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Heilbronn

Kaco verlässt die Stadt

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Die Baupläne für die Böllinger Höfe sind gestrichen: Der Dichtungshersteller Kaco verlagert seine 400 Stellen nach Kirchardt.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger
Dass der Standort in der Heilbronner Rosenbergstraße aufgegeben wird, war schon länger klar. Bisher sollte der Neubau in die Böllinger Höfe. Foto: Archiv/Mugler
Dass der Standort in der Heilbronner Rosenbergstraße aufgegeben wird, war schon länger klar. Bisher sollte der Neubau in die Böllinger Höfe. Foto: Archiv/Mugler

Alles schien in trockenen Tüchern: Das Heilbronner Traditionsunternehmen Kaco, das seit Mai 2014 zum chinesischen Zhongding-Konzern gehört, wollte seine neue Firmenzentrale im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe bauen. Kurz vor Weihnachten 2014 hatten die Eigentümer grünes Licht für diesen Plan gegeben.

Zwischenzeitlich war es verdächtig still geworden um diese Pläne. Jetzt ist aus dem Verdacht Gewissheit geworden - und zumindest im Heilbronner Rathaus herrscht schon seit Rosenmontag Aschermittwochsstimmung: Die neue Zentrale des Automobilzulieferers entsteht nicht in Heilbronn, sondern in Kirchardt, wo Kaco seit Mitte der 1970er Jahre ein Werk betreibt.

"Die Eigentümer haben die Entscheidung getroffen", sagt Kaco-Geschäftsführer Richard Ongherth. Sein Kollege Markus Schwerdtfeger betont: "Das ist kein Nein zu Heilbronn, sondern ein Ja zu Kirchardt." Der Vorteil für das Unternehmen: In der Kraichgau-Gemeinde, in der bisher etwa 150 Mitarbeiter für die anderen Kaco-Werke Kunststoffe und Kautschukmaterialien mischen, können alle drei Standorte in der Region zusammengeführt werden. Das sei den Zhongding-Chefs Xia Dinghu und Jason Xia wichtig gewesen, erklären Richard Ongherth und Markus Schwerdtfeger.

Jason Xia (l.) und sein Vater Xia Dinghu mit Schwerdtfeger (r.) und Ongherth. Foto:
Jason Xia (l.) und sein Vater Xia Dinghu mit Schwerdtfeger (r.) und Ongherth. Foto:  Foto: Sawatzki
Ins Zeug gelegt

Die Mischerei hätte auf alle Fälle in Kirchardt bleiben müssen, erklärt Ongherth, weshalb die Variante Heilbronn schließlich auf dem zweiten Platz gelandet sei - obwohl das Gelände in den Böllinger Höfen schon seit Jahren reserviert war und sich die Stadt immer "mächtig ins Zeug gelegt" habe für das Unternehmen. In Kirchardt hatte bisher der Platz nicht ausgereicht, nun kann Kaco dort aber ein weiteres Grundstück an der Daimlerstraße erwerben, was neue Voraussetzungen für die Erweiterungspläne schafft.

Jetzt soll alles ganz schnell gehen: Schon Mitte 2018 sollen alle rund 550 Beschäftigten des Unternehmens in der Region in Kirchardt arbeiten, etwa 70 von ihnen sind bisher in Talheim beschäftigt, der große Rest in der Heilbronner Rosenbergstraße, dem angestammten Sitz des Unternehmens. 23 Kilometer ist die Straßenentferung von dort zum neuen Firmensitz, von Talheim aus sind es gut 25 Kilometer.

Bis vergangene Woche wollte der Landkreis Heilbronn auf diesem Gelände in Kirchardt neben dem Rewe-Markt (r.) eine Flüchtlingsunterkunft errichten. Jetzt will Kaco (links) dort seine Erweiterungspläne verwirklichen. Foto: Tanja Ochs
Bis vergangene Woche wollte der Landkreis Heilbronn auf diesem Gelände in Kirchardt neben dem Rewe-Markt (r.) eine Flüchtlingsunterkunft errichten. Jetzt will Kaco (links) dort seine Erweiterungspläne verwirklichen. Foto: Tanja Ochs

In mehreren Mitarbeiterversammlungen wurden die Beschäftigten im Laufe des Rosenmontags von den beiden Geschäftsführern über die neuen Verlagerungspläne informiert. Die Reaktionen seien "verhalten" gewesen, sagt Richard Ongherth - zumal im Vorfeld keine Informationen durchgesickert waren. Der Kaco-Betriebsrat möchte sich zur neuen Lage noch nicht detailliert äußern.

Im Norden des Grundstücks an der B 39 soll ein Verwaltungsgebäude entstehen, die Fertigungshallen südlich der bestehenden Fabrik. Über das neue Grundstück direkt neben dem Lebensmittelmarkt, auf dem der Landkreis Heilbronn bis vor Kurzem noch eine Asylbewerberunterkunft errichten wollte, soll das Kaco-Grundstück erschlossen werden. Außerdem sind dort Parkplätze geplant.

Bedauern

"Die Entscheidung der Firma Kaco für Kirchardt und gegen Heilbronn ist äußerst bedauerlich", kommentiert Oberbürgermeister Harry Mergel die Pläne. Die Stadt habe für die Umsiedlung des Unternehmens aus der Rosenbergstraße schließlich seit Jahren ein passendes Grundstück mit 2,8 Hektar Fläche reserviert und alle Planungsschritte positiv begleitet. "Uns hat die Absage daher erstaunt und auch ein Stück weit traurig gemacht."

 Foto: DESC-R

In Kirchardt herrscht verhaltene Freude, auch wenn Bauamtsleiter Michael Baumgartner den Grundstücksverkauf gestern nicht bestätigen konnte. "Wir wissen aber von der Absicht der Firma." Der Landkreis hatte seinen Bauantrag für die Flüchtlingsunterkunft letzte Woche überraschend zurückgezogen.

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