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Düsseldorf (dpa)

Rheinmetall profitiert erneut von Rüstung

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Der Mischkonzern Rheinmetall hat im ersten Quartal einmal mehr von seiner Rüstungssparte profitiert. Dagegen schwächelte wie erwartet das Geschäft mit Autozulieferteilen. Konzernweit wuchs der Umsatz moderat, das Ergebnis legte merklich zu.

Die verbesserten Zahlen verdankt Rheinmetall allein seiner Rüstungssparte. (Archivfoto)
Die verbesserten Zahlen verdankt Rheinmetall allein seiner Rüstungssparte. (Archivfoto)

"Der Start ins Geschäftsjahr 2008 ist geglückt", sagte Vorstandschef Klaus Eberhardt am Montag in Düsseldorf. Die Analysten stimmten mit ihm überein - und hoffen nun auf eine Anhebung der Jahresprognose. Einstweilen hat sie Eberhard aber nur bestätigt. Im frühen Handel zeigte sich die Aktie entsprechend lustlos und verlor im Gleichklang mit dem MDAX 0,49 Prozent auf 50,71 Euro.

"Das erste Quartal ist etwas besser als von uns und vom Markt erwartet ausgefallen", resümierte Analyst Dirk Nettling von der Commerzbank. Und auch Stefan Halter von der UniCredit zeigte sich zufrieden: "Auf der Gewinnseite haben die Zahlen unsere Erwartungen voll getroffen." Equinet-Analyst Adrian Pehl sagte: "Der Gruppenumsatz hat zwar die Markterwartungen leicht verfehlt, unsere Schätzungen aber getroffen."

Der Umsatz legte von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut 1 Prozent auf 922 Millionen Euro zu. Die neun von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten hatten allerdings mit 937 Millionen Euro gerechnet. Dagegen übertraf der Konzern die Gewinnerwartungen: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um 10 Prozent auf 49 Millionen Euro (Prognose 47,8 Mio Euro). Der Überschuss erhöhte sich um 18 Prozent auf 26 Millionen Euro zu (Prognose 24,2 Mio Euro).

Dass Rheinmetall sich verbessern konnte, verdankte der Konzern einzig seiner Rüstungssparte. Der Umsatz legte hier um 5 Prozent auf 346 Millionen Euro zu, das EBIT um 64 Prozent auf 18 Millionen Euro. Die Düsseldorfer profitieren weiterhin vom Umbau der Verteidigungsarmeen hin zu schnellen Eingreiftruppen. Aufgrund der "unverändert hohen Zahl an internationalen Militäreinsätzen" rechnet Rheinmetall im laufenden Jahr mit "weiter steigenden Verteidigungsetats". Entsprechend sieht das Unternehmen in der Rüstungssparte auch das größere Potenzial.

Dagegen muss das Geschäft mit Autozulieferteilen weiter mit dem schwachen US-Markt kämpfen, wo die Autohersteller ihre Kapazitäten herunterfahren und Tausende Leute entlassen. Erschwerend kommen Wechselkurseffekte hinzu und - im ersten Quartal - das frühe Osterfest, das für weniger Werktage sorgte. Der Umsatz sank um 1 Prozent auf 576 Millionen Euro; das EBIT stagnierte bei 34 Millionen Euro.

Dabei kam dem Unternehmen zugute, dass die Sanierung des Kolbengeschäfts in den USA angeschlagen hat und der Bereich aus den roten Zahlen herausgekommen ist. "Wir gehen davon aus, dass die Entwicklung nachhaltig sein wird", sagte ein Konzernsprecher. Die Hoffnungen des Unternehmens im gesamten Autogeschäft ruhen nichtsdestotrotz einzig auf den Schwellenländern.

Angesichts des ordentlichen ersten Quartals erwarten die Analysten nun eine Anhebung der Prognose. Commerzbank-Analyst Nettling und sein Equinet-Kollege Pehl sprachen von einem "vorsichtigen" Ausblick. Rheinmetall hatte bei der Vorlage der Jahresbilanz Mitte März vor einem schwächeren Wachstum als 2007 gewarnt und damit die Aktie auf Talfahrt geschickt. Demnach soll das EBIT im laufenden Jahr von zuletzt 270 auf 280 bis 290 Millionen Euro steigen. Auch beim anvisierten Umsatz zeigte sich der Konzern zurückhaltend. Die kleinere Rüstungssparte soll aus eigener Kraft um 5 Prozent zulegen, die größere Autosparte um 3 Prozent. Die Ergebnisse der Sparten sollen in ähnlicher Größenordnung steigen.

Um wieder an die alten Erfolge anzuknüpfen, baut Konzernchef Eberhardt derzeit das Rüstungsgeschäft aus. Rheinmetall ist mehrheitlich in das Munitionsgeschäft der südafrikanischen Denel eingestiegen und hat den niederländischen Panzerbauer Stork PWV übernommen. Den Abschluss des letztgenannten Geschäfts erwartet Eberhard bis Ende Juni. Spekulationen, das Unternehmen sei auf dem Weg zu einem reinen Rüstungskonzern und werde das Autogeschäft mittelfristig abgegeben, hatte Eberhardt jedoch stets zurückgewiesen. Dennoch halten sich hartnäckig Aufspaltungsphantasien.

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