Neckarsulm/Ingolstadt

Angespannte Lage vor heutiger Audi-Betriebsversammlung

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Bei einer Betriebsversammlung in Ingolstadt bekam Audi-Chef Rupert Stadler die Unzufriedenheit der Belegschaft zu spüren. Heute findet in Neckarsulm eine weitere Versammlung statt. Viele Mitarbeiter wollen wissen, wie es weiter geht.

Von Manfred Stockburger und Daniel Stahl

Buhrufe und Pfiffe. Das hat der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler noch selten erlebt. Gestern bei der Audi-Betriebsversammlung in Ingolstadt bekam er die Unzufriedenheit vieler Audi-Mitarbeiter zu spüren.

Heute findet in Neckarsulm eine Betriebsversammlung statt. Auch hier könnte es für Stadler und seine Vorstands-Kollegen unangenehm werden. Am Dienstag mussten die Monteure der Reihe A4 und A6/A7 unfreiwillig einen Tag frei machen, weil die Nachfrage gesunken ist.

Die Spannung ist deshalb groß vor der heutigen Versammlung. Die wichtigste Frage: Wie geht es weiter? Auch die Stimmung im Werk Neckarsulm ist nicht gut. Auch hier befürchten Mitarbeiter den Wegfall weiterer Schichten.

Dieselaffäre, Währungsverluste und belastete Märkte

Viele Mitarbeiter wollen heute von der Firmenleitung wissen, wie sie die Produktion auch in Zukunft auslasten will. Foto: Audi
Viele Mitarbeiter wollen heute von der Firmenleitung wissen, wie sie die Produktion auch in Zukunft auslasten will. Foto: Audi

Die gestrige Audi-Versammlung in Ingolstadt könnte einen Vorgeschmack bieten für das, was heute Nachmittag in Neckarsulm ansteht. Zunächst gab es in Ingolstadt viel Zustimmung der Mitarbeiter, berichtet der Donaukurier. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Mosch forderte Beschäftigungssicherheit für die Audianer über 2018 hinaus und die Kapazitätsauslastung der Fertigungslinien. Unter anderem durch einen stärkeren Fokus auf Elektroautos. 

Anschließend trat der Vorstandschef Rupert Stadler ans Mikrofon. Er sprach über die Dieselaffäre, die ihn menschlich getroffen habe, aber auch dem Unternehmen geschadet habe. Einbrüche wegen des Diesel-Skandals habe es etwa in Australien, Japan, Taiwan oder Südkorea gegeben.

Auslastung der Audi-Werke bereitet Mitarbeitern Sorgen

Stadler sprach aber auch über andere unangenehme Themen. Von Wechselkursverlusten in Großbritannien, die für das Unternehmen bisher 55 Millionen Euro ausmachen. Weitere Themen: Währungsverfall in Russland, die politischen Verhältnisse in der Türkei oder Brasilien als Belastung für Audi.

Die Folge dieser Lage: Der Audi-Chef sprach in Ingolstadt von Einschnitten und dem möglichen Wegfall einer Schicht ab Januar. Die Auslastung der deutschen Audi-Werke macht vielen Mitarbeitern Sorgen. Erschwerend kommt hinzu, dass der stark nachgefragte Q5 in Mexiko und nicht in Deutschland gebaut wird. Diese Faktoren sorgen für Unsicherheit. Und darauf reagierten viele der Anwesenden in Ingolstadt mit Pfiffen und Buhrufen, berichtet der Donaukurier.

Letzte Rede des scheidenden Neckarsulmer Betriebsratschefs Rank

Heute Vormittag wird in Neckarsulm zunächst der langjährige Betriebsratsvorsitzende Norbert Rank verabschiedet. Er hatte zuletzt gefordert, dass auch in Neckarsulm ein Elektroauto gebaut werden müsse, um die Produktion auszulasten. Rank wird bei der heutigen Betriebsversammlung eine letzte Rede halten. Dafür ist auch Bernd Osterloh anwesend, der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG. 

Betriebsversammlungen gibt es bei Audi vier Mal im Jahr. Dabei informiert das Unternehmen seine Beschäftigten über die aktuelle Situation.

 

Nach oben  Nach oben