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So funktioniert die Tik-Tok-Strategie von Ziehl-Abegg

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Rainer Grill, Pressesprecher des Künzelsauer Ventilatorenherstellers Ziehl-Abegg, erläutert beim After-Work-Treff von Südwestmetall in Heilbronn, wie man junge Menschen für unbekannte Firmen interessieren kann.

Ziehl-Abegg-Sprecher Rainer Grill (links) mit Südwestmetall-Geschäftsführer Jörg Ernstberger bei der After-Work-Party.
Foto: Christian Gleichauf
Ziehl-Abegg-Sprecher Rainer Grill (links) mit Südwestmetall-Geschäftsführer Jörg Ernstberger bei der After-Work-Party. Foto: Christian Gleichauf  Foto: Gleichauf, Christian

Nicht viel fragen, sondern machen. So ungefähr lautet die Botschaft von Rainer Grill beim After-Work-Treff im Hof der Heilbronner Südwestmetall-Vertretung. Er erzählt den rund 100 Anwesenden von seiner Tik-Tok-Strategie, vom Erfolg, den ein unbekanntes, ja auch langweiliges Unternehmen damit bei jungen Leuten erzielen kann.


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Grill ist ein gefragter Redner

Im Hauptberuf ist Grill Pressesprecher beim Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg in Künzelsau. Inzwischen ist er aber vor allem auch Social-Media-Experte und E-Sports-Organisator. Mit seinem Tik-Tok-Team räumt er einen Preis nach dem anderen ab, wird - wie an diesem Abend - als Redner herumgereicht und bringt so auch seinen Arbeitgeber Ziehl-Abegg ins Gespräch.

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"Es geht darum, Menschen anzusprechen, die das Unternehmen noch nicht kennen", sagt Grill. Und das sei auch der Unterschied zu Plattformen wie Instagram, die oft nur wie eine Erweiterung des firmeninternen Intranets wirken, weil kaum jemand dem Account einer Firma folge, die er nicht kennt. Das sei bei Tik-Tok anders - wenn man sich richtig positioniert.

Experimente nach Feierabend

Bei Grill lief das auf unkonventionelle Weise. Vor rund drei Jahren sei er zu seinem Chef gegangen und habe kurz die Pläne für sein Tik-Tok-Experiment umrissen. Als der gehört habe, dass das kein Geld und kein Personal kosten soll, noch nicht einmal eine Agentur notwendig sei, gab es schnell das Okay. "Wir haben alles nach Feierabend gemacht, so wie die Betriebssportgruppe." Und so wie dort redete nun auch niemand rein: Kein Marketing erklärte, welche Schriftart man verwenden müsse, kein Vertrieb wollte seine Produkte auf diesem Weg verkaufen. "Wir haben am Anfang auch Videos gemacht, wo im Hintergrund das Firmenlogo zu sehen war. Das ist ganz schlecht gelaufen", erzählt Grill.

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Also konzentrierte sich das Team vor allem darauf, "Quatschvideos" zu produzieren. Inzwischen folgen dem Firmen-Account, hinter dem Grill und seine Kolleginnen Rebecca Amlung und Tamara Fietze stehen, mehr als 100.000 überwiegend junge Menschen. Zehntausende Likes gibt es für die erfolgreichen Videos - oder auch mal mehr als eine Million. Und das überwiegend von Leuten, die mit Ventilatoren und Ziehl-Abegg erst einmal wenig anfangen könnten.

E-Sports sorgt für zusätzliche Aufmerksamkeit

Als ob das nicht genug ist, gibt es noch das Thema E-Sports: Menschen treffen sich am PC, um bei Online-Spielen gegeneinander anzutreten. Ziehl-Abegg in Person von Rainer Grill organisiert auch solche Events, was günstiger sei als irgendeine Mannschaft - ob in der realen oder in der virtuellen Welt - zu sponsern. Ziehl-Abegg zeigt sich auch damit als fortschrittlicher Arbeitgeber. Wie viele Bewerbungen aus den Aktivitäten aber entstehen, sei kaum zu erfassen, erklärt Grill. "Kaum jemand bewirbt sich und sagt seinem zukünftigen Chef, dass er gerne diese Videos guckt oder am Wochenende im Keller sitzt und zockt."

Selbstredend, dass Erfolgsgeschichten wie die von Tik-Tok und Ziehl-Abegg nicht ohne weiteres zu kopieren sind. Als zusätzlicher Booster wirkt inzwischen auch, dass sich der erfolgreiche Pressesprecher und seine kreativen Mitstreiterinnen in der Szene einen Namen gemacht haben. Als Handlungsreisende in Sachen Tik-Tok sind sie nun fast jede Woche unterwegs.

Offener sein für neue Ideen

Grill appelliert an Unternehmer, auf jeden Fall offener für neue Ideen zu sein. Er betont, Vertrauen spiele eine wichtige Rolle. Denn nur wer authentisch und nahbar sei, könne die Aufmerksamkeit der Nutzer gewinnen.


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After-Work-Treffen

Zum wiederholten Mal lud die regionale Südwestmetall-Gruppe in der vergangenen Woche zum locker-entspannten "After-Work" ein: Mitglieder, aber auch Vertreter von Gewerkschaften und anderen partnerschaftlich verbundenen Einrichtungen wie Arbeitsagentur, Handwerkskammer oder IHK sowie aus der Politik. Bei Street Food und kühlen Getränken ließen sich in diesem Jahr auch die etwas kühleren Temperaturen gut aushalten.

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