aus, dass auch private Investoren nun ihre Häuser renovieren und sanieren, damit Straßenraum und Architektur „städtebaulich auf gleicher Höhe sind“, unterstreicht der Baubürgermeister. Das Planungs- und Baurechtsamt bietet für die Allee Beratung bei der Fassadenmodernisierung an, aufgrund der Lage im Sanierungsgebiet Altstadt-Ost gibt es hier auch erhöhte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten bei Modernisierungsvorhaben. Für die Gebäude entlang der Paulinenstraße hat der Gemeinderat 2011 sogar ein eigenes Sanierungsgebiet zur städtebaulichen Neuordnung beschlossen; für den Abbruch alter Gebäudesubstanz kann es Zuschüsse geben. red


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