Ermittlung gegen REWE-Mitarbeiter im Heros-Skandal
Hannover/Köln (dpa) - In den Betrugsskandal um das Geldtransport-Unternehmen Heros soll auch ein leitender Mitarbeiter des Kölner Handelskonzerns

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Jürgen Lendeckel, bestätigte einen entsprechenden Bericht der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung». «Der Vorwurf lautet auf Untreue und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr», sagte Lendeckel. Der Verdacht sei so konkret, dass die Ermittler bereits 120 000 Euro aus dem Privatvermögen des 59-Jährigen beschlagnahmt hätten. REWE in Köln wollte sich nicht zu dem Verdacht äußern.
Vier Heros-Mitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft, weil sie Kundengelder in Höhe von mehr als 300 Millionen Euro unterschlagen haben sollen. Der 59-jährige REWE-Mitarbeiter soll solche Manipulationen gedeckt und dafür Schmiergeld kassiert haben, sagte Lendeckel. REWE sei ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden. Der Verdächtige sei auf freiem Fuß, weil keine Fluchtgefahr bestehe. «Dieser Mann ist sicher nicht die Hauptfigur in dem Fall», meinte der Oberstaatsanwalt. «Seine Rolle erklärt aber vielleicht, warum seine Firma zunächst nichts von den Vorkommnissen bemerkt hat.»
Eine REWE-Sprecherin sagte, wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens gegen Heros könne die Kölner Gruppe keine Einzelheiten zu dem Verdachtsfall nennen. Dem zweitgrößten deutschen Lebensmitteleinzelhändler soll nach Presseberichten durch die Heros-Machenschaften ein Schaden von gut 160 Millionen Euro entstanden sein. REWE-Chef Achim Egner hatte dazu kürzlich betont, «der Vorfall trifft uns, aber er haut uns nicht um.» Dennoch könnte der Heros-Fall zur Belastung für der Handelskonzern REWE werden, der nach zahlreichen Wechseln an der Führungsspitze und dem Untreue-Prozess gegen den Ex-Chef Ernst Dieter Berninghaus in die Negativschlagzeilen geraten war.
Die Staatsanwaltschaft Hannover sagte, es gebe keinen Hinweis darauf, dass auch in anderen geschädigten Unternehmen Mittelsmänner säßen. Die vier Hauptverdächtigen, darunter Heros-Chef Karl-Heinz Weis, haben teilweise Geständnisse abgelegt. In Untersuchungshaft sitzt außerdem die Mitarbeiterin einer Tochterfirma, die von den Machenschaften wusste und ihre Vorgesetzten erpresst haben soll. Heros hatte unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe Insolvenz angemeldet. Bis Ende April will der Insolvenzverwalter einen neuen Investor präsentieren.
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