Vier-Tage-Woche ohne Gehaltseinbußen – Wie die Region Heilbronn darüber diskutiert
Freitags immer frei und trotzdem wie in einem Vollzeit-Job bezahlt werden: Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Verfechter von so einer Vier-Tage-Woche halten das aber für praxistauglich.
Wenn bestimmte Unternehmen die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten etwas reduzieren und sie trotzdem das volle Gehalt zahlen, kann das einer Studie zufolge Vorteile für beide Seiten bringen. Experten stellten in Düsseldorf eine Studie zur sogenannten Vier-Tage-Woche vor. Mehr als vierzig deutsche Unternehmen und Organisationen hatten testweise ein halbes Jahr ein neues Arbeitszeitmodell eingeführt.
Studienleiterin Julia Backmann von der Universität Münster sagte, dass die Produktivität leicht gestiegen sei. Außerdem habe sich unter den Beschäftigten die Zufriedenheit erhöht. Befragte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten zudem davon berichtet, dass sich ihre mentale und körperliche Gesundheit verbessert habe.

Studie: Wie die Vier-Tage-Woche in der Praxis funktioniert
Nach der Einführung des neuen Arbeitszeitmodells änderten viele Unternehmen ihre Abläufe. Eine Maßnahme: Sie hatten weniger oder kürzere interne Meetings.
Die Aussagekraft der Studie der Universität Münster, in die auch die Unternehmensberatung Intraprenör eingebunden war, ist allerdings begrenzt, da die teilnehmenden Organisationen nicht repräsentativ sind für die deutsche Wirtschaft. Teilgenommen haben unter anderem Kindergärten, Steuerberatungen und Architekturbüros. Die Untersuchung betraf insgesamt 900 Menschen.
Die Unternehmen wählten unterschiedliche Arbeitsmodelle, im Schnitt reduzierten sie die Wochenarbeitszeit um knapp vier Stunden, also einen halben Arbeitstag. Ein Drittel der teilnehmenden Organisationen setzte auf eine echte Vier-Tage-Woche, also 20 Prozent weniger Arbeitszeit bei gleichbleibendem Gehalt.
Wie die Vier-Tage-Woche in der Region Heilbronn diskutiert wird
Auch in der Region wird die Vier-Tage-Woche diskutiert, einige Unternehmen experimentieren bereits mit neuen Arbeitszeitmodellen. So hat der Widderner Fachbetrieb für Heizung, Sanitär und Flaschnerarbeiten ASW im Frühjahr 2023 die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohn eingeführt.
Die Erfahrung seien gut, sagte Inhaber Sascha Wagner damals der Heilbronner Stimme. Sogar aus dem Großraum Stuttgart hatte er eine Bewerbung bekommen. Das hatte er nicht erwartet, schon gar nicht mit so vielen Personen, die sich für offene Stellen interessieren. "Jetzt kann man sich die guten Leute aussuchen", freute sich Sascha Wagner.
Handwerksbetrieb hatte Problem bei der Personalgewinnung
Zuvor hatte der Handwerksbetrieb große Mühe, geeignetes Personal zu finden. Weil er nicht so gut bezahlen kann wie die großen Industrie- und Handelsunternehmen in der Region Heilbronn-Hohenlohe kam Wagner die Idee, eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich einzuführen.

Die 36 Wochenarbeitsstunden werden seither auf vier Tage verteilt, dienstags bis donnerstags ist die ganze Mannschaft an Bord, montags und freitags nur die Hälfte. 16 Mitarbeiter hat das Unternehmen zurzeit, noch mehr könnten es aufgrund der Auftragslage ruhig sein, sagte der Chef damals.
Mentalitätswandel bei jungen Mitarbeitern führt zur Vier-Tage-Woche
Sascha Wagner erlebt den Mentalitätswandel bei jungen Mitarbeitern, und letztendlich führte deren Umdenken zur Vier-Tage-Woche. Den Jüngeren sei mittlerweile die Freizeit wichtiger als früher. Die einzelnen Teams entscheiden selbst, wer wann montags und wann freitags frei hat.
Mit entsprechender Planung könne man es also immer wieder hinbekommen, sagt Sascha Wagner, auch mal ein ganz langes Wochenende zu haben - frei von Freitag bis einschließlich Montag.
Stimme.de