Holzmann-Abwicklung auf der Zielgeraden
Frankfurt/Main (dpa) - Die Abwicklung des insolventen Bauriesen Philipp Holzmann ist auf der Zielgeraden angelangt.

Das teilte Insolvenzverwalter Ottmar Hermann am Dienstagabend in Frankfurt mit. Der unterfränkische Steinmetzbetrieb Zeidler & Wimmel (Kirchheim) wurde an ein anderes Bauunternehmen veräußert. Damit konnten insgesamt mehr als 7000 der einst 10 855 Holzmann-Arbeitsplätze im Inland erhalten werden.
«Wir wollen nun mit aller Kraft die Abwicklung zu Ende bringen», betonte Hermann. Übrig seien noch rund 200 von ehemals 550 Gesellschaften, die allerdings kein aktives Geschäft mehr betreiben. Diese Firmen sollen ordnungsgemäß aufgelöst und Vermögenswerte wie Immobilien verkauft werden.
Zusätzlich würden noch verschiedene Rechtsansprüche, laut Medienberichten unter anderem gegen die Deutsche Bank, geprüft. Zu Details wollte sich der Frankfurter Rechtsanwalt nicht äußern. Bis die Gläubiger zum Zug kommen, könnten wohl noch mehrere Jahre vergehen, meinte Hermann. Insgesamt seien rund 9000 Forderungen mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro angemeldet worden.
Die letzten Holzmann-Baustellen, darunter eine Tiefgarage am Frankfurter Theaterplatz, seien 2003 abgeschlossen worden. «Holzmann hat sich bis zum Schluss als fairer Auftragsnehmer erwiesen und seine Verpflichtungen erfüllt», meinte Hermann. Das frühere Holzmann-Imperium (weltweit 23 700 Beschäftigte) sei auf 150 Mitarbeiter geschrumpft. Die nach der Insolvenz gegründete Beschäftigungsgesellschaft ist inzwischen ausgelaufen. In Hermanns Kanzlei sind nach Angaben des Insolvenzverwalters immer noch 20 Kollegen mit dem Fall befasst, der zu den spektakulärsten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte zählt.
Der Baukonzern hatte in den 1990er Jahren hohe Verluste aufgehäuft und sich einen undurchdringlichen Dschungel von Beteiligungen sowie in riskante Engagements verstrickt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) schnürte 1999 gemeinsam mit den Gläubigerbanken ein milliardenschweres Hilfspaket. Dazu zählte auch eine Ausfallbürgschaft, die von Holzmann aber nie abgerufen wurde. Die umstrittene Unterstützungsaktion konnte den Baukonzern dauerhaft nicht retten: Im März 2002 musste Holzmann Insolvenz anmelden. Große Töchter wie die Deutsche Asphalt und die Holzmann Service-Gesellschaft (HSG) konnten anschließend an ehemalige Konkurrenten verkauft werden.
Der Insolvenzverwalter bedauerte, dass die 113 Jahre alte amerikanische Holzmann-Tochter J.A. Jones mit ursprünglich 11 600 Mitarbeitern, die seit 1979 zum Konzern gehörte, nicht als Ganzes veräußert werden konnte. Zwei Verträge seien unterschriftsreif gewesen, aber in letzter Minute nicht zu Stande gekommen. J.A. Jones (Charlotte/US-Bundesstaat North Carolina) musste deshalb vor einem Jahr wegen Insolvenz Gläubigerschutz beantragen. Zuvor hatte sich die Zahl der Beschäftigten bereits auf 6500 verringert. Fünf große Tochterunternehmen wurden einzeln und laut Berichten amerikanischer Medien ohne weiteren Arbeitsplatzabbau verkauft. Die Gläubiger der Philipp Holzmann AG können von den Erlösen jedoch nicht mehr profitieren.
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