Dr. Oetker schließt zwei Großbrauereien
Dortmund/Berlin (dpa) - Das Brauereisterben in Deutschland bekommt eine neue Dimension.

Der führende deutsche Bierhersteller Dr. Oetker will mit diesen Produktionsstilllegungen und dem Abbau von 450 Arbeitsplätzen den Dortmunder Getränkekonzern Brau und Brunnen sanieren. Mit der Übernahme von Brau und Brunnen war Dr. Oetker vor einem Jahr zum größten Bierhersteller in Deutschland aufgestiegen. Mit rund 40 Marken wie Radeberger und Jever werden pro Jahr etwa 16 Millionen Hektoliter Bier gebraut.
Die Oetker-Biersparte ist derzeit mit je zwei Großbrauereien in Dortmund und Berlin vertreten, die im Durchschnitt aber nur etwa zur Hälfte ausgelastet sind. Mit der Bündelung der Bierproduktion in Dortmund bei der Brauerei DAB und in Berlin bei Schultheiss werde eine grundlegende Sanierung angegangen, sagte der Chef der Oetker- Biersparte, Ulrich Kallmeyer, am Dienstag in Dortmund. Der weiter rückläufige Bierkonsum in Deutschland und Überkapazitäten machten diesen Schritt unumgänglich.
Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) forderte für die Dortmunder Brauereien den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis mindestens 2009. Es liefen hierzu bereits Verhandlungen mit der Konzernleitung, teilte die NGG mit. Die Gewerkschaft berief sich dabei auf den bestehenden Tarifvertrag, der bis zum 31. Dezember 2008 laufe. Die NGG warf der Konzernleitung zudem eine schlechte Vermarktungspolitik vor. Der Kindl-Betriebsratsvorsitzende Detlef Wolff äußerte sich optimistisch, dass über Hilfsmittel wie Altersteilzeit und Kurzarbeit betriebsbedingte Kündigungen in Berlin vermieden werden können.
Bei DAB in Dortmund und bei Schultheiss in Berlin sollen nun in den kommenden 12 Monaten insgesamt 50 Millionen Euro investiert werden. Danach wird die Produktion bei Brinkhoff und Kindl geschlossen und die Biermarken auf die jeweils andere Brauerei übertragen. Für die Verbraucher ändere sich nichts, hieß es. Weitere Brauereischließungen seien nicht geplant. Die Oetker-Biersparte, die sich aus der Radeberger Gruppe sowie Brau und Brunnen (BuB) zusammensetzt, verfügt über bundesweit 13 Braustandorte. Mit 450 Stellen würde fast jede zwölfter der 5500 Arbeitsplätze wegfallen.
«Die BuB ist und war allein nicht überlebensfähig», unterstrich Kallmeyer. Durch die Produktionszusammenlegungen in Dortmund und Berlin würden viele Arbeitsplätze gesichert. Ein Verkauf der beiden nicht mehr benötigten Brauereien an Billigbierhersteller komme nicht in Frage, weil dadurch die Bierhersteller in der mittleren und oberen Preiskategorie noch stärker unter Druck kommen würden. Kallmeyer geht davon aus, dass der Konsolidierungsprozess im deutschen Biermarkt mit Übernahmen und Kapazitätsabbau weiter gehen wird. «Wer jetzt im Biergeschäft strategisch eine Erkältung hat, wird morgen Fieber bekommen», beschrieb er die Marktveränderungen.

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